Orthotope Neoblase

Die meisten Frauen kathetern

Die Mehrzahl der Frauen, denen nach einer Zystektomie eine Neoblase mit orthotoper Ableitung eingesetzt wird, verwenden fürs Wasserlassen manchmal oder sogar ständig einen Katheter.

Veröffentlicht: 11.02.2014, 16:09 Uhr

FRANKFURT/MAIN. Eine Gruppe von Urologen um Georg Bartsch von der Universität Frankfurt am Main hatte 82 Frauen, die eine orthotop abgeleitete Neoblase erhalten hatten, einen Fragebogen zugeschickt und zur Funktion des Ersatzorgans befragt.

Die meisten der im Mittel 64 Jahre alten Frauen (78,6 Prozent) hatten sich der Operation wegen eines Urothelkarzinoms unterzogen. Rund die Hälfte von ihnen (46,4 Prozent) war mit einem T-Pouch versorgt worden (World J Urol 2014; 32: 221).

Das Ergebnis der Befragung erstaunte die Forscher: 62,5 Prozent der Frauen gaben an, bisweilen einen Katheter zur Harnentleerung zu benutzen. 8,6 Prozent von ihnen taten dies bis zu zweimal, 11,4 Prozent drei- bis viermal, 17,1 Prozent mehr als viermal täglich. Die übrigen griffen für jedes Wasserlassen zum Katheter.

Um die Blase vollständig zu entleeren, waren 71,4 Prozent der Frauen, die Katheter benutzten, auf das Instrument angewiesen. Auf alle Patientinnen der Studie umgerechnet, bedeutet dies einen Anteil von 44,6 Prozent.

Die hohe Rate von Frauen, die zum Katheter griffen, überraschte die Wissenschaftler. Es ist die höchste Quote, über die in der Literatur jemals berichtet worden ist. Bisherige Angaben hatten zwischen 9,5 und 58 Prozent geschwankt. Allerdings existieren nicht viele Untersuchungen zu dem Problem.

Frauen bekommen nicht oft und deutlich seltener als Männer eine orthotope Neoblase, in einer Studie aus dem Jahr 2006 lag das Verhältnis bei 15,5 zu 21,5 Prozent (Cancer 2006; 107: 729-37). Die Zahlen bezogen sich freilich auf Operationen in den 1990er-Jahren.

Als mutmaßlichen Grund für den Unterschied zwischen den Geschlechtern sah man einerseits den Umstand an, dass Frauen nach einer Zystektomie und der Konstruktion einer orthotopen Neoblase öfter urethrale Rezidive entwickeln. Aber auch bei Frauen vermehrt festzustellende Entleerungsstörungen galten als mögliche Erklärung.

Über die Ursache für den häufigen Kathetereinsatz können Bartsch und seine Kollegen nur spekulieren. Knicke in den Anastomosen zwischen Pouch und Urethra wären eine mögliche Erklärung, ebenso die autonome Denervation der Urethra, die nur eine unvollständige Relaxation des externen Sphinkters zulässt. (rb)

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