Metaanalyse

Bei Halsschmerzen zusätzlich einmalig ein Kortikosteroid!

Patienten mit Halsschmerzen, etwa bei einer Pharyngitis, profitieren von der einmaligen Behandlung mit einem Kortikosteroid zusätzlich zur Standardherapie. Das bestätigen die Ergebnisse einer aktuellen Metaanalyse.

Von Peter Leiner Veröffentlicht: 12.10.2017, 05:01 Uhr
Bei Halsschmerzen zusätzlich einmalig ein Kortikosteroid!

Schmerzhafte Schluckbeschwerden: Rachen unnd Gaumen sind gerötet, geschwollen und druckschmerzhaft.

© Piotr Marcinski / iStock / Thinkstock

HAMILTON / KANADA. Bei Halsschmerzen wirkt eine einmalige orale Kortikosteroidtherapie zusätzlich zur Standardtherapie rasch analgesierend. Bestätigt wurde dies nun durch eine Analyse kanadischer Forscher (BMJ 2017; 358:j3887).

Anlass für die Metaanalyse der Wissenschaftler waren die Ergebnisse der placebokontrollierten TOAST-Studie (Treatment Options without Antibiotics for Sore Throat), an der insgesamt mehr als 550 Patienten mit Halsschmerzen teilgenommen hatten. Ihre Hausärzte hatten ihnen kein Antibiotikum, sondern Dexamethason verordnet, worauf die Patienten von einer deutlichen Symptomlinderung berichtet hatten.

Symptomlinderung mit Dexmethason

Dr. Behnam Sadeghirad, Pharmakologe und Gesundheitsforscher am Institut für klinische Epidemiologe und Biostatistik an der McMaster-Universtität Hamilton in Kanada, und seine Kollegen haben für ihre Metaanalyse die Daten von insgesamt zehn randomisierten kontrollierten Studien mit mehr als 1400 Patienten ausgewertet.

Die teilnehmenden Patienten klagten über Halsschmerzen, hatten schmerzhafte Schluckbeschwerden oder eine Pharyngitis. An acht der zehn randomisierten Studien hatten Patienten der Notfallstation teilgenommen, an zwei Studien Patienten, die in Hausarztpraxen behandelt wurden. Drei Studien berücksichtigten ausschließlich Kinder ab fünf Jahren (durchschnittlich 11,9 Jahre alt), nur eine Studie sowohl Kinder als auch Erwachsene.

Die Dexamethason-Dosis lag für Erwachsene bei 10 mg und für Kinder bei 0,6 mg/kg KG (maximal 10 mg), einmalig oral. In drei Studien erfolgte zudem eine einfache intramuskuläre Applikation. In insgesamt drei Studien erhielten alle teilnehmenden Patienten ein Analgetikum, etwa Paracetamol, sowie ein Antibiotikum, in zwei Studien nur ein Antibiotikum sowie ein Analgetikum nach Maßgabe des behandelnden Arztes. In den übrigen fünf Studien wurden die Patienten entweder mit einem Analgetikum oder mit einem Antibiotikum behandelt.

Schmerzlinderung 4,8 Stunden früher

Wie Sadeghirad und seine Kollegen berichten, war die Wahrscheinlichkeit der Symptomlinderung nach 24 Stunden bei Studienteilnehmern mit Dexamethasonbehandlung (10 mg) im Vergleich zu Patienten mit einem Scheinpräparat mehr als verdoppelt (relatives Risiko [RR]: 2,2; 95%-Konfidenzinterall: 1,2–4,3). Zudem war die Wahrscheinlichkeit, nach 48 Stunden schmerzfrei zu sein, bei Studienteilnehmern mit Dexamethasonbehandlung um den Faktor 1,5 höher als bei Patienten mit einem Scheinpräparat (RR: 1,5; 95%-Konfidenzintervall: 1,3–1,8).

Die Schmerzlinderung trat durchschnittlich 4,8 Stunden früher ein als in der Vergleichsgruppe, eine komplette Schmerzfreiheit trat durchschnittlich 11,1 Stunden eher ein, so die Studienautoren. Unter Verwendung der visuellen Analogskala (maximal zehn Punkte) betrug der Unterschied der absoluten Schmerzlinderung in acht der zehn Studien nach 24 Stunden 1,3 Punkte.

Bestätigung früherer Studien

Nach Angaben der Wissenschaftler bestätigen die Ergebnisse ihrer Metaanalyse die Resultate früherer, allerdings kleinerer systematischer Studien. Übereinstimmend kommen alle Studien zu dem Ergebnis, dass Kortikosteroide innerhalb von 48 Stunden die Schmerzen bei Halsschmerzen reduzieren.

Sadeghirad und seine Kollegen von der McMaster-Universtität Hamilton heben hervor, dass nicht nur Patienten der Notfallstation mit einer Pharyngitis durch beta-hämolysierende A-Streptokokken und entsprechender Antibiotikatherapie von der Steroidbehandlung profitieren, sondern auch Patienten ohne Antibiotikatherapie. Die stärkste absolute Schmerzlinderung sei bei Patienten mit starken Schmerzen zu beobachten gewesen, so die Studienautoren.

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