Darmreinigung: freie Sicht dem Koloskopiker

Die Koloskopie ist der Goldstandard zur Früherkennung von Darmkrebs. Moderne Trinklösungen erleichtern den Patienten die zuvor unverzichtbare Darmreinigung.

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Von Angela Speth

Darmkrebs steht in den westlichen Ländern bei den tumorbedingten Todesursachen auf dem zweiten Platz. Dabei lässt er sich durch Screening zu über 80 Prozent verhindern. Der Goldstandard für die Früherkennung ist die Koloskopie, da sie gleichzeitig Diagnose und Behandlung (Polypektomie) von Neoplasien erlaubt.

Auf einer gut gereinigten Darmmukosa wird so einfach kein Polyp oder Karzinom übersehen. © Martin Ruge / Fotolia.com

Auf einer gut gereinigten Darmmukosa wird so einfach kein Polyp oder Karzinom übersehen. © Martin Ruge / Fotolia.com

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In Deutschland gehört die Koloskopie seit 1. Oktober 2002 zur gesetzlichen Früherkennung: Ab dem 55. Lebensjahr und noch einmal zehn Jahre später steht sie auf dem Vorsorgeprogramm. Seit dessen Beginn haben Gastroenterologen diese Untersuchung etwa 3,5 Millionen Mal vorgenommen - und nach Hochrechnungen bis 2010 mehr als 15 000 Menschen ein Kolon-Ca erspart.

Vor der Untersuchung ist eine Darmreinigung unerlässlich, damit das Kolon frei von Speise- und Flüssigkeitsresten ist und so eine genaue Inspektion ermöglicht. Bei den Lavage-Präparaten gibt es - außer weiteren Einzelsubstanzen und Kombinationen - im Wesentlichen zwei Hauptgruppen: mit Polyethylenglykol (PEG) und mit Natriumphosphat. In einer Meta-Analyse von 22 Studien ergab sich kein Unterschied in der Qualität der Darmvorbereitung.

Mittlerweile reichen zwei Liter der Lavage-Lösung

Vom Natriumphosphat nehmen Patienten in Deutschland standardmäßig je 45 Milliliter am Vorabend und am Morgen der Untersuchung, dazu weitere Flüssigkeit, um eine Dehydration zu verhindern. Vom PEG mussten die Patienten früher die große Menge von vier Liter bewältigen, doch hat sich das inzwischen mit der Markteinführung einer Kombination aus PEG plus Vitamin C geändert: Damit sind zwei Liter Spüllösung ausreichend (plus zwei Liter klare Flüssigkeit). Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen DGVS empfiehlt sie in einem Positionspapier (Z Gastroenterol 45, 2007, 1191).

Nach einer prospektiven Studie mit über 350 Teilnehmern ist die Zwei-Liter-Lösung in ihrem Reinigungseffekt den vier Litern der Standard-PEG-Lösung qualitativ nicht unterlegen, und zwar in allen Darmabschnitten. Zudem sei sie effizienter und sicherer als Natriumphosphat, so dass sie nach Einschätzung der DGVS auch bei Risiken - Alter, Multimorbidität oder Schwangerschaft - eine Alternative zu sein scheint.

Vor einer Koloskopie müssen die Patienten viel trinken - zusätzlich zur Spüllösung noch klare Flüssigkeit. © Norgine

Vor einer Koloskopie müssen die Patienten viel trinken - zusätzlich zur Spüllösung noch klare Flüssigkeit. © Norgine

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Auch hier brauchen die Patienten das Pensum nicht an einem Tag zu bewältigen - die DGVS rät, am Vorabend den ersten Liter und am nächsten Morgen den zweiten zu trinken. Studien belegen nämlich, dass dieses Splitting die Qualität der Reinigung im Vergleich zu anderen Zeitregimes erhöht. Meist sind den PEG-Lösungen Vanille-, Orange- oder Zitrone- Aromen zugesetzt, um den etwas seifigen Geschmack zu überspielen.

Noch weniger Lavage-Lösung - nämlich zweimal 150 ml - erfordert ein Präparat aus Magnesiumcitrat und Natriumpicosulfat. Die Portionen werden am Tag vor der Koloskopie im Abstand von sechs bis acht Stunden eingenommen. Reichlich zusätzlich trinken müssen die Patienten freilich trotzdem, nämlich etwa 250 Milliliter pro Stunde am Tag vor der Spiegelung. Vorteil ist allerdings, dass sie die Getränke frei wählen können: Wasser, Tee, Kaffee, Limonade, klare Säfte oder Brühe

Die Vorbereitung zur Koloskopie beginnt schon einige Tage im Voraus. So setzen die Patienten, wenn medizinisch vertretbar, Gerinnungshemmer ab, Acetylsalicylsäure zum Beispiel eine Woche vorher.

Vier Tage vor der Koloskopie keine Kost mit Körnern

Bis vier Tage vor der Untersuchung rät die DGVS zu einem Verzicht etwa auf Vollkornbrot, Müsli, Trauben, Tomaten, Nüsse, Mohn oder Kiwi, weil deren Körner, Kerne und Schalen leicht an der Darmwand haften und das Endoskop verstopfen könnten.

Nach dem ersten Schluck der PEG-Lösung dürfen die Patienten dann keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen. Ratsam ist, sich in unmittelbarer Nähe einer Toilette aufzuhalten. Die Einnahme des Präparats sollten sie spätestens eine Stunde vor der Untersuchung abgeschlossen haben. Allgemein gilt: Eine entspannte Grundhaltung hilft.

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