Krebs im Endstadium

Chemo schadet eher

Bei Krebskranken im Endstadium sollte auf eine Chemotherapie verzichtet werden, finden US-Onkologen. Ihre Studie hat ergeben: Die Chemo schadet dieser Personengruppe mehr als dass sie nützt.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Palliative Chemo: Gerade Patienten in guter Verfassung kann die Therapie eher schaden.

Palliative Chemo: Gerade Patienten in guter Verfassung kann die Therapie eher schaden.

© Mathias Ernert, Dr. Hieber, Mannheim

NEW YORK. Vielen Krebspatienten im Endstadium wird trotz fehlender Evidenz noch eine Chemotherapie angeboten.

Sie soll das Überleben verlängern und die Lebensqualität verbessern. Doch immer wieder werden Zweifel laut, ob das Betroffenen tatsächlich hilft.

Wie eine Chemotherapie die Lebensqualität von Krebspatienten mit unterschiedlicher körperlicher Verfassung in der letzten Lebenswoche beeinflusst, haben daher Dr. Holly Prigerson und ihre Kollegen vom New York Presbyterian Hospital untersucht (JAMA Oncol 2015; online 23. Juli).

In die Kohortenstudie wurden von September 2002 bis Februar 2008 insgesamt 661 Krebspatienten im Endstadium mit einem Durchschnittsalter von 58,6 Jahren eingeschlossen. 58 Prozent der Probanden starben noch in der Beobachtungszeit von durchschnittlich 3,8 Monaten.

51 Prozent der Patienten mit fortschreitender metastasierender Erkrankung erhielten eine Chemotherapie, und zwar besonders solche mit gutem physischen Zustand (ECOG-Score 1,6 vs. 2,0). Nach dem Tod eines Patienten wurde das Pflegepersonal zu dessen Lebensqualität in der letzten Lebenswoche befragt.

Kein Einfluss auf Sterberisiko

Bei Patienten mit ECOG-Score-Werten von 2 oder 3 Punkten zu Studienbeginn brachte die Chemotherapie eine Woche vor dem Tod keine Vorteile für die Lebensqualität.

War der physische Zustand dagegen noch gut (ECOG 1), verschlechterte sich der Zustand durch die Chemotherapien signifikant (Odds Ratio, OR 0,35). Auf das Sterberisiko hatte die Chemotherapie keinen erkennbaren Einfluss.

Das Fazit der Autoren: Die ASCO-Leitlinien empfehlen zwar, bei Patienten mit metastasierenden Karzinomen im Endstadium noch eine palliative Chemotherapie zu erwägen.

Den Studienergebnissen zufolge stelle sich dabei aber eher die die Frage, wem eine solche Therapie am meisten schade, so Prigerson und Kollegen.

Denn gerade diejenigen, die körperlich noch am fittesten seien, erlitten durch die Chemotherapie den stärksten Einbruch ihrer Lebensqualität. Insgesamt, so die Autoren, scheine eine Chemotherapie Patienten mit metastasierenden Karzinomen im Endstadium eher zu schaden als zu nützen.

Keine aktive onkologische Behandlung mehr, wenn der Tod naht

Dr. Charles Blanke und Dr. Erik Fromme von der Oregon Health and Science University in Portland betonen in einem begleitenden Kommentar, dass Therapie und Hoffnung nicht gleichgesetzt werden dürften (JAMA Oncology 2015, online 23. Juli).

Die letzten sechs Monate eines Lebens sollten nicht mit weitgehend ineffektiven Therapien und deren Nebenwirkungen verbracht werden.

Werde der Tod eines Krebspatienten innerhalb des folgenden halben Jahres erwartet, sollte keine aktive onkologische Behandlung mehr durchgeführt werden, so die Onkologen.

Bestehe dennoch ein triftiger Grund hierfür, sollte das Gespräch über Prognose, Ziele, Ängste sowie tragfähige Kompromisse, das mit dem Patienten und seiner Familie geführt wurde, dokumentiert werden.

Ziel, so Blanke und Fromme, sei letztlich eine gute Entscheidung, mit der insbesondere in den letzten Lebenswochen das Leiden nicht weiter verstärkt werde.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Nur noch der Moment zählt

Mehr zum Thema

M371 weckt Hoffnungen

Neuer Biomarker verbessert die Hodenkrebs-Diagnostik

Das könnte Sie auch interessieren
Management tumorassoziierter VTE

© Leo Pharma GmbH

CME-Fortbildung

Management tumorassoziierter VTE

Anzeige | Leo Pharma GmbH
CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

© Leo Pharma GmbH

Empfehlungen

CAT bei „3G“-Tumoren richtig managen

Anzeige | Leo Pharma GmbH
Die Ära der Immunonkologie: bessere Chancen für Krebspatienten

© Bristol-Myers Squibb

Immunonkologie mit dem Schwerpunkt Biomarker

Die Ära der Immunonkologie: bessere Chancen für Krebspatienten

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Prädiktion in der Immunonkologie mit Biomarkern

© Alpha Tauri 3D Graphics / shutterstock

Immunonkologie mit dem Schwerpunkt Biomarker

Prädiktion in der Immunonkologie mit Biomarkern

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

© Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA

CAR-T-Zelltherapie

OH-Ton – Trifft den Ton in der Onkologie & Hämatologie

Anzeige | Bristol-Myers Squibb GmbH & Co. KGaA
Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Rudolf Hege

Prinzip Hoffnung oder Ehrlichkeit

Ich denke nicht, dass es vor allem "um''s Geschäft" geht, wenn Onkologen solchen Patienten noch eine Chemo anbieten. Es geht oft einfach auch darum, nicht sagen zu müssen, dass "wir jetzt nichts mehr tun können".

Leider bietet (erstattet) die Kassenmedizin keine Alternativen (z.B. Curcuma-Infusionen oder das Allgemeinbefinden stabilisierende Methoden) an bzw. die Praxen sind darauf nicht eingerichtet.

So nimmt man eben das, was man hat, auch wenn es mehr schadet als nützt.

Peter Peschel

Mutiger Ansatz....

Mutiger Ansatz und endlich mal eine andere Sichtweise !!! Denn nun geht Umsatz, sprich Zusatzeinkommen, durch die fehlenden Produkte verloren...


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Jens Spahn bei einem Pressestatement nach den Beratungen über ein einheitliches Vorgehen bei Verdienstausfall-Entschädigungen wegen Quarantäne im Rahmen der Corona-Pandemie.

© Michael Kappeler/dpa

Gesundheitsminister beschließen

Ohne Corona-Impfung gibt‘s bei Quarantäne kein Geld

T-Zellen attackieren Krebszellen - Basis einer Therapieoption, die jetzt auch für Patienten mit soliden Tumoren entwickelt wird.

© Design Cells / stock.adobe.com

Neue Säule in Onkologie?

CAR-T-Zelltherapie nimmt Kurs auf neue Krebsformen

Per Alexa können schnell alle möglichen Gesundheitsinformationen im Web abgerufen werden.

© Andrew Matthews/empics/picture alliance

Gesundheitswirtschaftskongress

„Amazonisierung“ in der Medizin muss kein Schreckgespenst sein