GASTKOMMENTAR

Dialyse zwischen optimal und real

Von Dr. Michael Nebel Veröffentlicht:

Dialysepatienten haben eine ebenso schlechte Prognose wie etwa Patienten mit metastasiertem Kolonkarzinom. Mit dieser Erkenntnis begann eine intensive Suche nach Möglichkeiten, das mit der Dialyse einhergehende Mortalitätsrisiko zu senken.

Die Ansatzpunkte sind: bessere Blutdruckeinstellung und Entwässerung, Behandlung bei Anämie, gestörtem Knochenstoffwechsel und Entzündung - und vor allem stärkere Entgiftung. Viel hilft bei der Dialyse viel, das haben jetzt kanadische Forscher für die Hämodialyse zu Hause bestätigt. Mit sechs sechsstündigen Dialysen pro Woche sanken anders als mit drei dreistündigen Dialysen Herzmasse und Blutdruck. Zusätzlich stieg die Lebensqualität - vermutlich, weil die Blutwäschen nachts stattfanden und die Patienten ihren Alltag daher flexibler gestalten konnten.

Die Wirklichkeit für die etwa 500 Patienten mit Heim-Hämodialyse in Deutschland sieht anders aus. Selbst ein fortschrittliches Konzept bedeutet: maximal sechsmal die Woche 2,5 Stunden. Die meisten nehmen die Blutreinigung nur dreimal wöchentlich vor, für vier bis fünf Stunden. Dann gibt es noch einige Zentren, die nächtliche Hämodialysen von jeweils acht Stunden anbieten, aber auch nur dreimal wöchentlich.

Warum ist die Realität so weit von den kanadischen Vorgaben entfernt? Die Antwort lautet schlicht: weil ein zusätzlicher Aufwand an Personal und Material den finanziellen Rahmen dieser sowieso schon kostspieligen Methode übersteigen würde. Den Weg in die richtige Richtung aber weist die Studie allemal.

Dr. Michael Nebel, Internist mit Schwerpunkt Nephrologie, ist Ärztlicher Leiter des KfH- Nierenzentrums Köln-Merheim.

Lesen Sie dazu auch: Neue Studie bestätigt: Viel hilft bei Dialyse viel

Mehr zum Thema

Herzinsuffizienz mit reduzierter Pumpfunktion

Niere schützen bei HFrEF – aber wie?

Review

RAS-Blocker präoperativ eher nicht absetzen?

* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

© samunella / stock.adobe.com

Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom

PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
Abb. 1: Reduktion von HWI-Rezidiven nach initialer Verordnung des Phytotherapeutikums im Vergleich zur initialen Verordnung eines Antibiotikums

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [1]

Real-World-Daten zu unkomplizierten Harnwegsinfektionen

Pflanzliches Arzneimittel: weniger Rezidive als unter Antibiotikum

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Repha GmbH Biologische Arzneimittel, Langenhagen
Abb. 1: Typische Laborbefunde bei paroxysmaler nächtlicher Hämoglobinurie (PNH)

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [1, 7, 8]

Paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie

Unklare Hämaturie – auch an PNH denken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vergleich der Kreise

Wo sich besonders wenige Senioren gegen Pneumokokken impfen lassen

„Sprechende Medizin“ beim Bayerischen Rundfunk

Hausarzt Schelling klärt im Radio über wichtige Gesundheitsthemen auf

Lesetipps
Menschen im Park machen Qigong-Übungen

© zinkevych / Stock.adobe.com

Nutzen durch randomisierte Studie belegt

Qigong-Übungen senken erhöhten Blutdruck

Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?