Hormonstörungen

Cushing durch Spontanfraktur aufgedeckt

Bei einer jungen Frau mit Spontanfraktur stellte sich ein okkultes Cushing-Syndrom als Ursache heraus.

Veröffentlicht:

Von Thomas Meißner

Bis zu 50 Prozent der Patienten mit Cushing-Syndrom erleiden osteoporotische Frakturen. Einer 28-jährigen Frau jedoch sah man ihr Cushing-Syndrom nicht an. Die Ursache ihrer spontanen Schenkelhalsfraktur erschien zunächst rätselhaft.

Bereits ein Jahr lang litt die junge, schlanke und äußerlich gesund erscheinende Frau an rezidivierenden Schmerzen im rechten Hüftgelenk. Unmittelbar vor ihrer Behandlung am Regensburger Universitätsklinikum bestanden sehr starke Schmerzen nach dem Joggen, ein Auftreten mit dem rechten Bein war nicht mehr möglich, berichten Dr. Margarita Bala und ihre Kollegen (Med Klinik 104, 2009, 244).

Die Röntgenaufnahme des rechten Hüftgelenks ergab eine laterale Schenkelhalsfraktur, die reponiert und osteosynthetisch versorgt wurde.

Die Regensburger Internisten fanden abgesehen von diskreten Striae rubrae am Abdomen sowie einer ausgeprägten Skoliose klinisch keine Auffälligkeiten, die üblichen Routinelaborwerte waren normal. Dann allerdings fielen ein erniedrigtes Osteocalcin und die erhöhte alkalische Phosphatase auf. Die Osteodensitometrie (DXA) ergab über dem distalen linken Radius Normalwerte und leicht erniedrigte Werte über dem linken Schenkelhals.

Über dem Ward-Dreieck (dreieckiges Trabekelfeld am proximalen Femur) und der Lendenwirbelsäule war die Knochendichte dagegen deutlich vermindert. Die endokrinologische Diagnostik schließlich brachte den Hyperkortisolismus zutage, in der Magnetresonanztomografie war ein 5 mm großes Hypophysen-Mikroadenom eruierbar.

Die manifeste Osteoporose und die Schenkelhalsfraktur waren also die Erstmanifestation eines okkulten Cushing-Syndroms - ein seltener Fall.

Bala und ihre Kollegen empfehlen, bei Osteoporose unklarer Ursache einen Hyperkortisolismus auszuschließen. Als einfacher Screening-Test könne der niedrig dosierte (1 mg) Dexamethason-Hemmtest verwendet werden.

Auch nach selektiver Hypophysenresektion muss für den Knochen mit einer mehrjährigen Rekonsolidierungsphase gerechnet werden. Zum Wiederaufbau der Knochenmasse ist die Behandlung mit Kalzium, Vitamin D und mit einem Bisphosphonat erforderlich.

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