Kolorektales Karzinom/Darmkrebs

Bei Kolorektal-Ca ist Antikörper oft indiziert

BERLIN (ugr). Der Angiogenese-Hemmer Bevacizumab, ein Antikörper, ist für beinahe alle Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom geeignet.

Veröffentlicht:

Selbst bei älteren Rheumakranken mit Darmkrebs, die potentiell gefährdet sind, mit Bevacizumab eine Perforation des Darms zu erleiden, sei der Nutzen des Medikaments größer als ein möglicher Schaden. Diese Ansicht vertrat Dr. Axel Grothey von der Mayo Klinik in Rochester im Staat New York beim Krebskongreß in Berlin.

"In den USA hat sich die Kombination Bevacizumab plus konventionelle Zytostatika fest als Standard in der Ersttherapie bei fortgeschrittenem Kolonkarzinom etabliert", sagte Grothey auf einer vom Unternehmen Hoffmann-La Roche ausgerichteten Veranstaltung.

Er selbst habe in den vergangenen zwei Jahren nur drei Patienten den Angiogenese-Hemmer (Avastin®) nicht verschrieben, weil er unerwünschte Wirkungen befürchtet habe. In Deutschland erfolge die Verordnung des Wirkstoffs dagegen eher zurückhaltend.

Annähernd jeder zweite Patient spricht auf die Kombination von 5-FU/Folinsäure und Irinotecan mit Bevacizumab an. Durchschnittlich leben die so behandelten Patienten fast fünf Monate länger als diejenigen, die ausschließlich Zytostatika erhielten (20,3 vs. 15,6 Monate).

"Dabei war der Effekt unabhängig vom Alter der Patienten, von der Krankheitsdauer, dem Ort des Primärtumors sowie von Zahl und Lokalisation der Metastasen", erläuterte Dr. Herbert Hurwitz aus Durham im US-Staat North Carolina, der Leiter der Zulassungsstudie von Bevacizumab. Das Mortalitätsrisiko, so Hurwitz, sei in der Kombinationsgruppe um 34 Prozent geringer als in der Vergleichsgruppe gewesen.

Für Hurwitz und Grothey ist der monoklonale Antikörper ein Meilenstein in der Behandlung bei kolorektalem Karzinom. Der Hemmstoff bindet an den Blutgefäßwachstumsfaktor VEGF und hemmt damit Tumorwachstum sowie Metastasierung.

"Noch vor wenigen Jahren betrug das Gesamtüberleben zwölf Monate, heute sind die Patienten durchschnittlich genauso lange frei von Progression", bilanzierte Grothey. Wenn nur wenige Metastasen in Leber oder Lunge vorhanden sind, können sogar 25 bis 30 Prozent der Patienten geheilt werden.

Hurwitz berichtete sogar von einzelnen Patienten, bei denen alle vorangehenden Therapien versagt hatten und die sich nach Einnahme von Bevacizumab zum Teil seit fünfeinhalb Jahren bei guter Gesundheit in Remission befinden.

Der monoklonale Antikörper ist seit Januar 2005 für die Erstbehandlung zusätzlich zur Standard-Chemotherapie zugelassen. Nach ersten Studien ist er offenbar auch beim nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) sowie bei Brustkrebs wirksam. Die am häufigsten beobachteten unerwünschten Wirkungen sind Hypertonie, arterielle thromboembolische Ereignisse und gastrointestinale Perforationen.

Mehr zum Thema

Krebs-Impfung

Gemischtes Doppel für die Darmkrebs-Impfung

Das könnte Sie auch interessieren
Chemotherapie-Kachexie beim mCRC?

Kolorektales Karzinom

Chemotherapie-Kachexie beim mCRC?

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
GI-Tumore und die Rolle von Angiogenesehemmern

© Getty Images/iStockphoto

Überblick

GI-Tumore und die Rolle von Angiogenesehemmern

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Probeentnahme für einen Corona-Test: In den USA sind im ersten Jahr der Coronaimpfung knapp 14 Prozent der komplett geimpften Krebskranken an COVID erkrankt, aber nur 5 Prozent der geimpften Patienten ohne Krebs. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Pekic / Getty Images / iStock

Viele Durchbruchsinfektionen

COVID-19 bleibt auch für geimpfte Krebspatienten gefährlich

Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Handschlag mit sich selbst: Im MVZ können sich die Gesellschafter-Geschäftsführer selbst anstellen, so das BSG.

© Lagunov / stock.adobe.com

Bundessozialgericht

Selbsteinstellung im MVZ? Unter bestimmten Voraussetzungen möglich

Die meisten Behandlungsfehler passieren im stationären Bereich. Das lässt eine nicht repräsentative Analyse des Medizinischer Dienst Bundes vermuten. 

© Blue Planet Studio / stock.adobe.com

Behandlungsfehler-Statistik

MD-Bund: „Never Events“ endlich verpflichtend melden!

Schlafstörung? Da greifen viele Patienten eigenständig zu Melatonin. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Yakobchuk Olena / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Schlafstörungen: Vorsicht vor unkritischem Melatonin-Einsatz