Forschungspreis

Welchen Patienten mit Leberzirrhose nutzen Betablocker?

Wann sind Betablocker geeignet, Patienten mit Leberzirrhose vor fatalen Ösophagusblutungen zu schützen? Ein neuer Test erleichtert die Entscheidung. Der Entwickler wurde dafür beim DGIM ausgezeichnet.

Veröffentlicht: 02.05.2017, 12:11 Uhr
Welchen Patienten mit Leberzirrhose nutzen Betablocker?

Leberzirrhose: Die Gewebevernarbungen bedingen, dass der Blutfluss umgeleitet werden muss. Da erhöht u.a. das Risiko für Ösophagusvarizen und Blutungen.

© Arteria Photography

MANNHEIM. Eine Folge von Leberzirrhose mit ihren Gewebevernarbungen ist die Bildung von Ösophagusvarizen. Denn das Blut muss über kleine Venen in Blut und Speiseröhre umgeleitet werden. Platzen diese, kommt es zu einer lebensgefährlichen Blutung. Studien haben gezeigt, dass die Einnahme von nicht-selektiven Betablockern die Gefahr von Blutungen senkt, wie die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) berichtet. Allerdings gilt dies nicht für alle Patienten.

Test verschafft Klarheit

Ein neuer Test, den Professor Jonel Trebicka von der Universität Bonn entwickelt hat, kann nach Anageben der DGIM besser vorhersagen, ob Betablocker die erhoffte Wirkung erzielen oder besser vermieden werden sollten. Der Nachwuchsforscher erhielt dafür beim 123. Internistenkongresses den mit 10.000 Euro dotierten Präventionspreis der Deutschen Stiftung Innere Medizin (DSIM) und der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM).

Für den Test wird eine Gewebeprobe aus dem Antrum entnommen. In den Zellen der Schleimhaut bildet sich nämlich infolge des erhöhten Blutdrucks u.a. vermehrt das vasoaktive Protein Beta-Arrestin. Eine hohe Konzentration zeigt nach Studienergebnissen von Trebicka (publiziert im Journal of Hepatology, doi: 10.1016/j.jhep.2016.01.022) an ,dass die Blutgefäße nicht nur auf die Behandlung mit Betablockern reagieren. Er konnte außerdem nachweisen, dass Patienten mit entsprechend hohen Werten durch die Betablocker vor einer tödlichen Blutung effektiv geschützt werden können, heißt es in der DGIM-Mitteilung.

Theodor-Frerichs-Preis für Darmforschung

Für ihre neuen Erkenntnisse zur Rolle der Darmbakterien bei der Entstehung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und von Darmkrebs, die möglicherweise neue Therapieansätze eröffnen, erhalten darüber hinaus die beiden Forscher Professor Samuel Huber, Hamburg, und Professor Sebastian Zeißig, Dresden, den diesjährigen Theodor-Frerichs-Preis der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Er ist mit 30.000 Euro dotiert und wird heute auf der DGIM-Tagung im Mannheim verliehen. (run)

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