Bei Verstopfung

Damm-Massage wirkt Wunder

Eine Selbst-Akupressur der Dammregion kann eine Verstopfung lösen. In einer Studie profitierten drei Viertel der Patienten davon.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Wenn es mal wieder nicht klappt auf dem Klo: Eine Damm-Massage kann Linderung bringen.

Wenn es mal wieder nicht klappt auf dem Klo: Eine Damm-Massage kann Linderung bringen.

© Nobilior/fotolia.com

LOS ANGELES. Öfter mal die Dammregion massieren, dann löst sich vielleicht die Verstopfung.

Darauf deutet jedenfalls eine Studie von Forschern um Dr. Ryan Abbott von der Universität in Los Angeles (J Gen Intern Med 30(4):434-9).

An der Untersuchung hatten 100 Patienten mit einer Verstopfung nach den Rom-III-Kriterien teilgenommen.

Diese waren erfüllt, wenn mindestens zwei Obstipationsprobleme zu beklagen waren: weniger als dreimal Stuhlgang pro Woche, bei mindestens einem Viertel der Toilettengänge ein harter Stuhl, das Gefühl einer unvollständigen Entleerung oder ein Zwang, stark pressen zu müssen, damit der Stuhlgang gelingt.

Alle Patienten wurden darüber aufgeklärt, wie sie eine Verstopfung vermeiden können - etwa durch mehr körperliche Aktivität und mehr Ballaststoffe.

Dann wurden sie in zwei Gruppen eingeteilt: Die eine Hälfte erhielt nur die Aufklärung, die andere zusätzlich ein kurzes Training zur perinealen Akupressur.

Diese Patienten wurden angehalten, das Verfahren über die folgenden vier Wochen hinweg regelmäßig vor dem Stuhlgang bei sich anzuwenden.

Das gelang nach eigenen Angaben knapp 90 Prozent der Teilnehmer, im Schnitt wurde eine Zahl von 3,6 Selbstanwendungen pro Woche genannt.

Drei Viertel machten gute Erfahrungen

Vor Studienbeginn und nach vier Wochen bestimmten die Ärzte das Ausmaß der Obstipation und die Lebensqualität mit einer Vielzahl von Fragebögen.

Dabei gingen die Obstipationsbeschwerden in der Gruppe mit Selbst-Akupressur in vielen Bereichen signifikant stärker zurück als in der Kontrollgruppe.

So ergab sich mit dem Fragebogen "Patient Assessment of Constipation Quality of Life" (PAC-QOL) ein Unterschied von 0,59 Punkten zwischen beiden Gruppen.

Dieser wurde als klinisch signifikant beurteilt, da er über einer halben Standardabweichung lag.

Dies war auch beim Bowel Function Index (BFI) der Fall, hier lag der Unterschied zwischen beiden Gruppen bei 13,8 Punkten, eine Differenz von 12 Punkten wird als klinisch relevant beurteilt.

Insgesamt gaben 72 Prozent in der Interventionsgruppe an, dass die Methode ihnen geholfen habe, ihren Stuhl zu lockern oder geschmeidiger zu machen, ebenso viele berichteten, dass sie eine Obstipation vermeiden oder besser kontrollieren konnten.

82 Prozent wollten das Verfahren weiter anwenden, über 70 Prozent wollen es auch Freunden und Verwandten empfehlen.

Entspannter Sphinkter

Bisherige Studien legen nahe, dass die Akupressur in der Dammregion verhärtete Kotballen aufbricht, den Sphinkter und die puborektale Muskulatur entspannt sowie parasympathische Nerven stimuliert.

All dies könnte zu einem verbesserten Stuhlgang beitragen, berichten die Internisten um Abbott.

Sie legen Ärzten daher nahe, ihren Patienten die Selbst-Akupressur zusammen mit Basismaßnahmen wie körperlicher Aktivität und hoher Ballaststoffaufnahme als First-Line-Behandlung zu empfehlen, da die Methode leicht anzuwenden und nebenwirkungsarm sei.

Ein Manko der Studie ist jedoch die recht kurze Dauer, auch ist die Randomisierung nicht besonders gut gelungen, so war etwa der Männeranteil in der Interventionsgruppe mit 34 Prozent mehr als doppelt so hoch wie in der Kontrollgruppe (16 Prozent).

Solche Faktoren könnten das Ergebnis verzerrt haben.

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