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HINTERGRUND

Acht einfache Regeln: So wird Angehörigen das Reanimieren leicht gemacht

Von Christiane Inholte Veröffentlicht:
Gruppenübung zur Reanimation in der Praxis.

Gruppenübung zur Reanimation in der Praxis.

© Foto: Dr. Klaus-Gerrit Gerdts

Nicht-Mediziner sollen Notfälle erkennen, schneller mit der Ersthelfer-Reanimation beginnen und zeitnah defibrillieren. Das sind die Hauptziele, die die Bundesärztekammer mit neuen Empfehlungen zur Reanimation erreichen will. "Denn obwohl umfangreich in die Aus- und Fortbildung von Ersthelfern und medizinischem Personal investiert wurde, ist die Überlebensrate bei plötzlichem Kreislaufstillstand kaum gestiegen", so Dr. Klaus-Gerrit Gerdts aus Cuxhaven bei einer Veranstaltung zu den neuen Reanimationsleitlinien in Hamburg.

Kammerflimmern ist die häufigste Todesursache

Schon lange diskutieren Notfallmediziner, wie die Überlebenschancen bei plötzlichem Kreislaufstillstand erhöht werden können. Ihr Schluss: Zwei Faktoren sind entscheidend, dass so wenige Patienten nach einer Reanimation überleben. Erstens vergeht zu viel Zeit, bis adäquat wiederbelebt wird. Zweitens ist eine Reanimation meist nur mit Defibrillation erfolgreich - die häufigste Todesursache ist Kammerflimmern.

Daher wurde schon vor Jahren eine Studie gestartet, in der dem Bordpersonal einer US-Airline die Grundregeln der Reanimation und der Umgang mit Defibrillatoren beigebracht wurde.

Wissen zur Reanimation erhöht die Überlebenschancen

Das Ergebnis der Schulungsmaßnahme: 40 Prozent der Patienten überlebten einen Herz-Kreislauf-Stillstand (N Engl J Med 343, 2000, 1210). Im Vergleich dazu liegt die Rate der Patienten, die in Deutschland nach externer Reanimation und nachfolgender Einweisung das Krankenhaus lebend wieder verlassen, nur bei sechs Prozent, sagte Gerdts.

Die Ergebnisse der Studie mit dem Flugpersonal wurden anschließend mit Bodenpersonal überprüft. Ein Ärzteteam schulte den Sicherheitsdienst von Kasinos in Las Vegas. Die Erfolgsquote: 53 Prozent der Patienten (56 von 105) überlebten. Wurde bereits innerhalb der ersten drei Minuten defibrilliert, lag die Quote sogar bei 74 Prozent (N Engl J Med 343, 2000, 1206). Fazit der Untersuchungen, die durch weitere Studien belegt sind: Frühe Defibrillation bei Reanimation erhöht die Überlebensrate.

Um die Überlebenschance durch effektive Ersthelfer-Maßnahmen in den ersten zehn bis 15 Minuten - bis zum Eintreffen eines Notarztes mit Defibrillator - zu erhöhen, wurden die Reanimationsleitlinien weiter verbessert. Die wichtigste Aufgabe sei nun, den Menschen in Deutschland die neuen Informationen zu vermitteln, so Gerdts bei der von Pohl Boskamp organisierten Veranstaltung. "Niedergelassene Kollegen sind hier hervorragende Multiplikatoren." Denn in ihren Praxen sind die Risiko-Patienten - und auch deren Angehörige, die am dringendsten geschult werden müssen. 85 Prozent der plötzlichen Kreislaufstillstände passieren zuhause.

30 bis 60 Minuten reichten aus, um die neuen Wiederbelebungs-Empfehlungen zu vermitteln. Das kann ganz einfach in Form von Gruppenschulungen in der Praxis passieren. "Um ihren Liebsten im Notfall das Leben retten zu können, sind viele bereit, zehn Euro zu investieren", ist die Erfahrung des Notfallmediziners. Abgerechnet werden kann die IGeL nach GOÄ-Ziffer 20 mit 1,43-fachem Steigerungssatz, um auf die runde Summe von zehn Euro zu kommen.

Der Algorithmus für den Notfall umfasst acht einfache Schritte:

  • Sicherheit

Das eigene Leben geht immer vor! Daran sollte etwa auf der dunklen Autobahn gedacht werden.

  • Ansprechbarkeit

"Shake and Shout" (Schütteln und Anschreien) heißt die prägnante Devise in den USA.

  • Hilferuf

Reagiert der Patient nicht, muss laut um Hilfe gerufen werden. Kommt jemand zu Hilfe, kann diese Person den Notarzt verständigen, der Ersthelfer geht zu Schritt vier über.

  • Atemwege öffnen

Der Kopf des Betroffenen wird dabei nach hinten überstreckt und der Mund durch Zug am Kinn geöffnet.

  • Atmung prüfen

Gerdts' Tipp: Das Ohr über dem Mund des Bewusstlosen positionieren und in Richtung Brustkorb schauen. So können drei Sinne die Situation erfassen - die Augen Brustkorbexkursionen, das Ohr Atemgeräusche, die Haut Luftströme. Und: Potenziellen Ersthelfern muss erklärt werden, was eine Schnappatmung ist und dass sie den bevorstehenden Tod kennzeichnet.

  • Notruf 112

Kommt der Ersthelfer zum Schluss, dass ein Kreislaufstillstand vorliegt, muss unverzüglich die 112 gewählt werden. Denn nur so kann der Patient schnellstmöglich die lebensrettende Defibrillation erhalten. "Das bedeutet, dass der Ersthelfer den Schauplatz notfalls verlassen muss! Es macht keinen Sinn, stundenlang etwa im Park zu reanimieren bis Hilfe kommt", betonte Gerdts.

  • 30 Kompressionen

Kein großes Suchen und Abmessen mehr: Die Kompressionen werden einfach in der Mitte des Brustkorbs ausgeführt. Es sollte eine Frequenz von etwa 100 Kompressionen pro Minute erreicht werden. Ist das Gehirn mit Sauerstoff versorgt, kann der Hirntod verhindert werden, bis der Notarzt eine Defibrillation erfolgt.

  • 2 Beatmungen

"Wer denkt, dass er Beatmung nicht über sich bringen kann, soll es lieber lassen und nur den Brustkorb komprimieren", empfahl Gerdts. Es sei wichtiger, überhaupt etwas zu unternehmen, als aus Ekel nichts tun.

Notfall-Algorithmus für Ersthelfer

Diese acht Punkte muss ein Ersthelfer unbedingt beachten:

  1. Sicherheit
  2. Ansprechbarkeit
  3. Hilferuf
  4. Atemwege öffnen
  5. Atmung prüfen
  6. Notruf: 112
  7. 30 Kompressionen
  8. 2 Beatmungen
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