Hintergrund

Darum sollten sich Schwangere gegen Grippe unbedingt impfen lassen

Auch Schwangere sollten gegen Grippe geimpft werden, rät die Ständige Impfkommission. Viele Argumente sprechen dafür. Die Empfehlung ist eine Konsequenz aus der Schweinegrippe-Pandemie.

Von Michael Hubert Veröffentlicht:
Schwangere haben vermehrt Komplikationen, wenn sie an Grippe erkranken. Eine Impfung soll sie schützen.

Schwangere haben vermehrt Komplikationen, wenn sie an Grippe erkranken. Eine Impfung soll sie schützen.

© Gina Sanders / Fotolia.com

Die bisherigen Impfzielgruppen - alle Menschen über 60 Jahre sowie chronisch Kranke jeden Alters - wurden vergangenes Jahr erweitert. Nun sollen auch Schwangere ab dem 2. Trimenon gegen Influenza geimpft werden.

Die Empfehlung ist eine Konsequenz aus der Schweinegrippe-Pandemie. Schwangere hatten häufig besonders schwere Krankheitsverläufe. In den USA gilt die Impfempfehlung für Schwangere schon länger.

Die Influenzainfektion führt während der Schwangerschaft zu schwerer verlaufenden Erkrankungen, höheren Hospitalisierungsraten und erhöhter Mortalität.

Risiko für kardiopulmonale Ereignisse stieg ab der 20. Woche deutlich

Das Risiko für schwerwiegende Verläufe der Influenzainfektion sei im dritten Trimenon am höchsten, schreibt Professor Markus Knuf von der Dr. Horst Schmidt Klinik in Wiesbaden.

So steige das Risiko für kardiopulmonale Ereignisse während einer Influenzasaison bei Schwangeren im Alter von 15 bis 44 Jahren ab der 20. Woche deutlich: In Woche 21 bis 26 ist es 2,5-fach erhöht, in Woche 37 bis 42 sogar um das 4,5-Fache (Gynäkologe 2011; 44: 593).

Während der H1N1-Pandemie kamen Schwangere vermehrt in die Klinik

Für gesunde Schwangere bestehe zudem ab dem zweiten Trimenon ein signifikant höheres Risiko für eine influenzabedingte Hospitalisierung, so Knuf. Für schwangere Frauen mit einer Komorbidität bestehe dieses Risiko schon ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel.

Deutlich wurde die erhöhte Rate von Klinikeinweisungen bei Schwangeren auch während der H1N1-Pandemie: Sie lag in Deutschland bei Patienten mit laborbestätigter H1N1-Infektion insgesamt bei 4,3 Prozent.

Von den Schwangeren hingegen musste mehr als jede vierte in die Klinik (27 Prozent). Bei nicht-schwangeren Frauen gleichen Alters mit Schweinegrippe lag die Hospitalisierungsrate bei nur vier Prozent.

Viele schwangere Frauen starben während der H1N1-Pandemie

Überproportional hoch war auch der Anteil schwangerer Frauen während der H1N1-Pandemie an den Todesfällen. So entfielen in den USA fünf Prozent aller H1N1-Todesfälle auf Schwangere, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung betrug lediglich ein Prozent, so der Infektiologe.

Auch eine Frühgeburt war während der H1N1-Pandemie eine häufig berichtete Komplikation. Die Notwendigkeit einer Kaiserschnittentbindung, Totgeburten oder neonatale Todesfälle waren häufig Komplikation einer H1N1-Infektion.

Gute Gründe also, der Empfehlung der Ständigen Impfkommission zu folgen und Schwangere zu impfen.

Auch die Neugeborenen profitieren

Ein weiterer Grund: Nicht nur die werdende Mutter profitiert von der Impfung. Auch die neugeborenen Kinder geimpfter Schwangerer haben in ihren ersten sechs Lebensmonaten - wenn sie noch nicht geimpft werden können - ein 50 Prozent geringeres Risiko, wegen einer Influenza in die Klinik zu müssen (AJOG 2011; 204: S141).

Die während der Schwangerschaft über die Plazenta auf den Fetus übertragenen Antikörper schützen also auch das Neugeborene.

Grippeimpfstoffe dürften für Schwangere sicher sein

Die saisonalen Grippeimpfstoffe dürften auch für Schwangere sicher sein. Erstens werden seit Jahren in den USA Schwangere ohne Auffälligkeiten geimpft. Zweitens gab es auch bei über 30.000 schwangeren Schwedinnen, die mit Pandemrix® geimpft wurden, keine Auffälligkeiten.

Bei den Kindern dieser geimpften Frauen hat es bis Anfang dieses Jahres ebenfalls keine Auffälligkeiten gegeben. Die üblichen saisonalen Grippeimpfstoffe sind zudem frei vom im H1N1-Impfstoff enthaltenen Wirkverstärker, der in Deutschland stark in der Diskussion war.

Keine Zahlen zu Impfraten bei Schwangeren aus dem vergangenen Jahr

Zahlen zu Impfraten bei Schwangeren aus der abgelaufenen Influenzasaison liegen nicht vor. Entsprechende Daten gibt es allerdings aus den USA. Dort liegen die Impfraten im Bereich von rund 15 Prozent (MMWR 2011; 60: 1078).

Während der H1N1-Pandemie hatte es eine deutliche Zunahme der Impfrate auf rund 50 Prozent gegeben. Wurde die Grippeimpfung den Schwangeren von ihrem Arzt angeboten, lag die Impfrate sogar bei 71 Prozent, ohne das Arztangebot nur bei 14 Prozent.

Das verdeutlicht, wie wichtig die Arztempfehlung ist.

Lesen Sie dazu auch: Mit Hygiene, Impfung und Arznei gegen Grippeviren

Mehr zum Thema

Infektprophylaxe in der Rheumatologie

Keine Angst vor Rheumaschüben nach Grippeimpfung!

Das könnte Sie auch interessieren
Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

© Getty Images

STIKO-Empfehlungen

Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Junge Frau spricht mit einer Freundin im Bus

© Getty Images

Update

Impflücken bei Chronikern

Chronisch krank? Grippeimpfung kann Leben retten

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© Viatris-Gruppe Deutschland

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Eine Frau streckt ihre Zunge heraus, man sieht ihre Zähne oben.

© vladimirfloyd / stock.adobe.com

Halitosis

Was hinter Mundgeruch stecken kann