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Darmkrebs-Screening

Auf lange Sicht hoher Nutzen erwartet

Bei Darmkrebs ist der Effekt von Screenings erst spät erkennbar, weil sich ein CRC nur sehr langsam aus einem Adenom entwickelt. Doch Forscher haben berechnet, dass ein Nutzen der Untersuchungen eintreten wird.

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HEIDELBERG. Langfristig geht man davon aus, dass durch die Entfernung von Adenomen im Rahmen des Darmkrebs-Screenings in Deutschland jährlich insgesamt bis zu 16.000 kolorektale Karzinome verhindert werden können.

Zu diesem Ergebnis kommen Heidelberger Forscher, die den Effekt der Vorsorgekoloskopie über 40 Jahre kalkuliert haben.

Immer mehr Länder etablieren Screening-Programme für das Kolorektalkarzinom (CRC). In Deutschland wird die Vorsorge-Koloskopie seit Ende 2002 allgemein ab einem Alter von 55 Jahren angeboten. In den ersten zehn Jahren haben 20 bis 30 Prozent der berechtigten Personen am Screening teilgenommen.

In einigen Studien zeichnet sich ab, dass nach Einführung des Darmkrebs-Screenings die Zahl kolorektaler Karzinome sinkt. Doch es vergehen oft viele Jahre, bis solche Erfolge klar erkennbar werden.

Professor Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg und seine Kollegen haben nun eine Abschätzung der in vier Jahrzehnten erwarteten Erfolge vorgenommen, indem sie mithilfe von Markov-Modellen die Zahl der verhinderten CRC-Fälle kalkulierten (Eur J Cancer 2015; online 20. April).

Daten von 4.407.971 Teilnehmern

Grundlage ihrer Hochrechnung waren die im Screening entdeckten und entfernten Adenome und das geschätzte Alter, in dem diese vermutlich - wären sie nicht entfernt worden - als kolorektale Karzinome in Erscheinung getreten wären.

Die Autoren nutzten hierzu unter anderen die Daten von 4.407.971 Teilnehmern des deutschen Koloskopie-Screenings aus den Jahren 2003 bis 2012.

Insgesamt lag die Prävalenz von unkomplizierten und fortgeschrittenen Adenomen in der männlichen Bevölkerung bei 18,7 bzw. 8,6 Prozent und an kolorektalen Karzinomen bei 1,3 Prozent. Bei den Frauen ergaben sich entsprechende Quoten von 12,0, 4,9 und 0,7 Prozent.

Im Jahr 2003 wurden rund 58.000 klinisch manifeste Kolorektalkarzinome diagnostiziert. Den Hochrechnungen zufolge wurden durch das Screening im Jahr 2005 noch weniger als 100 kolorektale Karzinome verhindert, im Jahr 2015 aber bereits etwa 6500.

Für die kommenden Jahre erwarten Brenner und Kollegen aufgrund der in Vorsorgekoloskopien entfernten Adenome folgende Erfolge: 12.600 weniger klinische Fälle an kolorektalen Karzinomen im Jahr 2025, 15.400 für 2035 und 16.000 im Jahr 2045.

Männer und Alte sind die Profiteure

Am meisten werden wohl die Männer profitieren, da bei ihnen im Screening fast doppelt so häufig ein Adenom entdeckt wird wie bei Frauen.

Besondere Vorteile hat auch die Altersgruppe ab 75, denn Adenome, die im Alter zwischen 55 und 70 Jahren entfernt werden, hätten sich bis dahin möglicherweise zu einem Karzinom entwickelt.

So bleibt den Hochrechnungen zufolge mehr als 3000 Frauen und 4000 Männern zwischen 75 und 84 Jahren durch das Screening eine Darmkrebserkrankung erspart.

Dass der Effekt des Darmkrebs-Screenings erst spät klar erkennbar wird, liegt daran, dass sich ein kolorektales Karzinom nur sehr langsam aus einem Adenom entwickelt.

Brenner und Kollegen folgern aus ihren Berechnungen, dass die Erfolge des deutschen Screening-Programms trotz der mäßigen Beteiligung durch kontinuierlich sinkende Zahlen an kolorektalen Karzinomen immer deutlicher werden.

Insbesondere würden sie an der geringeren Zahl an Neuerkrankungen bei den über 75-Jährigen deutlich. Um bei Jüngeren die Krebsprävention zu verbessern, müssten die Screening-Angebote früher beginnen, so die Onkologen. (St)

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