US-Behörde rüttelt wach

Brustimplantate als Ursache von Lymphomen?

Frauen mit Brustimplantaten haben ein erhöhtes Risiko, an einem anaplastischen Großzelllymphom zu erkranken. Darauf hat erneut die US-amerikanische Behörde zum Schutz der öffentlichen Gesundheit, die Food and Drug Administration, hingewiesen.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:
Die Mehrheit der vom BIA-ALCL betroffenen Frauen hatte Implantate mit rauer Oberfläche eingepflanzt bekommen.

Die Mehrheit der vom BIA-ALCL betroffenen Frauen hatte Implantate mit rauer Oberfläche eingepflanzt bekommen.

© mailsonpignata / stock.adobe.

SILVER SPRING.Die Food and Drug Administration (FDA) möchte die Aufmerksamkeit für einen Zusammenhang erhöhen, der zwischen allen Brustimplantaten – ungeachtet ihrer Füllung oder Beschaffenheit – und Brustimplantat-assoziiertem anaplastischem Großzelllymphom (BIA-ALCL) besteht“, heißt es in einer Mitteilung, die kürzlich von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde lanciert worden ist. Adressaten waren Angehörige verschiedener medizinischer Disziplinen von der Gynäkologie, der plastischen und kosmetischen Chirurgie sowie der Allgemeinchirurgie über die Allgemein- und Notfallmedizin bis hin zur Radiologie und Pathologie.

Die FDA bezieht sich auf eingegangene Berichte, die anzeigen, dass Patientinnen mit diesen Implantaten ein erhöhtes Risiko tragen, in der Narbenkapsel, die an das Implantat grenzt, ein solches seltenes Non-Hodgkin-Lymphom zu entwickeln. Die Inzidenzen in der Literatur gehen dabei auseinander, sie reichen in verschiedenen Untersuchungen von 1/3817 Patientinnen bis zu 1/30.000 Patientinnen.

660 Medizinproduktberichte

Die Mehrheit der betroffenen Frauen hatte Implantate mit rauer Oberfläche eingepflanzt bekommen, doch auch Frauen mit glatten Implantaten blieben nicht verschont. Die FDA spricht von insgesamt 660 Medizinproduktberichten.

457 davon wurden als einschlägig identifiziert, darin enthalten neun Berichte über womöglich einem BIA-ALCL zuzuordnende Todesfälle. Dies ist vor dem Hintergrund zu betrachten, dass laut FDA-Schätzung weltweit jährlich 1,5 Millionen Patientinnen Brustimplantate erhalten.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte erst im vergangenen November auf die mögliche Verbindung zwischen anaplastischen großzelligen Lymphomen und Brustimplantaten hingewiesen. Aus Deutschland lägen dazu bis dato zehn Meldungen vor, hieß es in einer Mitteilung des Bundesinstituts.

„Da das öffentliche Bewusstsein und die Zahl der international bestätigten Fälle von BIA-ALCL zunehmen, möchte das BfArM noch einmal auf die Bedeutung für all diejenigen hinweisen, die eine Brustimplantatoperation in Betracht ziehen, die Risiken und den Nutzen mit ihrer Ärztin beziehungsweise ihrem Arzt detailliert zu besprechen“, so das BfArM weiter. Ärztinnen und Ärzte sollten das potenzielle Risiko des BIA-ALCL mit allen Patientinnen individuell besprechen, die eine Neuimplantation erwägen oder sich zur Kontrolle ihrer Brustimplantate vorstellen.

Die Food and Drug Administration fordert dazu auf, besonders bei Patientinnen mit neu aufgetretenen Schwellungen, Knoten oder Schmerzen im Bereich von Brustimplantaten an ein BIA-ALCL zu denken und die entsprechende Diagnostik voranzutreiben.

Erster Hinweis 2011

Erstmals hatte die FDA im Juni 2011 auf das Problem hingewiesen, damals in einem Update-Dokument zur Sicherheit silikongefüllter Brustimplantate. Darin stand zu lesen, Frauen mit Brustimplantaten hätten kein erhöhtes Krebsrisiko zu gewärtigen – mit einer, wenn auch raren Ausnahme: ALCL. Die Rede war damals von fast 60 bekannten Fällen weltweit.

Ihr Newsletter zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Verbesserung wichtiger Endpunkte nach 24-wöchiger randomisierter Behandlung mit Vimseltinib vs. Placebo (MOTION-Studie)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Tenosynoviale Riesenzelltumoren

Erste zugelassene systemische Therapie zeigt überzeugende Langzeiteffekte

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Deciphera Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Durvalumab im Real-World-Vergleich

© Springer Medizin Verlag

ED-SCLC

Durvalumab im Real-World-Vergleich

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Wissenschaft in Medizin übertragen

© Regeneron

Forschung und Entwicklung

Wissenschaft in Medizin übertragen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Metabolomics

Asthma: Künftig Bluttest zur Vorhersage von Exazerbationen?

Ein kleiner Stups

Mit Nudging-Interventionen die Grippe-Impfrate steigern

Lesetipps
Arzt-Patient-Kontakt

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Depression, Angst, Schmerzen

Was zeichnet „schwierige“ Patientinnen und Patienten aus?

Für Flächen- und Handdesinfektion sollten nur Mittel eingesetzt werden, die beim Verbund für angewandte Hygiene e.V. (VAH) gelistet sind.

© www.freund-foto.de / stockadobe.com (mit KI generiert)

Team- und Patientenschutz

Hygieneplan für die Praxis – was zählt!

Frauen mit Hanteln beim Training

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Medizinische Rehabilitation

Wie Ärzte beim beim Reha-Antrag unterstützen können