UND SO SEH' ICH ES

Ärztliche Kunst für die kollektive Radler-Unschuld

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Jahrelang haben die Meister des Giro d’Italia und der Tour de France den Mund gehalten, obwohl es schon längst ein offiziöses Geheimnis war, dass die großen Erfolge der Radsportler in den Alpen mehr ärztlicher und pharmazeutischer Kunst denn technischem Können und körperlicher Fitness zuzurechnen waren.

Sie hielten dicht - und waren die größten Dichter, wenn es darum ging, immer wieder neue und abenteuerliche Geschichten rund um ihre natürliche Leistungskraft zu erfinden. Erst als die Beweislage erschlagend war, bekamen die einstigen Zweirad-Zyklone urplötzlich Gewissensbisse. Sie packten aus. Aus Dichtern wurden reuige Sänger.

Der Drang zur Beichte ihrer Doping-Sünden ist so ansteckend gewesen, dass er sich schneller als die Salmonellenepidemie in Fulda auszubreiten schien. Einer nach dem anderen hat plötzlich auspacken wollen. Aber bitte bei Beckmann, Kerner oder in einer anderen TV-Talkshow; denn lohnen sollten sich die Geständnisse doch allemal ...

Umsomehr, als bei den meisten die gebeichteten Sünden schon einige Jahre zurückliegen, viele Untaten somit verjährt sind und sie sie nicht mehr in Konflikt mit dem Strafgesetz bringen können. Zur "Ehrenrettung" vieler ist man geneigt anzunehmen, dass die Doping-Sünder sich selbst in einer kollektiven Unschuldsvermutung wähnten. Denn: Wenn alle Profi-Radler etwas nehmen, kann das doch bitte schön kein Verbrechen sein - frei nach dem morgendlichen Radlergruß: "Hast du schon gedopt, oder musst du noch die Kontrolle abwarten?"

Einer fehlt aber noch in der Reihe der Beichtkinder. Der große Unschuldige, der noch vor wenigen Monaten mit allen seinen "Verleumdern" abrechnen wollte. Mit allen, die gewagt hatten, ihn, den Vorzeigeathleten und das große Idol der Jugend, zu verdächtigen, sein Blut sei beutelweise auf Wanderschaft gegangen. Nach Spanien und zurück. Ob er vielleicht abwarten will, dass die Massenbeichte die Staatsanwälte milder stimmt?

Unbestritten ist fernab aller Beichten eins: Es gibt kein Doping ohne ärztliche Mithilfe. Da haben sich anfangs unschuldige Lämmlein als rabenschwarze Schafe erwiesen. Die beiden Freiburger Sportärzte, die Dopingmittel verabreicht und überwacht haben, sind von der Uni Freiburg bereits entlassen worden. Sie haben gröblichst gegen den hippokratischen Eid verstoßen. Das Sportinstitut der Universität stand übrigens schon seit Jahren unter dem Verdacht der Manipulation mit Doping. Doch die Aufsichtsbehörden haben sich verhalten wie Mizaru, Kikazaru und Iwazaru - die drei Affen in Nikko: Nichts sehen, nichts hören und nichts sagen. Ergo haben auch sie schmählich versagt - meint

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