Auch in Deutschland Heparin-Probleme

NEU-ISENBURG (skh). Nachdem es in den USA zu Komplikationen nach Heparin-Behandlungen gekommen ist, wird nun auch das Präparat eines Herstellers in Deutschland zurückgerufen. Das Landesamt für soziale Dienste Schleswig-Holstein hat am Mittwoch den Rückruf eines Heparin-Produktes des Unternehmens Rotexmedica angeordnet.

Veröffentlicht:

Die Rücknahme erfolgte in Absprache mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Auslöser für die Maßnahme waren 80 beim BfArM eingegangene Berichte über allergische Reaktionen nach der Verabreichung des Präparates. Todesfälle gab es keine. Als Ursache werden Verunreinigungen in dem Wirkstoff vermutet.

Der komplette Rückruf erfolgte, weil die Verunreinigungen nicht auf einzelne Lieferungen eingeschränkt werden konnten, so Dr. Axel Thiele vom BfArM. Im Verdacht stehen bisher ausschließlich die unfraktionierten, nicht aber die subkutan verabreichten niedermolekularen Heparine von Rotexmedica.

Bei dem in Trittau bei Hamburg ansässigen Unternehmen wurde in der Herstellung möglicherweise ein Rohheparin vom gleichen chinesischen Hersteller verwendet wie bei dem US-Unternehmen Baxter Healthcare. Der US-Gesundheitsbehörde FDA liegen seit Januar fast 800 Berichte über Komplikationen, meist allergische Reaktionen, im Zusammenhang mit einem von Baxter-Heparin vor.

Wie die "New York Times" berichtet, wird bei 19 gestorbenen Patienten die Heparingabe als Ursache vermutet. Im Februar war von vier Toten die Rede. Die verunreinigenden heparinähnlichen Substanzen sind nicht mit den üblichen Labortests nachweisbar, sondern erst mit speziellen Magnetresonanzverfahren.

Baxter, einer der größten Heparin-Lieferanten in den USA hat inzwischen die meisten seiner Heparin-Produkte zurückgezogen. US-Medienberichten wird es dadurch in nächster Zeit Engpässe in der Heparinversorgung geben.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei noch offen, ob die Verunreinigungen auf einen Fehler in der Produktion oder auf ein bewusstes Täuschungsmanöver chinesischer Hersteller, also auf eine Medikamentenfälschung zurückzuführen sind, so Janet Woodcock von der FDA.

Professor Andreas Greinacher, Transfusionsmediziner von der Uniklinik Greifswald vermutet, dass nicht das Heparin sondern eine Beisubstanz die Komplikationen ausgelöst hat. "Bei der Menge an Heparin, die weltweit verabreicht wird, ist das wahrscheinlich kein Heparin-spezifisches Problem, so Greinacher zur "Ärzte Zeitung".

Mehr Infos unter: www.bfarm.de, erweiterte Suche mit "Heparin"

80 Berichte über allergische

Reaktionen durch Heparin

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Anwältin erläutert Fristen

Regressbescheid nach 10 Jahren – ist das rechtens?

Lesetipps
Skelettszintigraphie einer betroffenen Patientin mit Osteomalazie in den Hüften (gelb) nach intravenöser Eisentherapie mit Eisencarboxymaltose.

© Roland Haubner/Universitätsklinik für Nuklearmedizin Innsbruck

Beobachtungsstudie

Eisenmangel: Wahl des Eisenpräparats beeinflusst das Frakturrisiko

Markus Frühwein

© Porträt: privat | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Keine Gelbfieberimpfung bei Patienten über 60 Jahren: Stimmt das?

Ein Arzt in einem weißen Arztkittel spricht mit einem männlichen Patienten über die Ergebnisse der medizinischen Untersuchung und gibt anhand dieser eine Behandlungsempfehlung ab.

© Pcess609 / stock.adobe.com

Kommunikationsfehler vermeiden

Tipps: So sollten Sie mit Patienten über Risiken und Zahlen sprechen