Direkt zum Inhaltsbereich

Eitrige runde Läsion am Kopf war Trichophytie

Bei vermeintlich bakteriellen Läsionen am Kopf von Kindern sollte auch an eine Trichophytie gedacht werden. Das gilt vor allem bei engem Kontakt zu Tieren.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

Patient 1: Befund bei Erstvorstellung.

KIEL. Die Tinea capitis ist einem bakteriellen Abszess sehr ähnlich. Fallen bei Kindern kreisrunde Läsionen am behaarten Kopf auf, und fühlen sie sich zusätzlich abgeschlagen, haben sie Fieber oder geschwollene Lymphknoten, könnte eine tiefe Trichophytie vorliegen.

Antibiotika oder gar ein chirurgischer Eingriff bringen dann freilich nichts, betonen Dermatologen aus Kiel.

Dr. Inka Held und Professor Regina Fölster-Holst von der Unihautklinik beschreiben den Fall eines vierjährigen Mädchens mit kreisrunder, schmerzhafter und eitriger Schwellung am Hinterkopf (Fall1).

Es war zunächst antibiotisch und chirurgisch behandelt worden. Der Therapieerfolg blieb aber aus.

In der Klinik schließlich sahen die Fachärzte eine "extrem exsudative Läsion mit erhabenem krustösem Randwall und eitrig-fibrinös belegtem Zentrum". Die Haare im Randbereich waren leicht zu epilieren (Monatsschr Kinderheilkd 2010, 158: 875).

Patient 1: Befund nach 13 Wochen antimykotischer Therapie.

Ähnlich verhielt es sich bei einem sechsjährigen Jungen mit einer dicken, eitrig sezernierenden und kreisrunden Plaque an der rechten Schläfe mit einem Durchmesser von fünf bis sechs Zentimetern (Fall 2).

Wichtig: Beide Kinder hatten regelmäßigen Tierkontakt. Bei dem Mädchen waren wohl Pferde die Infektionsquelle (Reitunterricht), der Junge lebte mit seinen Eltern auf einem Milchviehhof.

Tiere weisen in der Regel keine klinischen Symptome auf.

Bei beiden Kindern lag eine tiefe Trichophytie vor. Sie kann im Anfangsstadium der Grindflechte (Impetigo contagiosa) ähneln.

Die deutliche Schwellung jedoch sowie die ausgeprägten follikulären Pusteln weisen auf die Pilzinfektion hin.

Patient 2: Erstbefund nach einer Therapiewoche.

Die leicht zu epilierenden Haare eignen sich am besten für die mykologische Diagnostik. Diese sollte immer erfolgen, auch wenn der kulturelle Pilznachweis bis zu sechs Wochen dauern kann.

Für das Festlegen der teilweise langen Behandlungsdauer von bis zu zwölf Wochen und die Dosierung seien die Ergebnisse jedoch wichtig, so die Kieler Kollegen.

Die antimykotische Behandlung erfolgt systemisch und lokal. Einziges in Deutschland zugelassenes Antimykotikum ist Griseofulvin, das jedoch häufig unerwünschte Effekte hat.

Bei fehlender therapeutischer Alternative ist für Kinder ab einem Jahr Fluconazol zugelassen. Gute Erfahrungen gebe es auch mit Itraconazol und Terbinafin.

Befund nach 10 Wochen.

Befund nach 10 Wochen.

© Held, Fölster-Hold / Springer Medizin

Für die Lokaltherapie stehen Ciclopiroxolamin, Terbinafincreme, Tolnaftat und Tolciclat zur Verfügung. Die Hautärzte empfehlen eine Befreiung vom Sportunterricht, Friseurbesuche sollten unterbleiben.

Eine Schulbefreiung hingegen sei nicht erforderlich, da Übertragungen bei adäquater Behandlung selten seien.

Mehr zum Thema

Update der S3-Leitlinie

Neue Empfehlung in der Sepsis-Therapie

Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Update der S3-Leitlinie

Neue Empfehlung in der Sepsis-Therapie

Lesetipps