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Antithrombin aus der Milch transgener Ziegen

WIEN (urm). Patienten mit Thrombophilie, bei denen eine Substitution mit Antithrombin indiziert ist, steht jetzt unter dem Handelsnamen ATryn® das erste und bislang einzige gentechnisch hergestellte Antithrombin zur Verfügung.

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Hergestellt wird das rekombinante Protein in einem "tierischen Bioreaktor", nämlich in transgenen Ziegen. In einem aufwändigen Entwicklungsprozess ist es gelungen, das für humanes Antithrombin kodierende Gen ins Erbgut der Tiere einzuschleusen. Es wurde an einen für die Milchproduktion zuständigen Promoter gekoppelt, so Dr. Sean Evans von GTC Biotherapeutics im US-amerikanischen Framingham.

Evans berichtete bei einem von LEO Pharma veranstalteten Symposium "Beating Blood Clots" in Wien, dass der Bioreaktor Ziege offenbar überaus ergiebig ist. Aus der Milchausbeute von einer bis zwei transgenen Ziegen lässt sich pro Jahr etwa ein Kilogramm Antithrombin alfa extrahieren. Mit herkömmlicher plasmatischer Herstellung müsste man dazu bis zu 50 000 Spender zur Ader lassen. Um hinreichenden Antithrombin-Nachschub müsse man sich einstweilen also nicht sorgen, so Evans.

Obwohl über transgene Ziegen gewonnen, ist die Aminosäuresequenz des rekombinanten Antithrombin alfa mit der von humanem Antithrombin identisch. Nahezu identisch ist auch die biologische Aktivität. Nur bei der Affinität zu Heparin, das die Wirkung von Antithrombin verstärkt, gibt es einen Unterschied. Sie ist dank modifizierter Seitenketten etwa viermal so hoch wie beim humanen Antithrombin. Mit etwa zehn Stunden ist die Plasmahalbwertszeit kürzer.

Eine perioperative Substitution mit Antithrombin alfa kommt besonders dann in Betracht, wenn sich bei Thrombophilie-Patienten das Risiko thromboembolischer Ereignisse mit Heparin nicht ausreichend senken lässt. Das sind vor allem Patienten mit hereditärem Antithrombin-Mangel. In einer Phase-III-Studie hat sich rekombinantes Antithrombin alfa bei solchen Patienten als effektive und verträgliche Alternative zu herkömmlichen Plasmaprodukten erwiesen.

Alle 14 Studienteilnehmer befanden sich zum Zeitpunkt des Einschlusses in einer Hochrisikosituation, etwa nach chirurgischen Eingriffen oder durch eine Schwangerschaft. In einem 30-tägigen Beobachtungszeitraum kam es bei keinem der Patienten zu einem klinisch manifesten thromboembolischen Ereignis. Antikörper gegen rekombinantes Antithrombin alfa wurden nicht nachgewiesen.

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