Ein Schweizer Hausarzt ist einer der besten Ultra-Triathleten der Welt

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Von Manfred Poser

Nach sieben Stunden Dienst in einer St. Galler Gemeinschaftspraxis "bolzt" Hausarzt Dr. Beat Knechtle mit dem Rad noch fürs Tagespensum von 150 Kilometer. 25 000 Kilometer im Jahr müssen es schon sein, damit er bei seinen 20 doppelten, dreifachen bis zehnfachen Iron-Triathlons mit vorn dabei ist. Mitte Oktober gewann Knechtle den härtesten "Triple" der USA - 11,4 Kilometer Schwimmen, 540 Kilometer Radfahren, 126,6 Kilometer Laufen; das Zeitlimit lag bei 60 Stunden.

Der 41 Jahre alte Arzt kriegt Arbeit, Training, Wettkämpfe und das Schreiben von wissenschaftlichen Artikeln unter einen Hut. Seine Frau, seine fünfjährige Tochter und sein 16jähriger Sohn kennen das nicht anders.

Knechtle: "Ich bin ein eher unkonventioneller Typ und passe in kein Schema. Ging bisher im Leben und im Sport ganz gut." Zum Beispiel trainiert er so, wie er Lust hat, und auch das funktioniere. Als Kind sei er oft gehänselt und entmutigt worden - "Du wirst es im Sport nie zu was bringen" -, aber sein Bewegungsdrang sei nicht zu stoppen gewesen.

Orthopädie und Chirurgie waren ihm zu stressig

Erst mit 30 Jahren absolvierte er seinen ersten Triathlon. Der Amateur landete gleich weit vorne. Seither reiht er Triathlon an Triathlon. Zur Medizin kam Knechtle durch seinen Vater, der als Zahnarzt in Appenzell arbeitet.

Er studierte in Fribourg, Basel und Zürich. Orthopädie und Chirurgie waren ihm zu stressig - "Ich wollte nebenher auch noch leben" -, also landete er bei der Inneren Medizin, promovierte 1996 zum Dr. med., vertiefte die Physiologie und holte sich erst 2002 den Titel Facharzt für Allgemeinmedizin.

Nach der Arbeit in diversen Kliniken - darunter drei Jahre im Paraplegiker-Zentrum Nottwil - stieß Beat Knechtle vor eineinhalb Jahren zu den neun Kollegen im St. Galler Stadtzentrum: als Hausarzt. "Das paßt mir: Ich bin einfach strukturiert und ein praktisch denkender Mensch."

Das Klima sei nett, die Kollegen seien verständnisvoll und die Patienten meist jünger. Beruf und Hobby ergänzen sich bei Knechtle prima. In der Praxis vermittelt er seinen Patienten, wie wichtig Sport als Prävention und Therapie ist.

"Viele Patienten sind in einem ziemlich schlechten Fitnesszustand", hat er erfahren. Statt sich zu bewegen, zahle man lieber hohe Versicherungsbeiträge. Je höher die Prämie, desto gesünder ist man, dächten viele.

Schon der normale Triathlon mit den kanonischen Disziplinen 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radeln und dann der Marathon wäre für viele seiner Patienten ein Alptraum.

Und erst 19 Kilometer Schwimmen, danach 900 Kilometer Radfahren, ohne zu schlafen, und dann noch 210 Kilometer traben? Bei einem solchen Fünffach-Triathlon, der bevorstehenden Weltmeisterschaft im Ultra-Triathlon in Monterrey, Mexiko, hat Beat Knechtle nur 20 Mitbewerber, und alle kennen sich.

Bei seinen Wettbewerben erhebt der Arzt Daten

Den Extremsportler interessiert auch das "intellektuelle Element". Er hat mit anderen fast 70 wissenschaftliche Aufsätze verfaßt, vor allem über Nahrungsverwertung, das Energiedefizit oder den Flüssigkeitshaushalt. "Bei jedem Wettbewerb denke ich: Soll ich wieder Daten erheben?" Und während er fährt, denkt er stets darüber nach, was er tun muß, um sein Tempo zu halten.

Knechtle hat ein paar Sponsoren, wenig Medien-Echo, und als Siegprämie gibt's meist nur einen hübschen Pokal. Doch der Arzt rangiert in der Weltbestenliste weit vorn.

Als Ultra-Triathlet ist er im besten Alter, und im nächsten Jahr wird in der 23. Auflage des US-Handbuchs "Who's who in the world", das 50 000 Männer und Frauen vorstellt, sein Name stehen: Beat Knechtle, Arzt, St. Gallen. "Das bezeugt Ihre harte Arbeit und Ihre Orientierung am Erfolg. Sie können stolz auf das Erreichte sein", schrieb ihm der Herausgeber.

Weitere Informationen im Internet unter www.beatknechtle.ch

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