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Blick in den Kalender erleichtert Diagnostik bei Eosinophilie

BERLIN (gvg). Bei einem Patienten mit Eosinophilie nach einem Tropenaufenthalt denkt jeder sofort an Parasiten. Nicht immer bewahrheitet sich der Verdacht. Oft stecken Medikamente, mitunter aber auch ganz andere Infektionen hinter dem Befund.

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Epidemiologische Studien haben ergeben, daß bei immerhin fünf bis zehn Prozent aller Tropenreisenden nach der Rückkehr die Zahl der eosinophilen Blutkörperchen vermehrt ist. Hinter einer Eosinophilie (>450 Eosinophile pro Kubikmilliliter Blut) nach einem Tropenaufenthalt stecken meist Wurminfektionen. Häufig kommen Spulwurmbefall (Ascariasis) und Trichinose vor, doch die Liste ist sehr viel länger.

In einem Übersichtsartikel in der Zeitschrift "Current Infectious Disease Reports" warnt der Parasitologe Yae-Jean Kim jetzt allerdings vor diagnostischen Schnellschüssen. Denn längst nicht jeder Tropenreisende mit Eosinophilie hat eine Wurminfektion (8, 2006, 43).

Gängig sei eine Eosinophilie auch bei einem Befall mit Ektoparasiten, betont Kim. Vor allem Scabies-Infektionen sind häufig. Eine Untersuchung der Körperfalten auf Milbengänge sollte also bei Eosinophilie in jedem Fall dazu gehören.

    Ausführliche Anamnese kommt vor möglicher Erregerdiagnostik.
   

Auch an Pilzinfektionen, an eine HIV-Infektion und an eine chronische Tuberkulose muß zumindest gedacht werden. Denn in seltenen Fällen gehen auch diese Infektionen mit einer Eosinophilie einher. Zu den nicht-infektiösen Ursachen zählen Lymphome und Autoimmunerkrankungen.

"Eine weitere wichtige Ursache von Eosinophilie bei Reisenden sind Arzneimittelreaktionen", so Kim, der deswegen zu einer ausführlichen Arzneimittelanamnese rät. Häufig werde eine Eosinophilie durch einen auf Reisen erworbenen Virusinfekt getriggert, etwa mit Epstein-Barr- oder Zytomegalie-Viren, wenn schon zuvor bestimmte Medikamente eingenommen wurden. Diese Konstellation einer arzneimittelinduzierten Eosinophilie mit systemischen Symptomen einer Virusinfektion hat sogar einen eigenen Namen: DRESS (drug reaction with eosinophilia and systemic symptoms).

Zu den Medikamenten, bei denen es im Zusammenhang mit Virusinfekten zu Überempfindlichkeitsreaktionen kommen kann, gehören die Antiepileptika Carbamazepin und Phenytoin, aber auch das Antihypertensivum Hydrochlorothiazid und das Gichtpräparat Allopurinol. Auch Cephalosporine, Penicilline und Chinolone können mit und ohne Virusinfekt eine Eosinophilie hervorrufen.

Als differentialdiagnostische Hilfestellung bei Eosinophilie vor Beginn einer umfangreichen Erregersuche empfiehlt Kim neben der Arzneimittelanamnese auch den Blick in den Kalender. Die Zeit zwischen dem Tropenaufenthalt und dem Auftreten der Eosinophilie kann einige Hinweise geben. So kommt es bei Arzneimittelreaktionen im Zusammenhang mit Virusinfekten in der Regel innerhalb von Tagen zur Eosinophilie, so daß bei dieser Konstellation häufig abgewartet werden kann.

Eine frühe Eosinophilie ohne Arzneimittelanamnese ist typisch für Spulwürmer und Trichinellen. Wenn die wahrscheinliche Exposition dagegen schon mehrere Monate her ist, werden Band- und Rundwürmer sowie Echinokokken wahrscheinlich.

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