Direkt zum Inhaltsbereich

Keime in der Hautcreme

Bei Hautinfektion auch an Kosmetika denken!

Wie häufig sind Kosmetika mikrobiell kontaminiert? Um dies zu klären, haben Forscher Informationen im Schnellwarnsystem RAPEX der Europäischen Kommission durchforstet.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:

TAMPERE. Vor allem Patienten mit nicht intakter Hautbarriere wie bei Brandwunden, nach mechanischen Traumata oder bei atopischer Dermatitis, aber auch kleine Kinder und ältere Menschen haben ein erhöhtes Infektionsrisiko, wenn sie mikrobiell kontaminierte Pflegeprodukte verwenden.

Um hier Risiken auf die Spur zu kommen, haben Irmina Michalek von der Universität im finnischen Tampere und Kollegen die Daten des European Union Rapid Information System for dangerous non-food products (RAPEX) durchforstet und die Berichte aus den Jahren 2005 bis 2018 analysiert.

RAPEX ist ein Instrument der Behörden zur Produktsicherheit und dient als Schnellwarnsystem der Europäischen Union für gefährliche Konsumgüter, ohne Berücksichtigung von Nahrungs- und Arzneimitteln oder medizinischen Geräten. Hier werden Rückruf- oder Rücknahmeaktionen nicht den Vorschriften entsprechender Erzeugnisse dokumentiert. Im genannten Untersuchungszeitraum fanden Michalek und Kollegen Berichte zu 104 Kosmetika, die mit mikrobiellen Kontaminationen in den Verkauf gelangt waren.

Bei 20 von ihnen handelte es sich um Produkte für Kinder. Ein Drittel aller Meldungen (32/104) kam aus Deutschland. 65 Prozent der kontaminierten Produkte waren in einem RAPEX-Mitgliedsstaat produziert worden – 18 Prozent in Deutschland, das damit den Spitzenplatz einnimmt, gefolgt von Frankreich mit acht Prozent (J Eur Acad Dermatol Venereol 2019, online 5. Juni).

Am häufigsten verunreinigt waren Hautpflege- und Hautreinigungsprodukte (jeweils 31 Prozent), gefolgt von Produkten für Haar- und Kopfpflege (20 Prozent) sowie Make-up-Produkten (acht Prozent). Mehr als die Hälfte der mikrobiellen Kontaminationen war durch gramnegative Bakterien verursacht, überwiegend Pseudomonas spp. (36 Prozent) und Enterobacter spp. (zwölf Prozent).

Unter den grampositiven Keimen wurde hauptsächlich Staphylococcus aureus identifiziert. In 67 der 104 gemeldeten Fälle wurde das beanstandete Produkt vom Markt genommen, in 30 Fällen vom Endverbraucher zurückgerufen und in 14 Fällen wurde ein Verkaufsverbot ausgesprochen.

Die Ergebnisse der Untersuchung haben Michalek und Kollegen zufolge zwei Konsequenzen für die klinische Praxis: Erstens sollte man im Fall einer Hautinfektion mit unbekannter Infektionsquelle auch an Kosmetika als Ursache denken und zweitens sei es für immundefiziente Patienten wichtig, nur Kosmetikprodukte sicherer Herkunft zu verwenden.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Tipps für die Therapie

Was gegen Warzen wirklich hilft

Interimsanalyse der TRIM-Studie

Nachsorge von Melanomen: Bildgebung womöglich nutzlos

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München

Chronisch kranke Kinder

Mangelernährung frühzeitig erkennen und konsequent angehen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Danone Deutschland GmbH, Frankfurt/Main
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Frau sitzt nachts auf ihrem Bett und schaut ins Licht ihrer Nachttischlampe.

© stokkete / stock.adobe.com

Von unten nach oben

Stufenschema bei Insomnie: So bei Schlafstörungen therapieren

Nicht alles, was im Internet kursiert, stimmt auch – gerade wenn es um Gesundheitsfragen geht. Augen auf und hinterfragen!

© peterschreiber.media / stock.adobe.com

Kohlenhydrate, Apfelessig, Gottesnahrung und Süßstoffe

Vier Ernährungs- und Blutzuckermythen im Faktencheck