Infektionen

Eitrige runde Läsion am Kopf war Trichophytie

Bei vermeintlich bakteriellen Läsionen am Kopf von Kindern sollte auch an eine Trichophytie gedacht werden. Das gilt vor allem bei engem Kontakt zu Tieren.

Von Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht: 14.01.2011, 04:58 Uhr

Patient 1: Befund bei Erstvorstellung.

KIEL. Die Tinea capitis ist einem bakteriellen Abszess sehr ähnlich. Fallen bei Kindern kreisrunde Läsionen am behaarten Kopf auf, und fühlen sie sich zusätzlich abgeschlagen, haben sie Fieber oder geschwollene Lymphknoten, könnte eine tiefe Trichophytie vorliegen.

Antibiotika oder gar ein chirurgischer Eingriff bringen dann freilich nichts, betonen Dermatologen aus Kiel.

Dr. Inka Held und Professor Regina Fölster-Holst von der Unihautklinik beschreiben den Fall eines vierjährigen Mädchens mit kreisrunder, schmerzhafter und eitriger Schwellung am Hinterkopf (Fall1).

Es war zunächst antibiotisch und chirurgisch behandelt worden. Der Therapieerfolg blieb aber aus.

In der Klinik schließlich sahen die Fachärzte eine "extrem exsudative Läsion mit erhabenem krustösem Randwall und eitrig-fibrinös belegtem Zentrum". Die Haare im Randbereich waren leicht zu epilieren (Monatsschr Kinderheilkd 2010, 158: 875).

Patient 1: Befund nach 13 Wochen antimykotischer Therapie.

Ähnlich verhielt es sich bei einem sechsjährigen Jungen mit einer dicken, eitrig sezernierenden und kreisrunden Plaque an der rechten Schläfe mit einem Durchmesser von fünf bis sechs Zentimetern (Fall 2).

Wichtig: Beide Kinder hatten regelmäßigen Tierkontakt. Bei dem Mädchen waren wohl Pferde die Infektionsquelle (Reitunterricht), der Junge lebte mit seinen Eltern auf einem Milchviehhof.

Tiere weisen in der Regel keine klinischen Symptome auf.

Bei beiden Kindern lag eine tiefe Trichophytie vor. Sie kann im Anfangsstadium der Grindflechte (Impetigo contagiosa) ähneln.

Die deutliche Schwellung jedoch sowie die ausgeprägten follikulären Pusteln weisen auf die Pilzinfektion hin.

Patient 2: Erstbefund nach einer Therapiewoche.

Die leicht zu epilierenden Haare eignen sich am besten für die mykologische Diagnostik. Diese sollte immer erfolgen, auch wenn der kulturelle Pilznachweis bis zu sechs Wochen dauern kann.

Für das Festlegen der teilweise langen Behandlungsdauer von bis zu zwölf Wochen und die Dosierung seien die Ergebnisse jedoch wichtig, so die Kieler Kollegen.

Die antimykotische Behandlung erfolgt systemisch und lokal. Einziges in Deutschland zugelassenes Antimykotikum ist Griseofulvin, das jedoch häufig unerwünschte Effekte hat.

Bei fehlender therapeutischer Alternative ist für Kinder ab einem Jahr Fluconazol zugelassen. Gute Erfahrungen gebe es auch mit Itraconazol und Terbinafin.

Eitrige runde Läsion am Kopf war Trichophytie

Befund nach 10 Wochen.

© Held, Fölster-Hold / Springer Medizin

Für die Lokaltherapie stehen Ciclopiroxolamin, Terbinafincreme, Tolnaftat und Tolciclat zur Verfügung. Die Hautärzte empfehlen eine Befreiung vom Sportunterricht, Friseurbesuche sollten unterbleiben.

Eine Schulbefreiung hingegen sei nicht erforderlich, da Übertragungen bei adäquater Behandlung selten seien.

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