Ungenügende UAW-Daten

Auch STIKO-Mitglied Bogdan gegen generelle Kinderimpfkampagne

Allen politischen Einlassungen zum Trotz: Die STIKO bleibt hartnäckig und wird wohl keine generelle Corona-Impfempfehlung für Kinder abgeben.

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Erlangen. STIKO-Mitglied Professor Christian Bogdan hat sich in der Debatte um Corona-Impfungen für Kinder und Jugendliche gegen eine „generelle Kinderimpfkampagne“ ausgesprochen. „Eine Impfempfehlung kann nicht einfach deswegen ausgesprochen werden, weil es gerade gesellschaftlich oder politisch opportun erscheint“, sagte der Erlanger Immunologe, der der Ständigen Impfkommission angehört, den „Nürnberger Nachrichten“ (Samstagsausgabe).

Die Wirksamkeit für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren sei zwar nachgewiesen – „aber in Sachen Nebenwirkungen fehlen noch ausreichend Daten“, sagte er. „Die Immunantwort eines Kindes kann anders verlaufen als bei einem Erwachsenen. Deswegen braucht man da mehr Daten.“ Auch medizinische Fachgesellschaften kritiseren die bis dato dünne Datenlage.

Die EU-Arzneimittelagentur EMA hatte am Freitag eine Erweiterung der bedingten Zulassung der mRNA-Vakzine Comirnaty® von BioNTech für Kinder und Jugendliche von 12 bis 15 Jahren befürwortet. Die formale Zulassung durch die EU-Kommission steht noch aus, ebenso eine allfällige Empfehlung der Schutzimpfung durch die STIKO.

Herdenimmunität wohl auch so erreichbar

Seitens der Kommission gab es in den vergangenen Tagen wiederholt Signale, dass sie möglicherweise keine allgemeine Impfempfehlung für alle Kinder geben wolle, sondern nur für vorerkrankte Kinder.

Der Infektionsepidemiologe und Immunologe Bogdan verwies auf „Hinweise für ein erhöhtes Auftreten von Herzmuskelentzündungen im zeitlichen Kontext zur Impfung, vor allem bei jungen Männern“. „Ich will nicht die Pferde scheu machen. Aber wir brauchen eben Daten und sollten nicht eine generelle Kinderimpfkampagne starten.“

Ziel müsse es sein, in erster Linie diejenigen durch eine Impfung zu schützen, die ein erhöhtes Risiko haben, schwer zu erkranken oder sogar zu sterben. „Eine Impfung von Kindern nur zum Zwecke des indirekten Schutzes anderer ist keine ausreichende Impf-Indikation.“

Eine Impfquote von 70 bis 80 Prozent, die als Schwelle für eine sogenannte Herdenimmunität gilt, sei auch ohne die umfassende Impfung von Kindern zu erreichen. (dpa)

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