Darmkrebs

ASS nützt nur bei HLA-1-Marker

Niedrig dosiertes ASS bietet Darmkrebspatienten mit HLA-1-Merkmal einen Überlebensvorteil. Möglicherweise lässt sich das bei der Auswahl der Patienten für die ASS-Therapie nutzen.

Veröffentlicht:
Darmlumen bei der Koloskopie. Wird ein Tumor in einem späteren Stadium entdeckt, kann Patienten-Subgruppen die Einnahme von ASS helfen.

Darmlumen bei der Koloskopie. Wird ein Tumor in einem späteren Stadium entdeckt, kann Patienten-Subgruppen die Einnahme von ASS helfen.

© RRF/fotolia.com

LEIDEN. Patienten mit Darmkrebs, die ab der Diagnose mit niedrig dosiertem ASS behandelt werden, haben im Vergleich zu Patienten ohne ASS einen Überlebensvorteil. Dies gilt jedoch nicht beim Rektumkarzinom. Die Ärzte um Dr. Marlies S. Reimers von der Universität in Leiden prüften jetzt, ob dieser Vorteil vom Transplantationsmerkmal HLA-1 auf den Tumorzellen abhängt (JAMA Intern Med. 2014; online 31. März).

Dieser Vorteil könnte mit einer geringen oder gar keiner Expression des Antigens assoziiert sein. Denn solche metastasierenden Zellen werden bevorzugt von natürlichen Killerzellen eliminiert.

Die Forscher verwendeten das Krebsregister von Eindhoven, das mit der Datenbank Pharmo verbunden ist. Die Daten stammen von Tumorproben, die 999 Patienten mit Darmkrebs zwischen 2002 und 2008 entnommen und auf das HLA-1-Merkmal immunhistochemisch untersucht worden waren.

Mehr als 80 Prozent der Patienten waren zum Zeitpunkt der Diagnose höchstens im Stadium III. Das Follow-up reichte von 30 Tagen nach der Diagnose bis zum Jahr 2012 oder dem Tod des Patienten.

Von allen Teilnehmern hatten 182 Patienten (18,2 Prozent) niedrig dosiertes ASS (zwischen 75 und 325 mg pro Tag) ab der Krebsdiagnose eingenommen. Insgesamt 465 Patienten starben bis zum Ende des Follow-up: 396 von 817 Patienten (48,5 Prozent) ohne ASS-Therapie und 69 der 182 Patienten (37,9 Prozent) mit ASS.

Die Wahrscheinlichkeit, im Studienzeitraum zu sterben, war bei ASS-Behandlung gegenüber der Vergleichsgruppe um 36 Prozent verringert (Relatives Risiko, RR: 0,64).

Nutzen abhängig von COX-2

Wurden potenziell verzerrende Parameter wie Alter, adjuvante Chemotherapie und Jahr der Diagnose berücksichtigt, war der Überlebensvorteil bei ASS-Therapie und HLA-1-Merkmal noch deutlicher (adjustiertes RR: 0,53). Für Patienten ohne HLA-1 in den Tumoren bot die ASS-Einnahme keinen Überlebensvorteil (adjustiertes RR: 1,03).

Weil die Diagnose in einem relativ späten Krebsstadium erfolgte, vermuten die Ärzte, dass ASS im Wesentlichen auf zirkulierende Krebszellen wirkt und deren Fähigkeit, sich zu Metastasen zu entwickeln.

Aus der Studie geht zudem hervor, dass der Nutzen von ASS unabhängig davon war, ob die Krebszellen viel oder wenig von dem Enzym COX-2 synthetisieren, das - wie COX-1 - von ASS gehemmt wird. Frühere Studien hatten ergeben, dass der Nutzen von ASS sehr wohl mit einer starken Expression von COX-2 assoziiert ist, wie die Ärzte berichten.

"Wenn ich ein Kolonkarzinom im Stadium III hätte, würde ich meiner adjuvanten FOLFOX-Therapie ASS hinzufügen", kommentiert Dr. Alfred I. Neugut aus New York die Studienergebnisse (JAMA Intern 2014; online 31. März).

In diesem Stadium scheinen die Blutungsrisiken durch ASS als gering im Vergleich zum Nutzen. Wenn er von seinen Patienten gefragt würde, was außer der Standardtherapie noch getan werden könne, habe er jetzt eine rasche Antwort parat. (ple)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Durvalumab im Real-World-Vergleich

© Springer Medizin Verlag

ED-SCLC

Durvalumab im Real-World-Vergleich

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Wechselwirkungen

Diese Medikamente sind bei Herzinsuffizienz riskant

Interview mit Physiotherapeutin

Bewegung bei Nackenschmerzen: Welcher Sport ist der richtige?

Atemwegserreger

RKI: RSV-Welle deutet sich an

Lesetipps
Diabetespatientin spritzt sich Insulin mit Insulinpen

© Goffkein / stock.adobe.com

Wenig bekannte Insulinkomplikation

Vorsicht bei Insulininjektionen: Nicht immer dieselbe Stelle nehmen

Eine ältere Frau klagt über Gelenk- und Muskelschmerzen in ihren Händen.

© Yakobchuk Olena / stock.adobe.com

Kasuistik zu Autoimmunerkrankung

Wüssten Sie, was hinter diesen Symptomen steckt?