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Interview

"Bei uns impft das ganze Team"

Beim Erstbesuch eines Patienten schon bei der Terminvereinbarung auf den Impfausweis hinzuweisen - damit beginnt das Impfmanagement des Allgemeinmediziners Dr. Rolf Schmitt aus Bornheim-Hersel. Die Organisation übernehmen seine Mitarbeiter, es impft das gesamte Team.

Veröffentlicht:
Dr. Rolf Schmitt, Allgemeinarzt aus Bornheim: "Die Verträglichkeit ist offenbar an die Überzeugung gekoppelt."

Dr. Rolf Schmitt, Allgemeinarzt aus Bornheim: "Die Verträglichkeit ist offenbar an die Überzeugung gekoppelt."

© privat

Ärzte Zeitung: Was bedeutet ein ganzheitliches Impfmanagement für den niedergelassenen Arzt?

Dr. Rolf Schmitt: Das heißt für mich: Impfansprache konsequent umsetzen, systematisch an Auffrischimpfungen erinnern, Impflücken erkennen und schließen sowie ein durchdachtes, zeiteffizientes Recall-System. Basis für ein nachhaltiges Impfmanagement ist in meiner Praxis der Erstkontakt und damit die Anamnese. Ich lasse mir den Impfausweis des Patienten geben und übertrage die Daten in die Karteikarte oder digitale Patienten-Akte.

Ärzte Zeitung: Wer übernimmt in Ihrer Praxis welche Aufgaben?

Schmitt: Es impft das gesamte Team; meine beiden Mitarbeiterinnen füllen Impfkarten aus und stehen Patienten für organisatorische Rückfragen zur Verfügung. Medizinische Fragen beantworte ich.

Ärzte Zeitung: Wann wird ein Patient auf eine Impfung angesprochen?

Dr. Rolf Schmitt

Aktuelle Position:
Werdegang/Ausbildung:

Schmitt: Priorität in der Direktansprache haben für uns chronisch kranke Patienten und solche, die im Verkauf, an Schaltern, in Einrichtungen mit hoher Besucher- oder Kundenfrequenz arbeiten. Was die Influenza-Impfung anbelangt, weiten wir den Personenkreis, den wir sofort ansprechen, auf Patienten über 60 Jahre und Schwangere aus. Unsere Handlungsgrundlage sind die jährlich aktualisierten Empfehlungen des Robert Koch-Instituts.

Ärzte Zeitung: Wie werden Patienten angesprochen?

Schmitt: Wir sprechen Patienten konkret etwa auf Besonderheiten der individuellen Arbeits- und Lebensumstände an, zeigen, worin Risikofaktoren für Infektionen bestehen und was Prävention für den Einzelnen bedeutet. Daraufhin empfehlen wir konkrete Impfungen. Die Ansprache erfolgt durch Mitarbeiter und mich als behandelndem Arzt. Im Vorfeld der Ansprache haben wir Patienten in Pflicht- und optionales Klientel eingeteilt.

Ärzte Zeitung: Was passiert dann? Erhält der Patient Infomaterial?

Schmitt: Wichtig ist, dass der Patient mit Fragen und Unklarheiten nicht sich selbst überlassen bleibt, sondern einen glaub- und vertrauenswürdigen Ansprechpartner hat. Stellt sich in der Erstansprache - auf eine konkrete Impfung hin - heraus, dass Bedarf an Hintergrundinfos besteht, greifen wir bewusst auf griffige und verständliche Ratgeber-Formate zurück. Hilfreich ist es, wenn diese mittels Glossar auch medizinische Fachbegriffe erklären und so zusätzliches Verständnis schaffen. Wissen auf Patientenseite bedeutet Sicherheit und diese zu empfinden, ist wichtig für die Impfung und deren Erfolg.

Ärzte Zeitung: Wie viele Patienten impfen Sie pro Quartal durchschnittlich?

Schmitt: 300 Patienten pro Quartal, in Stoßzeiten - wie aktuell zur Grippesaison - mitunter bis zu zehn Patienten am Tag.

Ärzte Zeitung: Kombinieren Sie die Grippe- mit der Pneumokokken-Impfung?

Schmitt: Für uns steht die Compliance der Patienten im Fokus. Die Erfahrung hat gezeigt, dass weniger Nebenwirkungen auftreten, wenn zwischen den Impfungen ein kurzer zeitlicher Abstand liegt.

Ärzte Zeitung: Wie beraten Sie bekennende Impfskeptiker oder Impfgegner?

Schmitt: Es ist nicht das Ziel meiner Praxis, militante Impfgegner vom Nutzen einer oder mehrerer spezieller Impfungen überzeugen zu wollen. Auch stellen wir fest, dass Patienten, die zu einer Impfung förmlich überredet wurden oder aber erhebliche Zweifel und Unsicherheit haben, vermehrt Nebenwirkungen erfahren und diese sich stärker äußern. Die innere Überzeugung bezüglich einer Impfung scheint auch im gewissen Sinn an deren Verträglichkeit gekoppelt zu sein.

Ärzte Zeitung: Welche Hilfsmittel nutzen Sie aktuell?

Schmitt: Für unsere Praxis favorisieren und nutzen wir einfach gehaltene, ansprechend gestaltete und aufklärende Ratgeber-Formate, die mit hochwertigem Bildmaterial arbeiten. Wichtig hierbei ist, dass diese auf seriöse und unabhängige Quellen verweisen und das Potenzial haben, mit Mythen und mitunter gefährlichem Halbwissen auf Laien-Seite aufzuräumen. Gerne nutzen wir das auch für Patienten, die weiter entfernt wohnen oder etwa per Online-Recherche auf uns aufmerksam werden. Speziell für diesen Patientenkreis bieten wir eine Telefonberatung, die wir auch online kommunizieren. So können wir bei Bedarf vorab, vor dem persönlichen Erstgespräch in der Praxis, relevante Basisinfos versenden und stehen für Fragen telefonisch zur Verfügung.

Ärzte Zeitung: Was können im Umfeld der Impfberatung moderne Kommunikationswege und neue Medien leisten?

Schmitt: Die Intensität, in der wir in unserer Praxis auf moderne Medien wie das Internet und dort verfügbare Aufklärungsportale oder informative Websites verweisen, hängt mit dem Alter unserer Patienten und der jeweiligen Online-Affinität zusammen. Wobei man sich hinsichtlich der Auffassungsgabe und dem Internet-Nutzungsverhalten in der Altersgruppe 60plus nicht täuschen lassen sollte. Wertvoll sind in diesem Zusammenhang etwa Handkärtchen, Memo-Formate oder auch Terminzettel, die auf einschlägige Websites verweisen und die wir unseren Patienten mit an die Hand geben können.

Ärzte Zeitung: Welche Kriterien sollte ein gut verträglicher Impfstoff erfüllen, besonders einer gegen Influenza?

Schmitt: Gut verträgliche Influenza-Impfstoffe sind frei von Formaldehyd und Konservierungsstoffen. Ist ein Impfstoff als Fertigspritze verfügbar, bietet gerade dort, wo das gesamte Praxis-Team impft, eine Nadelschutz-Vorrichtung Schutz vor Nadelstichverletzungen.

Ärzte Zeitung: Welche Erfahrungen haben Sie im Umgang mit Spritzen-Phobikern? Worin bestehen besondere Anforderungen für die Beratung?

Schmitt: Bei Spritzen-Phobikern ist es hilfreich, das Beratungsgespräch anschaulich, prägnant und kurz zu halten. Aufklärung ist wichtig, allerdings sollte diese nicht unnötig von negativen Aussagen und Formulierungen begleitet sein. Für den Impfvorgang bietet sich für alle Altersstufen Ablenkung an - in Form aufmerksamkeitsstarker Bilder, Fragen zur aktuellen Lebenssituation oder persönlichen Interessen, sofern man Kenntnis darüber hat. Insgesamt gilt, so zeiteffektiv wie selbstverständlich zu arbeiten und die Situation nicht unnötig emotional aufzuladen. Davon profitieren Arzt und Patient gleichermaßen.

Ärzte Zeitung: Wie sehen Sie die Zukunft des Impfens in Deutschland? Könnte die Gabe von Impfstoffen via Spritze schon bald veraltet sein?

Schmitt: Es zählen nach wie vor Sicherheitsaspekte und eine ausreichende Wirkstoffkonzentration im Blut. Das lässt sich aus meiner Sicht derzeit nur über den Einsatz der Spritze erreichen. Sie gewährleistet aktuell den größtmöglichen Impferfolg.

Das Interview führte Mirja Krönung-Scheible.

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