Mückenschutz angeraten

Achtung vor West-Nil-Virus in Ostdeutschland

Mindestens vier Menschen haben sich im August in Deutschland mit dem West-Nil-Virus infiziert. Außerdem wurde das Virus bei mehreren Vögeln nachgewiesen.

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Mücken der Gattung Culex pipiens sind in Deutschland weit verbreitet und Hauptüberträger des West-Nil-Virus.

Mücken der Gattung Culex pipiens sind in Deutschland weit verbreitet und Hauptüberträger des West-Nil-Virus.

© Maren Winter / stock.adobe.com

Düsseldorf. Das CRM Centrum für Reisemedizin rät Menschen in Zentral-Ostdeutschland, vor allem aber in den Regionen um Berlin, Halle (Sachsen-Anhalt), Bernburg (Sachsen-Anhalt) und Erfurt (Thüringen), auf einen sorgfältigen Mückenschutz zu achten.

Hintergrund sind die vor Kurzem identifizierten autochthonen Infektionen von vier Menschen mit dem West-Nil-Fieber. Weitere Verdachtsfälle lägen vor. Zuvor waren in diesen Regionen Mitte Juli Infektionen mit dem West-Nil-Fieber bei Vögeln gemeldet worden, heißt es in einer Mitteilung des CRM.

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„Für den kommenden Herbst rechnen wir neben den nun für dieses Jahr bekannten vier Fällen noch mit weiteren Infektionen“, wird der wissenschaftliche Leiter des CRM, Professor Tomas Jelinek, in der Mitteilung zitiert.

Da es in Europa seit den 1960er Jahren immer wieder zu sporadischen Ausbrüchen kommt, wird diskutiert, dass Zugvögel im Frühjahr das West-Nil-Virus aus den tropischen und subtropischen Endemiegebieten einschleppen und dann in Europa auf Mücken übertragen.

Unter bestimmten Witterungsbedingungen können diese infizierten Mücken dann auch Menschen mit dem Virus anstecken, heißt es in der Mitteilung.

„Grippeähnliche Erkrankung“

Beim West-Nil-Fieber handelt es sich um eine akute, oft grippeähnliche Erkrankung, die von nachtaktiven Mücken übertragen wird. Hauptüberträger in Europa sind hauptsächlich die Mückenarten Culex pipiens beziehungsweise Culenx modestus.

Die Krankheit bricht drei bis sechs Tage nach dem Stich durch eine infizierte Mücke aus. Fieber, Muskelschmerzen und angeschwollene Lymphknoten seien typische Symptome, heißt es in der Mitteilung weiter.

Etwa ein Drittel der Erkrankten entwickele an Brust, Rücken und Armen einen Hautausschlag, der jedoch ohne Schuppung abheile. Bei einigen Patienten komme es zu Hirn- oder Hirnhautentzündung. Vor allem bei älteren Menschen könne die Erkrankung tödlich verlaufen.

Therapie gibt es bislang nicht

Eine spezifische Therapie für West Nil-Fieber existiere bislang nicht. „Gegen das Virus gibt es keine Impfung“, so der Reisemediziner Jelinek. „Daher ist ein konsequenter Mückenschutz, insbesondere in der Dämmerung und nachts, besonders wichtig.“ Bei Aufenthalten im Freien rät das CRM zu körperbedeckender Kleidung aus möglichst hellen, luftdurchlässigen Stoffen.

Durch die Imprägnierung mit einem Insektizid, beispielsweise mit Permethrin, könne die Schutzwirkung noch deutlich verbessert werden. Auf nicht bedeckte Hautstellen, wie Handgelenke, Kopf und Hals, sollte ein Mückenabwehrmittel aufgetragen werden. Repellents, die den Wirkstoff DEET (N,N-Diethyl-m-toluamid) in einer Konzentration von 30 bis 50 Prozent enthalten, gälten derzeit als das effektivste verfügbare Mittel. (eb)

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