Harninkontinenz

Auf Knopfdruck wird die Blase entleert

HAMBURG (grue). Ein implantierter Blasenschrittmacher kann die Ultima ratio sein bei Patienten mit imperativem Harndrang oder sonst nicht zu behandelnder Dranginkontinenz: Wird der elektrische Impulsgeber ausgeschaltet, entspannt sich der Beckenboden und die Blase entleert sich.

Veröffentlicht:

Damit können Patienten mit Inkontinenz ihre Blasenfunktion wieder selbst kontrollieren und erlangen ein großes Stück Lebensqualität zurück, sagt Professor Burkhard von Heyden von den SLK-Kliniken in Heilbronn. Der Urologe hat die so genannte sakrale Neuromodulation bisher 25 mal angewendet, vorwiegend bei Patienten mit Dranginkontinenz. Die Erfolgsrate betrug 65 Prozent und entsprach damit den Ergebnissen aus Studien. Da alle Patienten langjährig inkontinent und mehrfach vorbehandelt waren, sei die Wirksamkeit der Neuromodulation beachtlich, so von Heyden. "Ein Versuch lohnt sich allemal und lässt sich als Probestimulation auch kostengünstig vornehmen".

Eine mehrtägige Testphase ist bei der Technik der sakralen Neuromodulation ohnehin vorgesehen, um den Erfolg der Behandlung vor der Implantation des Impulsgebers beurteilen zu können. Dafür werden die in der Sakralwurzel bei S3 implantierten Elektroden zunächst mit einem externen Modulator verbunden. Danach lässt sich die Wirkung der permanenten Stimulation auf die Inkontinenz mit Hilfe eine Blasentagebuches minutiös erfassen. Die elek-trischen Rechteckimpulse am Sakralnerven unterbinden die Reflexentleerung der Blase und überlagern zudem das Schmerz- und Drangempfinden, erläuterte von Heyden. Patienten, bei denen dies gut funktioniert, erhalten den Impulsgeber als dauerhaftes Implantat mit einer Batterielebensdauer von mehr als zehn Jahren. Bedient wird das Gerät über einen kleinen Sender. Mit etwa 400 Implantationen in Deutschland (weltweit 22 000) zählt die Neuromodulation zu den anerkannten Verfahren bei therapierefraktären Blasenentleerungsstörungen. Sie wird ausschließlich von Inkontinenz-Zentren angeboten. Die Kosten werden von den Kassen übernommen.

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Soll bald in der EU zugelassen sein: AstraZenecas COVID-19-Vakzine.

Neue Corona-Impfempfehlung

STIKO will AZD1222 nur für Erwachsene bis 64 empfehlen

Hoffnungsträger oder Strohhalm? Lillys Bamlanivimab soll – wie auch Regenerons Antikörper-Cocktail „REGN-COV2“ – das Spike-Protein von SARS-CoV-2 blockieren und so die Viruslast reduzieren.

BMG-Bestellung

COVID-Antikörper mit Staatshaftung

Eine ältere Patientin ist im Krankenhaus verstorben. Palliativmedizin kann für Schwerkranke eine Handlungsoption jenseits der Suizidhilfe sein.

Sterbehilfe

Suizidassistenz beschäftigt Ärzteschaft und Bundestag