Bewegung tut nicht jedem gut

Sport und Fitness schützen das Herz: Diese Regel gilt einer neuen Studie zufolge womöglich nur noch eingeschränkt. Denn bei einigen Menschen steigen die Herzrisiken an, wenn sie sich bewegen.

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Sport: Wirklich immer gut für die Gesundheit?

Sport: Wirklich immer gut für die Gesundheit?

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BATON ROUGE (ob). Regelmäßige körperliche Bewegung zählt seit langem zu den ersten Maßnahmen, die in Leitlinien als Lebenstilveränderung zur Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen empfohlen wird.

Und das mit Recht. In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass einschlägige Einflussfaktoren für Koronar- oder Diabeteserkrankungen wie Blutdruck, Plasmalipide oder Insulinsensitivität durch Ausdauertraining günstig beeinflusst werden.

Zu diesen Studien zählt unter anderen die in den 90er Jahren durchgeführte HERITAGE-Studie, an der auch Professor Claude Bouchard aus Baton Rouge mitgewirkt hat.

Bei der Analyse der Daten fiel ihm allerdings schon damals eine gewisse interindividuelle Variabilität in der Veränderung von Risikofaktoren auf.

Bei immerhin rund 8 Prozent der Probanden, die fünf Monate lang ein kontrolliertes Trainingsprogramm absolvierten, zeigten sich ein oder mehrere Parameter des Risikoprofils ungünstig verändert.

Sechs Studien eingeschlossen

Bouchard und seine Mitarbeiter präsentieren jetzt eine Metaanalyse, die dieses Ergebnis auf breiterer Datenbasis bestätigen (PLoS ONE 2012; online 30. Mai).

Die Daten stammen aus sechs Interventionsstudien inklusive HERITAGE, in denen bei insgesamt 1687 Probanden die Auswirkungen unterschiedlich strukturierter und zeitlich befristeter Trainingsprogramme untersucht worden waren.

Ermittelt werden sollte der Anteil der Probanden, bei denen das regelmäßige Belastungstraining über 20 bis 24 Wochen einen als ungünstig klassifizierten Effekt hatte.

Als solcher galten ein systolischer Blutdruckanstieg um 10 mmHg oder mehr, ein Anstieg der Triglyzeride um 36,7 mg/dl oder mehr, ein Anstieg der Nüchtern-Insulinspiegel um 3,4 µU/l oder mehr und ein Abfall des HDL-Cholesterins um mindestens 4,6 mg/dl.

Für jeden dieser vier Parameter ergab die Analyse im Schnitt bei etwa zehn Prozent aller Probanden eine ungünstige Veränderung, und zwar beim Blutdruck (12,2 Prozent), beim Triglyzeridspiegel (10,3 Prozent), beim Nüchtern-Insulin (8,3 Prozent) und beim HDL-Cholesterin (13,3 Prozent).

Kein Argument für die Couch

Bei rund 7 Prozent der Studienteilnehmer tendierten sogar zwei oder mehr Parameter in die falsche Richtung.

Faktoren wie die Belastungsintensität, Geschlecht, Hautfarbe, mangelnde Fitness oder die Einnahme von Medikamenten konnten als Gründe für die ungünstigen Veränderungen ausgeschlossen werden.

Die Autoren sehen sich jetzt vor die Herausforderung gestellt, physiologische oder molekulare Indikatoren ausfindig zu machen, die als Prädikatoren für nachteilige Auswirkungen körperlichen Trainings helfen können, davon betroffene Personen leichter zu identifizieren.

Bewegungsfaule "Couch-Potatoes" könnten diese Studienergebnisse natürlich leicht auf die Idee bringen, ihre inaktive Lebensweise in eine Form der Prävention umzudeuten, die ungünstige Blutdruck- und Lipidveränderungen von ihnen fernhält.

In 90 Prozent der Fälle, das sagen die Studiendaten, sind sie damit auf dem Holzweg.

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