Magen-Darminfekte

Clostridium difficile wird gefährlicher

Inzidenz und Schweregrad von Clostridium-difficile-Infektionen nehmen seit einigen Jahren zu. Schuld sein könnte das Auftreten von hypervirulenten Stämmen.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
REM einer Kolonie mit Clostridium difficile.

REM einer Kolonie mit Clostridium difficile.

© Phanie/Your_Photo_Today

TAMPERE. Hypervirulente Stämme von Clostridium difficile (C. difficile) breiten sich schneller aus, produzieren mehr Toxine und sind schwieriger zu behandeln, daher verursachen sie auch häufiger fulminante Krankheitsverläufe.

Vor allem der Ribotyp 027 hat in den letzten Jahren in Europa und Nordamerika für zahlreiche nosokomiale Ausbrüche gesorgt. In Deutschland wurde er im Jahr 2007 erstmals labordiagnostisch nachgewiesen.

Die Infektion mit einem hypervirulenten Stamm, das bestätigt nun eine Studie aus Finnland, erhöht das Risiko, an einer C.-difficile-assoziierten Diarrhö (CDAD) zu sterben (Journal of Infectious Diseases 2012; online 7 May 2012).

An der Universitätsklinik von Tampere wurden retrospektiv alle CDAD ausgewertet, die nach der ersten dokumentierten Infektion mit einem hypervirulenten Stamm im Jahr 2008 erfasst worden waren. Von insgesamt 780 CDAD-Fällen gingen 111 (14,2 Prozent) auf hypervirulente Stämme zurück.

Dramatischer Anstieg der Sterblichkeit bei unter 74-Jährigen

Die 30-Tage-Mortalität dieser Infekte betrug 20,7 Prozent gegenüber 8,5 Prozent bei CDAD, die durch andere Stämme ausgelöst waren. Die Patienten, bei denen hypervirulente Stämme isoliert wurden, waren mit median 83 Jahren deutlich älter als die Vergleichspatienten mit 75 Jahren.

Zwar ist fortgeschrittenes Alter per se mit einer erhöhten CDAD-Sterblichkeit assoziiert, Hypervirulenz der verursachenden Bakterien erwies sich aber als unabhängiger Risikofaktor. Vor allem bei den unter 74-Jährigen bewirkte sie einen dramatischen Anstieg der Sterblichkeit.

Bei den älteren Patienten lag die 30-Tage-Mortalität generell deutlich höher, durch die Infektion mit hypervirulenten C.-difficile-Bakterien wurde sie nicht mehr signifikant gesteigert.

Einen Hinweis auf den infizierenden C.-difficile-Stamm können die Leukozyten liefern. In der Studie hatten Patienten mit einem hypervirulenten Typ signifikant höhere Werte (11 versus 9,4 x 10/ l).

CRP und Kreatinin unterschieden sich nicht. Voraussagen über die Prognose lassen sich möglicherweise aus Leukozyten und CRP ableiten: Bei tödlichen Verläufen waren für beide Parameter zum Zeitpunkt der Diagnose deutlich höhere Werte gemessen worden (Leukozyten: 13,2 versus 9,6 x 10/ l; CRP: 106 versus 74,9 mg / l).

Quelle: www.springermedizin.de

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