Lungensport

COPD-Kranke trainieren gemeinsam im Wald

Aus Angst vor Atemnot neigen Menschen mit COPD dazu, körperliche Anstrengungen zu vermeiden. Mit der Initiative "Mein Atem, mein Weg" wollen die Organisatoren gegengesteuern. Damit verbessern sie die körperliche Belastbarkeit der Teilnehmer.

Von Christina OttChristina Ott Veröffentlicht:
89 COPD-Patienten haben sich in Berlin getroffen, um gemeinsam zu spazieren und Übungen auszuprobieren.

89 COPD-Patienten haben sich in Berlin getroffen, um gemeinsam zu spazieren und Übungen auszuprobieren.

© Christina Ott

BERLIN. Über fünf Jahre ist es her, dass bei Eleonore G. eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) diagnostiziert wurde. Seit längerem ist sie auf Sauerstoff angewiesen.

Am Anfang sei dies sehr schlimm gewesen, erinnerte sich die 61-Jährige bei einer Veranstaltung der Berliner Bewegungsinitiative "Mein Atem, mein Weg" im Grunewald, an der insgesamt 89 COPD-Patienten teilnahmen.

Sie habe sich zurückgezogen, sei nicht mehr aus dem Haus gegangen. Inzwischen sei sie wieder sehr aktiv, schaffe bis zu fünf Kilometer am Stück – trotz Sauerstoffgabe. Zu verdanken habe sie dies auch ihrer regelmäßigen Teilnahme an einer Lungensportgruppe.

Menschen mit COPD die Vorteile von regelmäßiger, individuell angepasster Bewegung deutlich zu machen, ist eines der Ziele der Berliner Bewegungsinitiative. Ins Leben gerufen wurde sie vom Unternehmen Berlin-Chemie in Kooperation mit den niedergelassenen Berliner Pneumologen Dr. Thomas Schultz, Lichterfelde und PD Dr. Matthias Krüll, Friedenau.

Spaziergänge im Wald

Auf geführten Spaziergängen im herbstlichen Grunewald – über 2, 3 oder 5 Kilometer – konnten sich die Teilnehmer an verschiedenen Stationen über die Erkrankung informieren und an Übungen von Sporttherapeuten teilnehmen.

"Wenn Sie einen Patienten mit einer deutlich eingeschränkten Lungenfunktion haben, ist es schwierig, ihm zu vermitteln, dass er sich belasten soll", zeigte Schultz das Problem auf. Hier versuche er, dem Patienten klar zu machen, dass sich durch eine gute Konstitution des Körpers eingeschränkte Atemwege teilweise kompensieren lassen.

Je eher dies passiere, umso besser. Dabei dürfe man keine starren Wege gehen, wichtig sei, dass der Patient dabei Spaß habe, ob beim Tanzen, Spazierengehen mit dem Hund, oder beim vorsichtigen Joggen.

Hier könne er auch das Kommunikationskonzept TheraKey® empfehlen, bei dem der Patient Online-Zugang zu indikationsbezogenen und qualitätsgesicherten Informationen erhält – unter anderem eben auch zu Bewegung bei COPD. Optimal sei auch Bewegung mit anderen Gleichgesinnten in einer Lungensportgruppe, so der Pneumologe.

"Gesunde Menschen wissen ja gar nicht, womit wir zu kämpfen haben!"

Das bestätigte auch die teilnehmende COPD-Patientin Uschi W.: "In der Lungensportgruppe ist jemand, der die gleiche Krankheit hat. Da kann man mit jemandem reden, der das auch versteht. Gesunde Menschen wissen ja gar nicht, womit wir zu kämpfen haben!"

Lungensport ist bei COPD eine Ergänzung zur Medikation, erläuterte Schultz. Wenn es gelinge, den Allgemeinzustand des Patienten mit einer medikamentösen Therapie zu verbessern, sei es auch leichter ihn für Bewegung zu motivieren.

Lungensport verbessert Belastbarkeit

Mit Lungensport verbessere sich unter anderem die körperliche Belastbarkeit, das Wohlbefinden und die Infektanfälligkeit. Das heiße im Endeffekt weniger Exazerbationen und damit eine bessere Prognose, so der Pneumologe. Belegt wurde dies auch in einem 65 Studien umfassenden Cochrane-Review (Cochrane Database Syst Rev 2015; 2: D003793).

Physiologisch verbessert sich bei den Trainierenden zum einen der Querschnitt der Muskelfasern und zum anderen kommt es zu einer Transformation von Typ-II- zu Typ-Fasern. Diese haben eine hohe oxidative Kapazität und sind damit resistenter gegen Ermüdung.

"Der Tag heute hat mich sehr motiviert", so das abschließende Fazit einer Teilnehmerin. "Ich habe viel über Bewegung gelernt und wie ich das einfach in meinen Alltag einbauen kann." Ein anderer "Spaziergänger" freute sich: "Die Veranstaltung hat mir die Angst genommen, mit dem Trainieren anzufangen."

Lungensport ist Rehabilitationssport

Die gesetzlichen Bedingungen des Rehabilitationssports für chronisch Kranke sind in §44 Abs. 1 Nr. 3+4 SGB IX in Verbindung mit §43 SGB V, §28 SGB VI und §39 SGB VII festgelegt (Pneumologie 2016; 70: 446-453).

Patienten mit COPD und Asthma erhalten von den Krankenkassen Zuschüsse für 120 Übungseinheiten innerhalb eines Zeitraums von 36 Monaten in Höhe von 5 Euro je Teilnahme.

Der Antrag auf Kostenübernahme für Rehabilitationssport, das Formular 56, kann von jedem Arzt ausgefüllt werden (Abrechnungsnummer 01621 EBM).

Lungensport findet in Gruppen von maximal 15 Teilnehmern ein- bis zweimal pro Woche statt und soll durch eigenes Training ergänzt werden. Die Leitung übernimmt ein ausgebildeter Fachübungsleiter.

Weitere Informationen unter: www.lungensport.org oder www.atemwegsliga.de/copd

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