Wirkstoffe gesucht

Ein offenes Labor für die Malaria-Forschung

Das Unternehmen GlaxoSmithKline stellt einen Teil seines Entwicklungszentrums in Spanien für die Erforschung von Malaria und anderen Krankheiten, die vor allem in armen Ländern auftreten, zur Verfügung. Ein interessantes Beispiel für ein Public-Private-Partnership.

Von Wolfgang GeisselWolfgang Geissel Veröffentlicht:
Arbeiten mit Malaria-Moskitos im GSK-Entwicklungszentrum in Tres Cantos.

Arbeiten mit Malaria-Moskitos im GSK-Entwicklungszentrum in Tres Cantos.

© GlaxoSmithKline

MADRID. Gegen viele häufige Krankheiten in Entwicklungsländern wurden in den vergangenen Jahrzehnten kaum neue Medikamente und Impfstoffe entwickelt. Forschungsleistungen lassen sich hier nämlich oft nicht refinanzieren, weil die betroffenen Menschen zu arm sind, um solche Mittel bezahlen zu können.

Neuen Schwung in die Erforschung solcher Krankheiten bringen Partnerschaften aus Industrie, internationalen Stiftungen und staatlichen Institutionen und Organisationen.

Wie sich dabei Unternehmen fruchtbar in solche Public Private Partnerships (PPP) einbringen können, zeigt das Beispiel GlaxoSmithKline (GSK).

Für die Erforschung neuer Strategien gegen Malaria, Tuberkulose und Kinetoplastea-Krankheiten (Leishmaniose, Schlaf- und Chagas-Krankheit) stellt der Konzern seit 2010 einen Teil seines Entwicklungszentrums in Tres Cantos bei Madrid zur Verfügung.

Drei Voraussetzungen sollen die wissenschaftlichen Arbeiten beschleunigen, wie Mike Strange von GSK bei einer Veranstaltung in Tres Cantos berichtet hat.

Wissenschaftler aus aller Welt sind eingeladen

Erstens werden in einem sogenannten offenen Labor Wissenschaftler aus aller Welt eingeladen, ihre eigenen Ideen zusammen mit den GSK-Forschern weiterzuentwickeln. Etwa 19 solcher Gäste von renommierten Universitäten und Institutionen sind zurzeit vor Ort; sie bleiben im Schnitt etwa ein Jahr.

Zweitens werden alle Ergebnisse der Arbeiten sofort publiziert und damit - anders als in der Industrie sonst notwendig - nicht für eigene Produkte zurückgehalten. Und drittens zeigt sich das Unternehmen flexibel, die Forscher an seinem Know-how teilhaben zu lassen, an seiner sogenannten intellectual property (IP).

Ein großer Schatz in Tres Cantos ist dabei eine Sammlung von zwei Millionen potenziellen Wirkstoffen gegen Krankheiten aus kleinen Molekülen. Die Proben lagern tiefgekühlt und in standardisierten Behältnissen in Regalen einer abgeschotteten Werkshalle.

Mit vollautomatischen Industrie-Robotern können die Stoffe auf Mikrotiterplatten in ihrer Wirkung auf Krankheitserreger getestet werden. Die Automatisierung erlaubt dabei Tests mit einer halben Million Substanzen am Tag.

13.500 Stoffe mit Effekten gegen Malaria-Erreger

Ein erstes Screening ergab dabei 13.500 Stoffe mit Effekten gegen Malaria-Erreger, berichtete Strange. Eine Liste dieser potenziellen Malaria-Wirkstoffe wurde dann im Wissenschafts-Journal "Nature" publiziert und ein Teil davon von anderen Forschergruppen überprüft.

Die Medicines for Malaria Venture (MMV) habe inzwischen eine sogenannte Malaria-Box mit 400 vielversprechenden Arzneimittel-Kandidaten zusammengestellt, wovon etwa die Hälfte aus den GSK-Versuchen stammt.

Die akribische Forscherarbeit ist Voraussetzung für neue Arzneimittel, schnelle Erfolge sind auch bei Malaria eher nicht zu erwarten. In Tres Cantos wurde an die allgemeine Erfahrung von Pharma-Unternehmen erinnert.

Im Schnitt schaffen es von fünf- bis zehntausend Substanzen in klinischen Phase-1-Studien nur 250 in die Phase 2 und nur fünf in Phase 3. Daraus resultiert dann letztendlich ein zugelassenes Medikament, für das zehn bis 15 Jahre Entwicklungsarbeit nötig gewesen ist.

Für den Standort Tres Cantos ist es daher ein großer Erfolg, dass jetzt mit Tafenoquine erstmals seit mehr als 60 Jahren wieder ein neues Medikament für Malaria tertiana in Sicht ist. Phase-3-Studien mit der von GSK entwickelten Substanz haben begonnen.

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