Krebs-Impfung

Dendritische Zellen sollen's richten

Impfungen sind die Hoffnung der Forscher im Kampf gegen Krebs. Nicht nur für solide Tumoren sollen auch Vakzinen gefunden werden - auch gegen CML und Co. Jetzt rücken dendritische Zellen in den Fokus der Forscher.

Von Peter LeinerPeter Leiner Veröffentlicht:
Dendritische Zelle: Forscher sollen sie zur Krebs-Impfung nutzen.

Dendritische Zelle: Forscher sollen sie zur Krebs-Impfung nutzen.

© Rockefeller University / epa / dpa

WIEN. Bereits 2007 zeigten Hämatologen um Privatdozent Jörg Westermann von der Charité Universitätsmedizin Berlin, dass eine Impfung mit spezifischen autologen antigenpräsentierenden Zellen aus dem peripheren Blut bei manchen Patienten mit CML eine Immunreaktion auslöst, bei der sich aktivierte T-Lymphozyten gegen die Krebszellen richten.

Die Patienten waren bcr-abl-positiv und befanden sich in der chronischen Phase der Leukämie. Manche hatten auf die damalige Standardtherapie mit Interferon-alpha (IFN-alpha), andere später nach der Zulassung auf die Behandlung mit dem Tyrosinkinasehemmer Imatinib zytogenetisch nicht angesprochen.

Inzwischen haben die langjährigen Erfahrungen mit den Tyrosinkinasehemmern und das Erreichen einer tiefen molekularen Remission, die ein Absetzen der Behandlung ermöglicht, den Gedanken an eine Heilung im Sinne von Therapiefreiheit bei der CML beflügelt.

"Ich glaube, dass durch Erreichen der tiefen molekularen Remission eine günstige Voraussetzung für immuntherapeutische Ansätze geschaffen wird", sagte Westermann beim DGHO-Kongress in Wien.

In ersten Absetzstudien blieb ein Teil der Patienten bcr-abl-negativ. Die Immuntherapie sei eine Möglichkeit, die Remission weiter zu vertiefen, so der Hämatologe.

Tumoren wirken immunsuppressiv

Im Allgemeinen wirken Tumoren immunsuppressiv, indem die Antigenpräsentation gewissermaßen gelähmt wird. Sie schütten Faktoren aus, die antigenpräsentierende Zellen (APC) daran hindern, auszureifen. Und unreife APC induzieren Toleranz.

Westermann: "Die gute Nachricht ist, dass bei der CML die initial ausgeprägte Immunsuppression bei Patienten mit zytogenetischer Remission durch die Behandlung mit einem Tyrosinkinasehemmer reversibel ist."

Immuntherapeutische Optionen werden in der Routine bereits genutzt. Dazu gehören die Behandlung mit IFN-alpha, die Transplantation allogener hämatopoetischer Stammzellen und die Infusion von Spenderleukozyten. Nur experimentell ist derzeit noch die Vakzinierung, etwa mit speziellen Peptiden oder mit dendritischen Zellen, die mit bestimmten Peptiden beladen werden.

Derzeit bereitet Westermann mit seinen Kollegen eine Phase-I/II-Studie vor, an der CML-Patienten teilnehmen, die trotz einer Behandlung mit dem Tyrosinkinasehemmer Imatinib eine molekulare Resterkrankung haben, also bcr-abl-positiv sind.

Sie werden mit ihren eigenen dendritischen Zellen geimpft, die mit verschiedenen tumorassoziierten Antigenen wie der Proteinkinase 3 und dem bcr-abl-Peptid beladen sind, die sie dann dem Immunsystem präsentieren sollen.

bcr-abl-Peptid als Antigen genutzt

Da sich die CML meist aufgrund eines Chromosomenumbaus entwickelt, der zur Verschmelzung der Gene bcr und abl führt, lässt sich das bcr-abl-Peptid als Antigen für die Impfung nutzen.

In der Studie wird das zytogenetische molekulare Ansprechen auf die Vakzinierung geprüft und die Induktion einer T-Zellantwort auf die tumorassoziierten Antigene beurteilt.

In der Studie von 2007 hatte ein Teil der Patienten Imatinib erhalten. "Unsere aktuelle Studie ist offen für alle Tyrosinkinasehemmer", so Westermann. Voraussetzung sei, dass die Patienten eine minimale Resterkrankung haben.

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