Transplantation

Bald Leitlinie für psychische Betreuung

Psychosomatik-Experten fordern Standards für die psychosoziale Versorgung von Patienten in der Transplantationsmedizin.

Veröffentlicht: 26.03.2019, 13:18 Uhr

BERLIN. Wie Transplantatempfänger und Lebendorganspender psychosozial vor und nach der Operation begleitet werden sollten, entwickeln Experten derzeit in einer neuen S3-Leitlinie, die ab 2020 wissenschaftlich fundierte, praxisorientierte Handlungsempfehlungen geben soll, heißt es in einer Mitteilung zum Deutschen Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, der vom 20. bis 22. März in Berlin stattgefunden hat.

„Zu einem nicht unerheblichen Teil hängt der Erfolg der Transplantation und der Erhalt des Organs auch von psychosozialen Faktoren ab“, wird Professor Martina de Zwaan, Direktorin der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover und Koordinatorin der Leitlinie, in der Mitteilung zitiert.

Je nach Untersuchung leiden etwa 25 bis 60 Prozent der potenziellen Transplantatempfänger unter schwerwiegenden psychischen Problemen wie Angststörungen und Depressionen. „Bei Transplantierten mit solchen Störungen sind Abstoßungsreaktionen häufiger, die Lebensqualität geringer und die Sterblichkeit erhöht“, sagt de Zwaan.

Auch andere Faktoren, etwa unrealistische Erwartungen an den Eingriff, ungünstiges Gesundheitsverhalten, schwerwiegende berufliche Probleme oder ein fehlendes soziales Netzwerk wirkten sich ungünstig auf den Erfolg der Transplantation aus.

Angesichts der hohen Relevanz psychosozialer Faktoren für den langfristigen Erfolg einer Transplantation fordern die Initiatoren der Leitlinie, die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) und das Deutsche Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM), Fachleute aus dem Bereich der Psychosomatik, Psychologie oder Psychiatrie in den gesamten Transplantationsprozess einzubinden.

Derzeit gebe es hierfür keine einheitlichen Standards in den Kliniken. „Jeder Patient sollte bereits vor der Aufnahme auf die Warteliste psychosozial evaluiert werden. Auch bei den Transplantationskonferenzen, in denen über die Aufnahme in die Warteliste entschieden wird, sollten entsprechende Fachleute einbezogen sein, ebenso muss die psychosoziale Nachsorge verbessert werden“, sagt de Zwaan.

Die aktuelle Leitlinie befasst sich auch mit der psychosozialen Diagnostik und Behandlung von Lebendspendern. „Die Lebendspende stellt für den gesunden Spender keinen Heileingriff dar, so dass der Schutz des Spenders vor möglichen negativen Folgen von besonderer Wichtigkeit ist.

Dies erfordert strikte Vorgaben bezüglich Evaluation und Aufklärung. Zwar treten psychosoziale Probleme deutlich seltener auf als bei Organempfängern, dennoch ist auch für Spender eine psychosoziale Nachsorge empfehlenswert“, so de Zwaan. (eb)

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