Kommentar – Neue ADHS-Leitlinie

Einfach nur ruhig stellen ist keine Lösung

Von Hauke Gerlof Veröffentlicht: 22.06.2018, 16:10 Uhr

Ist "der Zappel-Philipp" mit ADHS eher ein gesellschaftliches oder ein medizinisches Problem? Diese Frage wird fernab der Fachgesellschaften noch in zehn Jahren diskutiert werden. Umso wichtiger ist es, dass die Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP) mit über 30 Fachgesellschaften und Verbänden jetzt eine S3-Leitlinie für Diagnostik und Therapie bei ADHS erarbeitet hat. Das hilft, die Diskussion zu versachlichen.

Der hohe Evidenzgrad der Leitlinie stärkt Ärzten zudem den Rücken, wenn sie mit der Prüfinstanz ins Gehege kommen, etwa weil sie sich bei moderaten Symptomen für eine medikamentöse Therapie entscheiden. Eltern mit einem verhaltensauffälligen Kind mit ADHS kann so in Zwangslagen vielleicht schneller geholfen werden.

Es ist gut, dass die Ärzte in Deutschland – anders als in Großbritannien – der Verhaltenstherapie einen hohen Stellenwert bei ADHS einräumen. Einfach nur ruhig stellen ist keine Lösung – weder medizinisch, noch gesellschaftlich.

Lesen Sie dazu auch: Häufigere Vergabe: Neue Leitlinie stärkt medikamentöse ADHS-Therapie

Kommentare
Dr. Edith Schneider

Neurofeedback

Sehr erfreulich, dass endlich Neurofeedback als Therapieoption in den Leitlinien anerkannt wird.
Wobei darauf geachtet werden sollte, dass es von geschulten Therapeuten durchgeführt wird und dass bewährte Formen des Neurofeedback zur Anwendung kommen.

Dipl.-Med Thomas Greger

Wer die Pharmakotherapie der ADHS

als ruhigstellende Maßnahme begreift, hat die Störung nicht im Ansatz verstanden und sollte besser schweigen statt kommentieren.


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