Im Babyfernsehen

Ein Fetus streckt die Zunge raus

Das Herausstrecken der Zunge – Kinder verteilen diese Geste zwar allgemein recht großzügig. Dass sich ihrer aber auch schon Feten bedienen, ist doch überraschend.

Veröffentlicht: 16.03.2018, 07:15 Uhr

BEIRUT. Gynäkologen um Assaad Kesrouani von der St.-Josefs-Universität in Beirut berichten über den Fall einer 31-jährigen Schwangeren, die sich in der 31. Schwangerschaftswoche zum Routineultraschall in der Universitätsklinik eingefunden hat (Arch Gynecol Obstet 2018; 297: 807–808). Ihre Schwangerschaft war bisher völlig problemlos verlaufen.

Als der Kopf des Kindes vom Schallkegel des Sonografiegeräts erfasst wird, zeigt sich Ungewöhnliches: Der Fetus streckt alle fünf bis zehn Sekunden seine Zunge heraus und belässt sie dort gut sichtbar für etwa drei Sekunden. In den Intervallen dazwischen verschwindet die Zunge wieder und liegt unauffällig in der Mundhöhle.

Eine oropharyngeale Raumforderung, die für das Schauspiel verantwortlich sein könnte, finden die Ärzte nicht. Auch weiter oben im zentralen Nervensystem sind keine Anomalien zu entdecken.

Die werdende Mutter wird zwei Wochen später wieder einbestellt – und wieder streckt der Fetus seine Zunge herauswie schon in der Untersuchung davor. Biometrisch ist jedoch alles im Normbereich, auch die Amnionflüssigkeit weist keine Auffälligkeiten auf.

Die Frau entbindet schließlich in der 39. Woche. Die Geburt verläuft ohne Komplikationen, das Neugeborene, ein Junge, wiegt 3100 Gramm – und streckt den Anwesenden zuerst einmal die Zunge heraus. Das Kind wird von einem Kinderarzt, einem pädiatrischen HNO-Spezialisten und einem Neurologen untersucht.

Zu finden ist nichts, besonders keine Makroglossie – nichts bis auf das fortwährende rhythmische Heraustrecken der Zunge. Das merkwürdige Phänomen verschwindet erst drei Monate nach der Geburt. Bei der Untersuchung nach Ablauf des ersten Lebensjahres präsentiert sich ein normal entwickeltes Kind.

"Unser Bericht dokumentiert die gutartige Natur des beschriebenen Befundes", schreiben die Autoren. Dennoch sei es nötig, solche Fälle akribisch zu untersuchen und betroffene Schwangere in Zentren für Geburtshilfe zu entbinden. (rb)

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