Allgemeinmedizin

Bei Anämie mit Tabletten gegen Eisenüberladung

LEIPZIG (scho). Für Patienten mit angeborenen Anämien steht seit kurzem gegen transfusionsbedingte Eisenüberladungen die orale Behandlung mit Deferasirox zur Verfügung. Die bisher erforderlichen aufwendigen subkutanen Infusionen entfallen.

Veröffentlicht: 07.11.2006, 08:00 Uhr

Zu angeborenen Anämien zählen vor allem die Thalassaemia major und die Sichelzellen-Anämie. Mit den erforderlichen häufigen Bluttransfusionen wird Eisen 10- bis 20fach mehr zugeführt, als normalerweise mit der Nahrung aufgenommen wird.

Die Folge: Bereits nach kurzer Zeit kommt es zu einer Eisenüberladung. Das führe zu Gewebeschädigungen an Herz, Leber und endokrinen Organen, so Professor Holger Cario von der Uni Ulm bei der Tagung der deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) in Leipzig.

Die bisherige Standardtherapie, um die Komplikationen zu verhindern, bestehe in der täglichen, etwa zehnstündigen subkutanen Infusion von Deferoxamin, so Cario. Seit kurzem ist stattdessen eine orale Behandlung mit dem Eisenchelator Deferasirox (Exjade®) möglich (wir berichteten).

Der Chelatbildner ist eine organische Substanz, die stabile Komplexverbindungen mit Metallionen wie Eisen eingeht. Deferasirox wird als Tablette einmal täglich eingenommen. Es bindet Eisen mit hoher Affinität, wie es auf dem von Novartis unterstützten Symposium hieß. Der entstehende Chelatkomplex wird über die Galle ausgeschieden.

Deferasirox wird allgemein gut vertragen. Es ist indiziert zur Behandlung von Patienten ab sechs Jahren mit Beta-Thalassämie major, bei denen eine Therapie wegen chronischer Eisenüberladung aufgrund häufiger Bluttransfusionen nötig ist. Auch bei anderen Anämien ist das Mittel indiziert, wenn Deferoxamin kontraindiziert ist.

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