Depressionen

Ein neues Antidepressivum stört kaum die sexuelle Funktion

Veröffentlicht: 06.12.2007, 05:00 Uhr

BERLIN (mut). Seit diesem Jahr ist Bupropion auch in Deutschland als Antidepressivum verfügbar. In Studien hat sich das Medikament als ähnlich wirksam erwiesen wie moderne Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI). Im Gegensatz zu vielen anderen Antidepressiva kommt es mit der Substanz jedoch nicht zu einer vermehrten Beeinträchtigung der sexuellen Funktion oder zur Sedierung.

Mit Bupropion (Elontril®) gibt es seit dem Frühjahr auch in Deutschland ein Antidepressivum, das spezifisch nicht nur die Noradrenalin-, sondern auch die Dopamin-Wiederaufnahme hemmt. Das Medikament ist besonders für Patienten mit Antriebsschwäche und Adynamie, Müdigkeit und Freudlosigkeit geeignet - also Symptomen, die mit vor allem mit einem Dopamin- und Noradrenalin-Mangel einhergehen. Darauf hat Professor Göran Hajak vom Bezirksklinikum Regensburg hingewiesen. Bupropion ist in Deutschland zwar als Antidepressivum neu, als Zyban® ist es jedoch schon länger zur Raucher-Entwöhnung verfügbar.

Erfahrungen mit Bupropion als Antidepressivum gibt es lange

In den USA wird es schon seit 1989 gegen Depressionen verwendet. Daher liegen inzwischen umfassende Daten zu Wirksamkeit und Sicherheit vor, sagte Hajak auf einer Veranstaltung von GlaxoSmithKline beim DGPPN-Kongress in Berlin. So seien weltweit etwa 62 Millionen Menschen mit dem Wirkstoff behandelt worden, 45 Millionen davon wegen Depressionen. Dabei habe sich ergeben, dass mit Bupropion ähnlich gute Remissionsraten zu erzielen sind wie mit SSRI. In einer Analyse von zehn Studien kam es bei 46 Prozent der Patienten, die mit SSRI behandelt worden sind, zu einer Remission, 45 Prozent waren es mit Bupropion, mit Placebo waren es 35 Prozent.

Ein Vorteil des Medikamentes sei zudem, dass unerwünschte Wirkungen bei der in Deutschland zugelassenen Maximaldosis von 300 mg pro Tag zu vernachlässigen seien. In einer gepoolten Analyse von sechs US-Studien sei es mit SSRI bei 12 Prozent der Teilnehmer zu Somnolenz gekommen, mit Bupropion dagegen nur bei 3 Prozent, mit Placebo bei 5 Prozent. Auch bei einem Vergleich mit Venlafaxin kam es mit Bupropion seltener zu Schläfrigkeit (1 versus 7 Prozent), seltener zu Sedierung (1 versus 6 Prozent) und seltener zu Übelkeit (15 versus 26 Prozent).

Weniger Störungen der sexuellen Funktion

Lediglich eine Nasopharyngitis trat mit Bupropion häufiger auf als mit Venlafaxin (10 versus 5 Prozent).

Ein Vorteil von Bupropion: Zu sexuellen Funktionsstörungen kam es in Studien mit Bupropion bei weniger als 10 Prozent der Patienten, bei einer Therapie mit SSRI lag der Anteil dagegen bei 20 bis 30 Prozent. Dieser Aspekt sei vor allem für sexuell aktive Patienten wichtig und könne bei ihnen die Compliance verbessern, so Hajak.

Bei Patienten mit Epilepsie sei jedoch Vorsicht geboten, da Bupropion die Krampfschwelle erniedrige. Ebenso müssten Ärzte bei Patienten mit Schlafstörungen aufpassen. Denn die Schlafstörungen könnten durch die aktivierende Wirkung der Arznei verstärkt werden.

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