Sportmedizin

"Der Mannschaftsarzt ist der Hausarzt für die Athleten"

Veröffentlicht: 13.02.2006, 08:00 Uhr

Der Einsatz des Arztes Dr. Georg Huber bei Olympischen Spielen ist rekordverdächtig. Der für die Koordination der medizinisch-technischen Ausstattung des deutschen Teams in Turin verantwortliche Internist schnuppert zum 17. Mal olympische Luft. Seit 1984 war er bei allen Sommerspielen mit dabei, zur Zeit erlebt er seine dritten Winterspiele!

"Außerdem war ich fünfmal bei den Paralympics und dreimal bei der Olympiade der Gehörlosen", berichtet der 62jährige. Er joggt bereits seit Ende Januar jeden Morgen drei Runden durch das Olympische Dorf. In den Tagen vor der Eröffnung der Spiele mußte Huber dafür sorgen, daß die medizinische Versorgung der Teams reibungslos ablaufen kann und die Mannschaftsärzte mit allem Erforderlichen versorgt sind.

"Die Kollegen und die Physiotherapeuten sollen hier so arbeiten können, wie sie es gewöhnt sind", erklärt er. Zwei LKW-Ladungen mit Apparaten, Medikamenten, chirurgischen Bestecken, Rettungsrucksäcken und anderem medizinischen Material mußten auf die Mannschaftsquartiere verteilt, Labore eingerichtet, Notfallpläne begutachtet und die zuständige Poliklinik vor Ort besichtigt werden.

"Der Mannschaftsarzt ist der Hausarzt für die Athleten", sagt Huber. Die Mediziner müssen den Sportlern nicht nur bei einschlägigen Verletzungen helfen, sie stehen ihnen auch bei vermeintlichen Banalitäten wie Schnupfen oder Durchfall zur Seite.

"Schon eine ganz kleine Beeinträchtigung des Sportlers kann dazu führen, daß er es nicht mehr an die Spitze der Höchstleistung schafft", weiß Huber. Angesichts des komplexen Doping-Regelwerks kann die Behandlung der Sportler eine große Herausforderung sein.

"Es ist immer wieder ein bewegendes Gefühl, die olympischen Bauten zu sehen", sagt Huber. "Und es ist schön, als Arzt Teil des Ganzen zu sein." Der Internist ist bei der Großveranstaltung nicht nur Organisator, er wird auch bei den Alpin-Ski-Wettkämpfen im Einsatz sein. Auch in seiner Freizeit zieht es ihn auf die Höhen, etwa zu Expeditionen in den Himalaya: "Die Berge, die mag ich."

Huber ist in seinem Leben zwischen den Wettkämpfen als Oberarzt in der Abteilung Rehabilitative und Präventive Medizin der Universitätsklinik Freiburg tätig. Schwierigkeiten wegen seines Engagements im Hochleistungssport hat der Arzt an seinem Arbeitsplatz nicht, im Gegenteil. "Die ganze Klinik steht voll hinter mir, von der Sekretärin bis zum Chef", sagt er.

Schon als Schüler hat er sich für Höchstleistungen im Sport interessiert. "Zu sportlichen Ehren bin ich aber außer beim Schulfest nie gekommen", sagt er schmunzelnd.

Nach seiner Promotion erforschte Huber die Auswirkungen von Streßhormonen auf den Menschen. "So bin ich zum Motorsport gekommen", berichtet der Sportmediziner. Huber liebt die Geschwindigkeit, er fährt gerne Auto und besitzt ein Motorrad. "Damit fahre ich aber nur noch spazieren."

Für den Autohersteller Porsche betreut er das 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Die Formel 1 reizte ihn aber nicht. Ihn zog es zum Radrennsport, wo er seit fast 30 Jahren als Verbandsarzt aktiv ist. Für sein Engagement im Leistungssport ehrte ihn die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin 2005 mit der Auszeichnung "Sportarzt des Jahres".

Verheiratet ist Huber nicht. "Aber ich bin mit fünf Geschwistern aufgewachsen und habe eine große Familie", sagt er. Seinen nächsten Geburtstag wird er im Kreis der großen Olympischen Familie feiern. Genau in einer Woche, am 20. Februar, wird er 63 Jahre alt. (akr)

Lesen Sie dazu auch: Olympia ist für deutsche Ärzte ein Ehrenamt

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