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Metaanalyse

Die "echten" UAW der Statine

Statine werden mit vielen unerwünschten Effekten in Verbindung gebracht. Doch nur die wenigsten lassen sich tatsächlich diesen Lipidsenkern ursächlich anlasten, wie eine große Metaanalyse nahelegt. Es gibt aber einen kleinen Haken.

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Nebenwirkungen im Blick.

Nebenwirkungen im Blick.

© Ingo Dumreicher/ panthermedia.net

LONDON. Auch in den Beipackzetteln von Statinen werden erschrockene Patienten mit einer Vielzahl bekannt gewordener Nebenwirkungen konfrontiert - unabhängig davon, ob ein kausaler Zusammenhang mit der Therapie besteht oder nicht. Während der klinische Nutzen von Statinen ein quantitatives Maß an der Placebo-Kontrolle habe, gelte dies nicht für die Nebenwirkungen, konstatiert eine britische Forschergruppe um Dr. Judith Finegold aus London (Eur J Prev Cardiol 2014; 21(4): 464).

Die Liste der unerwünschten Arzneimittelwirkungen speise sich nicht allein aus kontrollierten Studien, sondern aus vielen Quellen, darunter auch Beobachtungsstudien und spontane Meldungen. Letztere verunmöglichten es jedoch, zwischen durch Statine verursachten Ereignissen und davon unabhängigen Ereignissen zu differenzieren. Dennoch müssen alle im Beipackzettel aufgelistet sein.

Arzt und Patient benötigten jedoch zuverlässige Informationen darüber, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein unerwünschtes Ereignis wirklich durch ein Medikament verursacht wird, argumentieren Finegold und ihre Kollegen.

Die beste Quelle, um an solche Informationen zu gelangen, sind in ihren Augen randomisierte placebokontrollierte Studien. Die Wahrscheinlichkeit einer Nebenwirkung unter einem Statin abzüglich der Wahrscheinlichkeit der gleichen Nebenwirkung unter Placebo ergibt demnach den genuinen Anteil an unerwünschtem Effekt, der dem Statin zuzuschreiben ist.

Für ihre Metananalyse hat die Gruppe 29 randomisierte kontrollierte Statinstudien herangezogen, darunter 14 Studien zur Primärprävention (mit 46.262 Teilnehmern) und 15 Studien zur Sekundärprävention (mit 37.618 Teilnehmern).

Erhöhtes Risiko für Diabetes-Entwicklung

In den Studien, in denen Statine zur Primärprävention genutzt wurden, erhöhte diese Behandlung signifikant das Risiko für einen neu aufgetretenen Diabetes (absolute Risikozunahme: 0,5 Prozent). Nach Berechnungen der Forscher gingen 20 Prozent aller neuen Diabetes-Diagnosen direkt auf das Konto von Statinen. Dem stand eine signifikante absolute Reduktion von Todesfällen gleichen Ausmaßes (minus 0,5 Prozent) durch die Lipidsenker gegenüber.

In den Studien zur Sekundärprävention war die absolute Reduktion von Todesfällen durch Statine noch stärker ausgeprägt (minus 1,4 Prozent). Ein ungünstiger Einfluss auf die Diabetes-Entwicklung wurde in diesen Studien nicht festgestellt.

Ansonsten fanden sich keine ernstzunehmenden symptomatischen Nebenwirkungen, deren Häufigkeit unter Statinen signifikant höher war als unter Placebo. Dies gilt auch für muskuläre Störungen, die immer wieder mit Statinen in Zusammenhang gebracht werden.

In den Studien zur Primärprävention lagen die Raten für Nebenwirkungen insgesamt bei 14,6 Prozent (Statine) und 14,9 Prozent (Placebo), in den Studien zur Sekundärprävention bei 9,9 Prozent (Statine) und 11,2 Prozent (Placebo).

Eine asymptomatische Erhöhung von Leberenzymen war die einzige Veränderung, die sowohl in den Primärpräventions- als auch Sekundärpräventionsstudien unter Statinen signifikant häufiger auftrat als unter Placebo - vor allem dann, wenn hohe Statin-Dosierungen verwendet wurden.

Alles nur Einbildung?

Sind von Patienten unter einer Statintherapie verspürte Beschwerden wie Muskelschmerzen also pure Einbildung? Nicht unbedingt.

Auch die Autoren der Metaanalyse räumen ein, dass sich in randomisierten kontrollierten Studien meist nicht das "wirkliche Leben", also der normale Praxisalltag naturgetreu widerspiegelt. Sponsoren solcher Studien seien möglicherweise nicht allzu motiviert, sehr gründlich nach Nebenwirkungen zu fahnden. Bei vielen Studien sei jedenfalls nicht ersichtlich, wie oft danach gefragt wurde.

Die britischen Forscher schließen auch nicht aus, dass die nötige Bereitschaft zur Teilnahme an Studien für eine Selektion von höher motivierten Patienten sorgt, die über Nebenwirkungen seltener klagen als Patienten im Praxisalltag.

Auch sei möglich, dass sich im Praxisalltag ein ungünstiger Einfluss von Begleitmedikationen stärker geltend macht, deren Verwendung in den Studien ausgeschlossen war. (ob)

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