Beim ersten Gespräch ist das Wort "Alzheimer" ein Tabu

MANNHEIM (mal). Den Verdacht auf eine Demenz-Erkrankung zu haben, ist eine Sache. Den Patienten dann an einen Demenz-Test heranzuführen, aber eine andere. "Hier sind die kommunikativen Fähigkeiten des Hausarztes gefragt", so Professor Lutz Frölich aus Mannheim.

Veröffentlicht:

Frölich benutzt zur Demenz-Frühdiagnostik gerne Tests wie den DemTect oder den TFDD. Damit lasse sich erklären und aufklären, die Tests hätten auch eine gewisse Überzeugungskraft im Gespräch mit den Patienten.

Ein Gespräch, in dem Frölich einen langjährigen Patienten, der etwa in der Praxis plötzlich das WC nicht mehr findet oder sich öfters im Stockwerk irrt, veranlaßt, einem Kurztest zum Demenz-Screening zuzustimmen, kann etwa so verlaufen:

Arzt: "Sagen Sie, hat Ihr Gedächtnis eigentlich in letzter Zeit nachgelassen?"

Patient: "Ja, aber ich komm’ gut zurecht!"

Arzt: "Ja, Ihr Gedächtnis war ja früher immer sehr gut, das weiß ich ja schon aus meiner Erfahrung ....."

Patient: "Stimmt!"

Arzt: "Vielleicht sollten wir jetzt aber einmal überprüfen, ob das immer noch so ist!"

Patient: "Herr Doktor, wie kommen Sie denn da drauf?"

Arzt: "Na, viele Menschen werden im Alter vergeßlich ..."

Arzt: "Das könnte aber bei Ihnen auch mal so sein. Sollen wir das mal überprüfen?"

Patient: "Können wir machen, wenn Sie es meinen, Herr Doktor! Aber ich hab’ keine Probleme!"

Arzt: "O.K.! Das ist ja umso besser. Dann wissen wir danach ja genau, daß Ihr Gedächtnis immer noch so gut ist, wie Sie es von sich kennen!"

Dann wird der Test gemacht und auch in Anwesenheit des Patienten ausgewertet.

Arzt: "Nanu!"

Patient: "Was ist jetzt los?"

Arzt: "Schauen Sie mal hierher. Hier sehen Sie: für einen Menschen Ihres Alters und Ihrer beruflichen Ausbildung wäre das eigentlich die normale Leistung. Bei Ihnen ist das aber ein bißchen schlechter. Hier wiederum sind Sie ganz im Durchschnitt, und hier haben Sie einen Einbruch. Es könnte sein, daß da bei Ihnen eine Krankheit vorliegt."

Patient: "Gibt’s denn da Möglichkeiten, Untersuchungen zu machen, um das weiter abzuklären?"

Arzt: "Ja, das ist möglich!"

Patient: "Ja, kann man dann da überhaupt was machen?"

Arzt: "Ja, man kann da auch behandeln, wenn wir was finden."

Wichtig sei, so Frölich, daß während des ersten Gesprächs nicht das Wort "Demenz" oder "Alzheimer" falle. Die notwendige Aufklärung über die Diagnose soll erst nach Abschluss der dann folgenden Untersuchungen kommen und erfordere ein eigenes Vorgehen.

Lesen Sie dazu auch: Demenz-Tests sind schnell und für Patienten angenehm

LESETIP

Sie suchen Informationen zu Demenz-Tests?

Solche Tests werden in der Broschüre "Psychometrische Tests zur Demenzdiagnose und Therapieverlaufskontrolle in der hausärztlichen Praxis" vom Unternehmen Merz vorgestellt. Bezug bei: Ursula.Weldle@merz.de Infos zu Demenz-Tests enthält auch das Buch: "Demenztests in der Praxis" von Dorothee Ivemeyer und Rainer Zerfaß, Urban&Fischer, 2002, 166 S. , ISBN 3-437-22156-6; 24,95 Euro

 

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Kognitiver Abbau

Herpes-Mittel Valaciclovir kann Alzheimer laut Studie nicht verzögern

Frühe Nutzenbewertung

Alzheimer: Auch Donanemab fällt beim IQWiG durch

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Datenschutz im Praxisalltag

ePA 2026: Schutzlücken bleiben – wie sie im Alltag umschifft werden können

Kollegialer Rat

Empfehlungen für das Überbringen schlechter Nachrichten

Lesetipps
Eine junge Person hält die hand einer älteren Person in der Hand.

© openlens / Stock.Adobe.com

„Unser ältester Patient ist 86!“

Erwachsen mit Mukoviszidose: Versorgung muss sich anpassen