Direkt zum Inhaltsbereich

Ärzte drohen Impfgegnern mit berufsrechtlichen Schritten

DRESDEN (dür). Die Landesärztekammer Sachsen will die Schutzimpfungsraten verbessern. Unter anderen fordert sie disziplinarische Maßnahmen gegen Impfgegner - etwa gegen Ärzte, die ihren Patienten von Impfungen abraten.

Veröffentlicht:

Der 16. Sächsische Ärztetag hat die Politiker aufgefordert, die notwendigen Rechtsgrundlagen dafür zu schaffen, daß Kindertagesstätten und Gymnasien künftig nur noch Kinder aufnehmen, die einen vollständigen Impfstatus nachweisen können. Ausnahmen sollen lediglich für Kinder gelten, die eine ärztlich bestätigte Kontraindikation gegen eine Impfung nachweisen können.

Den Krankenkassen schlugen die Ärzte vor, bei Säuglingsimpfungen eine Bonusregelung wie beim Zahnersatz einzuführen. Möglich sei auch ein Malussystem, bei dem die Kassen die Behandlungskosten für diejenigen Kinder nicht übernehmen, deren Erkrankung durch Schutzimpfungen vermeidbar gewesen wären.

Weiterhin forderten die Delegierten das Gesundheitsministerium auf, für eine Umsetzung der Empfehlungen der Impfkommission im öffentlichen Gesundheitsdienst zu sorgen. Dazu gehöre auch eine Impfmeldepflicht der Impfärzte.

Die Empfehlungen der Kommission werden oft ignoriert, klagte Professor Siegwart Bigl, Chef der sächsischen Impfkommission. Er berichtete von einer Aufforderung des Leipziger Gesundheitsamtes an Impfärzte, keine Meldungen der ausgeführten Impfungen mehr einzusenden.

Ohne vollständige Meldungen seien keine Aussagen über den Grad der Durchimpfung und damit auch keine Aussagen zur Immunität oder Gefährdung der Bevölkerung möglich. Die Beweisführung bei Impfschadensfällen werde ebenso erschwert oder unmöglich gemacht wie der Ersatz verloren gegangener Impfausweise, kritisierte Bigl.

Die Kammer will zudem prüfen, welche berufsrechtlichen Schritte gegen Ärzte eingeleitet werden können, die ihren Patienten wiederholt von Standardimpfungen abraten. "Unabhängig von seiner persönlichen Meinung hat ein Arzt die Pflicht, Patienten auf die Notwendigkeit und Möglichkeit der Impfung gegen ansteckende Krankheiten aufmerksam zu machen. Entscheidend ist die vorherrschende Ansicht in der wissenschaftlichen Medizin", sagte Bigl.

"Ärzte, die sich gegen das Impfen aussprechen, verstoßen gegen das Gebot der ärztlichen Sorgfalts- und Qualitätssicherungspflichten. In Deutschland hat dies leider noch keine rechtlichen oder disziplinarischen Konsequenzen", bedauerte er.

Mehr zum Thema

Sie fragen – Experten antworten

Wann zählt die FSME-Impfung bei der Vorhaltepauschale mit?

GBA-Beschluss

Neue Vorgaben zur Corona-Impfung gesetzlich Versicherter in Kraft getreten

Das könnte Sie auch interessieren
Influenza-Risikopatienten systematisch identifizieren

© manusapon kasosod | Getty Images (mit KI bearbeitet)

Impfen in der Praxis

Influenza-Risikopatienten systematisch identifizieren

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Eine Patientenplattform als Ergänzung des Impfgesprächs

© Getty Images/Tetra images RF

Grippeschutz für alle

Eine Patientenplattform als Ergänzung des Impfgesprächs

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

© Lu ShaoJi | Getty Images

Grippeimpfstoff-Forschung

Influenzaimpfung: Technologie, Evidenz und Empfehlung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Vom Warnsignal zur RNAi-Therapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

© Rasi / stock.adobe.com

Chronische Herzinsuffizienz

HFpEF: Diagnostik, Therapie und Monitoring für die tägliche Praxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Sie fragen – Experten antworten

Wann zählt die FSME-Impfung bei der Vorhaltepauschale mit?

Lesetipps
Ehrenamtliches Engagement beeindrucke sie nicht nur, „es berührt mich“, erklärte die einstige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

© David Vogt

Springer Medizin Gala

Preisträger des Springer Medizin Charity Awards feierlich gekürt

Bei der Springer Medizin Gala wurden die Preisträger des Galenus-von-Pergamon-Preises und des Charity Awards gekürt.

© Marc-Steffen Unger

Preisträger gekürt

Das sind die Gewinner des Galenus-von-Pergamon-Preises 2026