Direkt zum Inhaltsbereich

Tuberkulose

EU verfehlt Erfolgsrate bei MDR-TB

70 Prozent sollten es sein, doch die EU-Staaten haben das Ziel verfehlt: Gerade einmal bei jedem zweiten Tuberkulose-Patienten mit multiresistenten Erregern schlägt die Therapie an.

Veröffentlicht:

STOCKHOLM. Die Staaten der Europäischen Union haben in den vergangenen Jahren die geforderten Therapieziele bei der Behandlung der multiresistenten Tuberkulose (MDR-TB) verfehlt. Wie aus am Donnerstag in Stockholm veröffentlichten Daten der europäischen Seuchenkontrollbehörde ECDC hervorgeht, wurden in den Jahren 2007 bis 2012 lediglich 48,2 Prozent aller MDR-Tb-Patienten erfolgreich behandelt (Euro Surveill 2014; 19(10): pii=20733).

Das Therapieziel des EU-Rahmenaktionsplans gegen Tuberkulose fordert Behandlungserfolge in 70 Prozent aller Fälle von multiresistenter Tuberkulose. Die ECDC hatte für ihre deskriptive Analyse die im europäischen Surveillance-System TESSy gemeldeten Tuberkulose-Fälle aus den Jahren 2007 bis 2012 untersucht. Mitglied in TESSy sind alle 28 EU-Mitgliedsstaaten sowie Island, Liechtenstein und Norwegen.

Die Auswertung der Stockholmer EU-Behörde zeigt allerdings auch, dass die Eckdaten bei TB-Infektionen sich in dem untersuchten Zeitraum kaum geändert haben. Beispiel Behandlungserfolg: Er verharrte in den sechs Jahren bis Ende 2012 auf stabilem Niveau. Bei Infektionen mit "voll-empfindlichen" M. tuberculosis lag die Erfolgsrate kontinuierlich bei knapp 80 Prozent und annähernd 70 Prozent bei mono- und polyresistenten Erregern.

Problemkinder bleiben die Fälle mit multiresistenter Tuberkulose und jener mit erweiterten Resistenzen (XDR-TB). Hier blieben die Erfolgsraten auf einem drastisch niedrigen Niveau - nur rund 32 Prozent für MDR-TB und 19 Prozent für XDR-TB.

Den höchsten Anteil von Resistenzen unter allen Tuberkulosefällen verzeichnet das ECDC in den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Dort wurde bei mindestens jedem dritten Labornachweis eine Resistenz gefunden. Die östlichen Staaten Europas und Russland gelten als Krisenherde bei der Ausbreitung von MDR- und XDR-TB.

Europaweit ist der Anteil unter allen Tuberkulosefällen jedoch nahezu konstant geblieben in den sechs Jahren seit Anfang 2007. MDR-Erreger haben in dem Zeitraum "nur" zwei Prozent aller nachgewiesenen Erreger ausgemacht, bei XDR-TB waren es 0,2 Prozent.

Mit 90 Prozent wies die Mehrheit aller Tuberkulosefälle einen für First-line-Therapeutika empfindlichen Erreger auf. Allerdings sind multiresistente Erreger gerade für jene Patienten eine Gefahr, die bereits früher eine Infektion durchgemacht hatten. Bei ihnen betrug der MDR-TB-Anteil in den Jahren 16 Prozent. Der XDR-TB-Anteil betrug 2,6 Prozent. (nös)

Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Praxisinventar

So lassen sich Praxen ihre Therapieliege fördern

Oft langer Weg bis zur Diagnose

Wie Sie Patienten mit seltenen Erkrankungen früher erkennen

Lesetipps
Die erwachsene Tochter zeigt ihrer älteren Mutter, wie man Healthtech-Geräte wie eine Smartwatch mit mobiler App nutzt, um zu Hause Gesundheit, Herzfrequenz und Blutdruck zu überwachen.

© CandyRetriever / stock.adobe.com

Früherkennung von Bluthochdruck

Hypertonie: Wenn die Smartwatch in falsche Sicherheit wiegt

Eine ältere Person hält drei Blisterstreifen mit Tabletten zwischen beiden Händen.

© wernerimages / stock.adobe.com

GeriPAIN-Leitlinie

Welche Schmerztherapien eignen sich für geriatrische Patienten?