Kommentar zur Gichttherapie

Die Harnsäure ist's, nicht der Anfall

Von Michael Hubert Veröffentlicht: 20.06.2012, 19:00 Uhr

Ohne Zweifel: Gicht ist eine chronische Erkrankung. Doch im Vergleich zu Hypertonie (Blutdruck hoch) und Diabetes (Blutzucker hoch) hat Gicht (Harnsäure hoch) eine Besonderheit: Sie äußert sich durch einen akuten Anfall. In der Wahrnehmung rückt dadurch das Akutereignis nach vorn. Bei Patienten und Ärzten.

Die Folge: Die Harnsäuresenkung wird vernachlässigt. Dabei führen die erhöhten Harnsäurewerte zur Gicht. Selbst wenn das Grillsteak oder das Bierchen einen Anfall auslösen, Gichtursache bleibt der - chronisch - erhöhte Harnsäurewert.

Wie beim Hypertoniker der Blutdruck, muss beim Gichtpatienten die Harnsäure runter. Wirksame Arzneien sind vorhanden. Reicht Allopurinol nicht aus, gibt es Alternativen.

Wird der Zielwert von 6 mg/dl erreicht, gehen Harnsäureablagerungen sogar wieder in Lösung. Aber: Durch diese Mobilisierung der Harnsäuredepots kann akut der Harnsäurespiegel steigen - mit der Folge vermehrter Anfälle.

NSAR, Kortikoide oder Colchicin für drei bis sechs Monate können dem vorbeugen. Das müssen die Patienten wissen.

Und: Statt Gicht sollte es "symptomatische Hyperurikämie" heißen. Das nimmt den Anfall aus dem Fokus der Wahrnehmung.

Lesen Sie dazu auch den Bericht: Das erschwert die Gichttherapie: Unklarheiten

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