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Bald neues Therapie-Prinzip gegen Depression

BERLIN (ugr). Patienten mit Depression könnten bald nach einem neuen Therapie-Prinzip behandelt werden. Der Melatonin-Agonist Agomelatin war in klinischen Studien ähnlich gut wirksam wie verfügbare Präparate und schützte gut vor Rezidiven.

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Agomelatin soll die gestörte Schlafarchitektur bei Depressiven normalisieren, und zwar ohne zu sedieren. Etwa 90 Prozent der Patienten mit einer Depression haben eine Phasenverschiebung des Schlafs und eine Abflachung des Schlaf-Wach-Rhythmus.

"Es kommt praktisch zu einem vollständigen Zusammenbruch des Tiefschlafs, die Nächte sind von oft quälend langen Wachphasen geprägt", sagte Professor Göran Hajak aus Regensburg beim PsychiatrieKongreß in Berlin. Erholsamer Schlaf sei jedoch eine Voraussetzung für die Genesung. Auch hätten US-Studien eine deutlich erhöhte Rückfallquote bei Schlafstörungen belegt.

Auf dem Kongreß wurden jetzt neue Daten klinischer Studien mit Agomelatin vorgestellt. "Darin konnte kein Unterschied in der klinischen Wirksamkeit gegenüber Paroxetin, Fluoxetin oder Venlafaxin festgestellt werden", sagte Professor Markus Gastpar aus Berlin auf einer Veranstaltung von Servier.

Insgesamt hätten in den Studien nach acht Wochen Therapie im Schnitt 62 Prozent der Patienten auf die Therapie angesprochen. Bei ihnen hatten sich also Werte auf Depressionsskalen mindestens halbiert.

Auch langfristig war die Substanz wirksam. Die Rückfallrate lag in Studien nach einem halben Jahr Therapie mit Agomelatin bei 15, mit Placebo bei 33 Prozent.

Die Substanz habe sich auch als gut verträglich erwiesen. Libidoverlust und Erektionsstörungen, die mit Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern beobachtet werden, blieben bei der Therapie mit Agomelatin aus.

Mit der Zulassung des Melatonin-Agonisten für bei Depression wird in etwa zwei Jahren gerechnet. 25 mg Tagesdosis haben sich als klinisch wirksam erwiesen.



STICHWORT

Agomelatin

Agomelatin hat eine ähnliche Struktur wie der Botenstoff Melatonin und ist sowohl im Melatonin- als auch im Serotonin-System wirksam. Der Melatonin-Agonist bindet an die melatonergen MT1- und MT2-Rezeptoren im Nucleus suprachiasmaticus, dem Sitz der Inneren Uhr. Zusätzlich wirkt die Substanz als Antagonist am Serotonin-Rezeptor 5-HT2c und hemmt die bei Depressiven überaktiven dopaminergen und adrenergen Systeme im präfrontalen Cortex. Mit diesen Eigenschaften soll Agomelatin sowohl Depressionen lindern als auch Schlafstörungen depressiver Patienten reduzieren. (ugr)

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