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Weltweite Analyse

B-Streptokokken töten jährlich Hunderttausende Kinder

Millionen Frauen tragen B-Streptokokken in sich: Für sie meist harmlos, ist das Bakterium aber für Ungeborene und Kinder eine große Gefahr.

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Modell eines Streptokkus: Weltweit tragen 21,7 Millionen Schwangere B-Streptokokken in sich.

Modell eines Streptokkus: Weltweit tragen 21,7 Millionen Schwangere B-Streptokokken in sich.

© Simone Rößling - VCT / Fotolia

LONDON. B-Streptokokken verursachen jedes Jahr weltweit mindestens 147.000 Totgeburten und Todesfälle im Kindesalter. Das hat ein Team aus über 100 Forschern errechnet, welches unter der Leitung der London School of Hygiene and Tropical Medicine. Die Ergebnisse präsentieren die Wissenschaftler im Magazin "Clinical Infectious Diseases" (doi: 10.1093/cid/cix653).

Die meisten Fälle treten in Afrika auf: Knapp zwei Drittel aller Totgeburten und Todesfälle im Kindesalter durch B-Streptokokken gibt es dort. Weiterhin sagt die Studie aus, dass weltweit 18 Prozent aller Frauen das Bakterium in sich tragen – es siedelt sich meistens ohne Folgen im Verdauungssystem und im unteren Vaginaltrakt an. Durch das Fruchtwasser wird es dort an das Ungeborene übertragen.

Wegen ihres noch schwachen Immunsystems kann der Erreger bei Neugeborenen Taubheit, Blindheit und Zerebralparesen auslösen – oder gar zum Tod führen.

Zwiespaltige Antibiotika-Therapie

Von der Antibiotika-Gabe bei frühen Infektionsphasen profitieren laut London School of Hygiene and Tropical Medicine fast ausschließlich Menschen in wohlhabenden Ländern: 29.000 Fälle werden jährlich dadurch eingedämmt. In armen Regionen sei der Nachweis von B-Streptokokken dagegen oft nicht gegeben und eine teure Antibiotikagabe unrealistisch. "Außerdem würde der Einsatz bei 21,7 Millionen Frauen zur Antibiotikaresistenz beitragen, eines der großen globalen Gesundheitsprobleme unserer Zeit", sagt Joy Lawn, Ko-Autorin der Studie.

Bisher ist keine Impfung verfügbar, jedoch sind mehrere Kandidaten in der Entwicklung. Würden Mütter konsequent gegen B-Streptokokken geimpft, würde dies weltweit zahlreiche Todesfälle verhindern, schätzen die Forscher.

Die Wissenschaftler plädieren aus diesem Grund für die Entwicklung gezielter Mütter-Impfprogramme, sobald ein Wirkstoff auf dem Markt ist. Als nächsten Arbeitsschritt will das Forscherkollektiv ein exaktes Kosten-Nutzen-Verhältnis solcher Programme berechnen. (ajo)

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