Direkt zum Inhaltsbereich

Orthotope Neoblase

Die meisten Frauen kathetern

Die Mehrzahl der Frauen, denen nach einer Zystektomie eine Neoblase mit orthotoper Ableitung eingesetzt wird, verwenden fürs Wasserlassen manchmal oder sogar ständig einen Katheter.

Veröffentlicht:

FRANKFURT/MAIN. Eine Gruppe von Urologen um Georg Bartsch von der Universität Frankfurt am Main hatte 82 Frauen, die eine orthotop abgeleitete Neoblase erhalten hatten, einen Fragebogen zugeschickt und zur Funktion des Ersatzorgans befragt.

Die meisten der im Mittel 64 Jahre alten Frauen (78,6 Prozent) hatten sich der Operation wegen eines Urothelkarzinoms unterzogen. Rund die Hälfte von ihnen (46,4 Prozent) war mit einem T-Pouch versorgt worden (World J Urol 2014; 32: 221).

Das Ergebnis der Befragung erstaunte die Forscher: 62,5 Prozent der Frauen gaben an, bisweilen einen Katheter zur Harnentleerung zu benutzen. 8,6 Prozent von ihnen taten dies bis zu zweimal, 11,4 Prozent drei- bis viermal, 17,1 Prozent mehr als viermal täglich. Die übrigen griffen für jedes Wasserlassen zum Katheter.

Um die Blase vollständig zu entleeren, waren 71,4 Prozent der Frauen, die Katheter benutzten, auf das Instrument angewiesen. Auf alle Patientinnen der Studie umgerechnet, bedeutet dies einen Anteil von 44,6 Prozent.

Die hohe Rate von Frauen, die zum Katheter griffen, überraschte die Wissenschaftler. Es ist die höchste Quote, über die in der Literatur jemals berichtet worden ist. Bisherige Angaben hatten zwischen 9,5 und 58 Prozent geschwankt. Allerdings existieren nicht viele Untersuchungen zu dem Problem.

Frauen bekommen nicht oft und deutlich seltener als Männer eine orthotope Neoblase, in einer Studie aus dem Jahr 2006 lag das Verhältnis bei 15,5 zu 21,5 Prozent (Cancer 2006; 107: 729-37). Die Zahlen bezogen sich freilich auf Operationen in den 1990er-Jahren.

Als mutmaßlichen Grund für den Unterschied zwischen den Geschlechtern sah man einerseits den Umstand an, dass Frauen nach einer Zystektomie und der Konstruktion einer orthotopen Neoblase öfter urethrale Rezidive entwickeln. Aber auch bei Frauen vermehrt festzustellende Entleerungsstörungen galten als mögliche Erklärung.

Über die Ursache für den häufigen Kathetereinsatz können Bartsch und seine Kollegen nur spekulieren. Knicke in den Anastomosen zwischen Pouch und Urethra wären eine mögliche Erklärung, ebenso die autonome Denervation der Urethra, die nur eine unvollständige Relaxation des externen Sphinkters zulässt. (rb)

Mehr zum Thema

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Porträt: xxx

© Porträt: Alexander Sahi

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Testosteronmangel: Worauf es in der Hausarztpraxis ankommt

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

© samunella / stock.adobe.com

Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom

PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Nicht jede Diarrhoe geht von allein

Akuter Durchfall: Wann mehr als Teefasten nötig ist

Lesetipps
Luftverschmutzung aufgrund von Feuer, gepaart mit Hitzewellen - da leidet nicht nur die Lunge, sondern auch das Herz.

© Kang / stock.adobe.com

Effekte der Klimaerwärmung

Hitze plus Waldbrandrauch erhöhen kardiovaskuläre Mortalität