Keime in der Hautcreme

Bei Hautinfektion auch an Kosmetika denken!

Wie häufig sind Kosmetika mikrobiell kontaminiert? Um dies zu klären, haben Forscher Informationen im Schnellwarnsystem RAPEX der Europäischen Kommission durchforstet.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht: 24.06.2019, 07:33 Uhr

TAMPERE. Vor allem Patienten mit nicht intakter Hautbarriere wie bei Brandwunden, nach mechanischen Traumata oder bei atopischer Dermatitis, aber auch kleine Kinder und ältere Menschen haben ein erhöhtes Infektionsrisiko, wenn sie mikrobiell kontaminierte Pflegeprodukte verwenden.

Um hier Risiken auf die Spur zu kommen, haben Irmina Michalek von der Universität im finnischen Tampere und Kollegen die Daten des European Union Rapid Information System for dangerous non-food products (RAPEX) durchforstet und die Berichte aus den Jahren 2005 bis 2018 analysiert.

RAPEX ist ein Instrument der Behörden zur Produktsicherheit und dient als Schnellwarnsystem der Europäischen Union für gefährliche Konsumgüter, ohne Berücksichtigung von Nahrungs- und Arzneimitteln oder medizinischen Geräten. Hier werden Rückruf- oder Rücknahmeaktionen nicht den Vorschriften entsprechender Erzeugnisse dokumentiert. Im genannten Untersuchungszeitraum fanden Michalek und Kollegen Berichte zu 104 Kosmetika, die mit mikrobiellen Kontaminationen in den Verkauf gelangt waren.

Bei 20 von ihnen handelte es sich um Produkte für Kinder. Ein Drittel aller Meldungen (32/104) kam aus Deutschland. 65 Prozent der kontaminierten Produkte waren in einem RAPEX-Mitgliedsstaat produziert worden – 18 Prozent in Deutschland, das damit den Spitzenplatz einnimmt, gefolgt von Frankreich mit acht Prozent (J Eur Acad Dermatol Venereol 2019, online 5. Juni).

Am häufigsten verunreinigt waren Hautpflege- und Hautreinigungsprodukte (jeweils 31 Prozent), gefolgt von Produkten für Haar- und Kopfpflege (20 Prozent) sowie Make-up-Produkten (acht Prozent). Mehr als die Hälfte der mikrobiellen Kontaminationen war durch gramnegative Bakterien verursacht, überwiegend Pseudomonas spp. (36 Prozent) und Enterobacter spp. (zwölf Prozent).

Unter den grampositiven Keimen wurde hauptsächlich Staphylococcus aureus identifiziert. In 67 der 104 gemeldeten Fälle wurde das beanstandete Produkt vom Markt genommen, in 30 Fällen vom Endverbraucher zurückgerufen und in 14 Fällen wurde ein Verkaufsverbot ausgesprochen.

Die Ergebnisse der Untersuchung haben Michalek und Kollegen zufolge zwei Konsequenzen für die klinische Praxis: Erstens sollte man im Fall einer Hautinfektion mit unbekannter Infektionsquelle auch an Kosmetika als Ursache denken und zweitens sei es für immundefiziente Patienten wichtig, nur Kosmetikprodukte sicherer Herkunft zu verwenden.

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