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Berliner Polizei warnt vor Säure-Graffiti

BERLIN (ddp.vwd). Berlin gilt in Deutschland als Hochburg der Sprayerszene. Auf Schritt und Tritt treffen Hauptstädter und Touristen auf großflächig bemalte und beschmierte Gebäude. Und nun geht auch noch die Angst um in der Stadt: Vor mehreren Monaten stellten Polizisten erstmals Gift-Graffiti in einem Bus-Wartehäuschen fest, die schon beim Berühren zu erheblichen Verletzungen führen können. Der Anfang einer neuen Serie.

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Die Zahl der Fälle, bei denen Täter ihre Schriftzüge vor allem mit Flußsäure in Scheiben ätzen, steigt seitdem erschreckend schnell an: Bislang wurden in einer deutschlandweit einzigartigen Serie schon mehr als 60 Tatorte in der Bundeshauptstadt gezählt, hieß es bei der Polizei.

So mußten auch schon drei Berliner U-Bahnhöfe nach den giftigen Aktionen zeitweilig gesperrt werden. Und die Polizei meldet mittlerweile erste Opfer. So wurden bislang mindestens drei Beamte verletzt. Zwei Polizisten atmeten beim Absperren einer Bushaltestelle die giftigen Stoffe ein, eine Kollegin hatte den Angaben zufolge mit der Hand eine bislang noch nicht identifizierte ähnliche Säure berührt und mußte für mehrere Tage mit tauben Fingern ins Krankenhaus.

Sprühdosen und Filzstifte reichen den meist jugendlichen Tätern offensichtlich nicht mehr aus, jetzt suchen sie einen neuen Kick und nutzen Stifte mit ätzender Säure für ihre Markierungen, wie es in Ermittlerkreisen heißt.

"Gefährlich ist dabei vor allem, daß die sogenannten Tags sich von den Schmierereien mit weißer Farbe kaum unterscheiden", warnt der Leiter der Berliner Graffiti-Sonderkommission, Mario Hein, eindringlich vor dem Anfassen solcher "Bilder". "Deshalb heißt es generell - Finger weg", sagt Hein und fügt hinzu: "Wer auf verdächtige Tags stößt, die noch dampfen, dann auch Nase weg."

Bei der Verwendung von Flußsäure besteht die Gefahr von Verätzungen an Augen, Haut und Atemwegen. Nach der Gefahrstoffverordnung wird Flußsäure als "sehr giftig" eingeordnet. In Gefahr begibt sich nach Polizeiangaben auch die Scratcher-Szene, die ihre Unterschriftenkürzel in Scheiben ritzen. Gerade wer die Säure auftrage, könne die gefährlichen Dämpfe einatmen.

Die weltweit ersten Fälle von Säure-Schmierereien seien Anfang 2000 in Los Angeles aufgetreten, weiß der Vorsitzende des Anti-Graffiti-Vereins Nofitti, Karl Hennig. In Deutschland hätten Polizisten 2002 in München erste ätzende Tags entdeckt. Im vergangenen Jahr wurden ähnliche Fälle im Rhein-Ruhrgebiet bekannt.

Nach Einschätzung Hennigs hat die Industrie die "Toleranzschwelle schon längst überschritten". Hier nähmen Firmen bewußt gesundheitliche Schäden in Kauf, kritisierte der Experte. Flußsäure werde vor allem über das Internet angeboten.

"Die Spaßschwelle ist längst überschritten", betont auch Hein. "Das sind keine Kindereien mehr", so der Soko-Chef. Während bislang ein Vergehens-Tatbestand vorlag, der meist mit Geldstrafen belegt wurde, stehe auf "schwere Gefährdung durch Gift" zur Abschreckung mindestens ein Jahr Gefängnis.

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