Studie

Ejakulatprobe geht auch zu Hause!

Die Gewinnung von Ejakulat zur Analytik ist für viele Männer eine hochnotpeinliche Angelegenheit, ob in der Klinik oder im Labor. Doch auch zu Hause gewonnene Proben sind wohl von guter Qualität, so eine Analyse.

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Schematische Darstellung von Spermien: Um die Qualität des Spermas zu messen, können Männer eine Probe wohl auch in den heimischen Wänden gewinnen.

Schematische Darstellung von Spermien: Um die Qualität des Spermas zu messen, können Männer eine Probe wohl auch in den heimischen Wänden gewinnen.

© phonlamaiphoto / stock.adobe.com

GIEßEN. Eine aussagekräftige Ejakulatprobe zu erhalten, ist komplizierter, als man sich das gemeinhin vorstellt. Einschlägige Merkblätter fordern vor der Abgabe zunächst einmal eine drei- bis fünftägige sexuelle Karenz. Empfohlen wird zu masturbieren, davor ist die Blase zu entleeren, Hände und Penis sind zu waschen, aber nicht zu desinfizieren.

Es bedarf eines geeigneten Transportgefäßes. Sofern das Ejakulat durch Koitus erlangt werden soll, sind spezielle Transportkondome nötig. Coitus interruptus ist als Hilfstechnik untersagt, und zwar wegen natürlicher vaginaler Spermizide.

Eine Stresssituation

Das alles führt dazu, dass manche Männer eine sonst nicht unbedingt unangenehme Beschäftigung als stressig und belastend empfinden. Ganz besonders ist das der Fall, wenn sich die Angelegenheit auch noch in den Räumen einer Klinik oder eines andrologischen Labors abspielen soll.

Bisweilen kann das sogar den Erfolg der Maßnahme gefährden. Daher spricht vieles dafür, den Männern die Prozedur in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Allerdings gibt es Bedenken, die Qualität des Ejakulats könnte darunter leiden.

Dass diese Sorge offenbar unbegründet ist, hat eine Studie gezeigt, deren Ergebnisse bei der 30. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Andrologie in Gießen vorgestellt worden sind. Ein Team um Professor Falk Ochsendorf, Leiter der Andrologie an der Universität Frankfurt am Main, hatte 101 Männer gebeten, zwei Ejakulatproben abzugeben (J Reproduktionsmed Endokrinol 2018; 15 (Suppl. 1): 7). Eine wurde zu Hause, die andere in der Klinik gewonnen.

Gewinnungsort ohne signifikante Auswirkung

In der Auswertung nach WHO-Kriterien waren keine signifikanten Unterschiede in der Gesamtzahl, in der Morphologie und der Motilität der Spermien festzustellen. Der Ort der Gewinnung spielt also offensichtlich keine besondere Rolle. 85 Prozent der Männer bevorzugten denn auch die Ejakulation in vertrauter häuslicher Umgebung, wo zudem häufiger als in der Klinik die Partnerin behilflich war (in 25 versus 9 Prozent der Fälle).

Eine Voraussetzung ist jedoch strikt zu beachten: Die Transportzeit bis zum Labor darf eine Stunde nicht überschreiten. Außerdem muss das Ejakulat körperwarm gehalten werden. (rb)

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