Fibromyalgie

Auf dem Weg zur individualisierten Therapie

Für die Behandlung von Patienten mit Fibromyalgie gibt es aktualisierte Leitlinien. Eine Neuerung: Es gibt nun drei Patientengruppen – dies hat Bedeutung bei einer eventuellen Pharmakotherapie.

Von Wiebke Kathmann Veröffentlicht:
Druckschmerzpunkte bei Fibromyalgie.

Druckschmerzpunkte bei Fibromyalgie.

© Henrie / fotolia.com

LONDON. Die bisher gültige Leitlinie zur Behandlung bei Fibromyalgie fußte auf Evidenz bis 2005. Seitdem hat sich viel getan.

Dies hat zwar die Empfehlungen in der beim diesjährigen EULAR-Kongress in London vorgestellten neuen Leitlinie kaum verändert. Sie sind jetzt aber überwiegend Evidenz- und nicht mehr nur Eminenz-basiert (Ann Rheum Dis 2016; online 4. Juli).

Auch für die Fibromyalgie haben die Leitlinien-Autoren zwei übergeordnete Prinzipien formuliert.

- Als zweites übergeordnetes Therapieprinzip nennt die überarbeitete Leitlinie die Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, wobei Nutzen und Risiken der Therapiebausteine gegeneinander abgewogen und die nicht-pharmakologischen und pharmakologischen Behandlungen in Kombination und durch ein multidisziplinäres Team erbracht werden sollen.

Sie sollen in einer gemeinsamen Entscheidung mit dem Patienten an dessen individuelle Schmerzintensität, Funktion, Depressionsneigung, Fatigue, Schlafstörungen und Komorbiditäten angepasst werden.

Mcfarlane betonte, dass die Therapie gemäß den Empfehlungen in der neuen Leitlinie mit nicht-pharmakologischen Interventionen begonnen werden soll, allen voran aeroben Übungen und Krafttraining.

Die Empfehlung für kognitive Therapie, bestimmte physikalische Therapien, Akupunktur, Hydrotherapie und meditative Bewegungstherapien wie Qiging, Yoga oder TaiChi sei weniger stark.

Drei Patientengruppen

Führen diese Maßnahmen nicht zum Erfolg, sollten individualisiert und an die Patientenbedürfnisse angepasste pharmakologische Therapien zum Einsatz kommen. Sie erhielten allerdings alle eine nur schwache Empfehlung. Drei Patientengruppen werden im Behandlungsalgorithmus unterschieden:

- Stehen schmerzbedingte Depression, Ängstlichkeit, Neigung zur Katastrophisierung oder übermäßig passives oder aktives Coping im Vordergrund, werden psychologische Therapien, vorwiegend in Form der kognitiven Therapie empfohlen, bei stark ausgeprägter Depression oder Angst auch eine psychopharmakologische Behandlung.

- Stehen dagegen starke Schmerzen und Schlafstörungen im Vordergrund, wird zur Pharmakotherapie geraten, bei starken Schmerzen eher zu Duloxetin, Pregabalin und Tramadol (eventuell in Kombination mit Paracetamol), bei starken Schlafstörungen zu niedrig dosiertem Amytriptilin, Cyclobenzaprin und Pregabalin zur Nacht.

- Hat der Patient dagegen schwere Funktionseinschränkungen und fehlt er häufig am Arbeitsplatz, wird eine multimodale Reha empfohlen.

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