Entzündete Achillessehne? Einfache Übung hilft!

HANNOVER (ars). Mit einem einfachen täglichen Training, das jeder Patient selbständig ohne Hilfsmittel machen kann, klingt eine chronische Entzündung der Achillessehne deutlich ab. Auch die damit oft einhergehenden Schmerzen lassen nach. Das hat eine Forschergruppe an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) nachgewiesen.

Veröffentlicht:

Chronische Entzündungen der Achillessehne kommen vor allem bei Sportlern vor. "Etwa ein Fünftel der Marathonläufer und Profi-Fußballspieler haben damit Probleme", so Dr. Karsten Knobloch von der Unfallchirurgischen Klinik der MHH zur "Ärzte Zeitung".

Weil die Sehne im Lauf des Lebens durch Abbauvorgänge anfälliger wird, haben aber auch ältere Menschen, die keinen Sport treiben, oft mit solchen Beschwerden zu tun, zumal bei Übergewicht. Die Folgen sind meist starke Schmerzen und eine eingeschränkte Beweglichkeit.

An entzündeten Stellen ist der Blutfluß pathologisch erhöht

Bei 66 solcher Probanden hat Knobloch zunächst den Blutfluß in der schmerzenden Achillessehne mit der Laser-Doppler-Methode bestimmt (Am J Sports Med 34, 2006, 92).

An der Stelle, wo sich die Sehne entzündet und verdickt hatte, war die Zirkulation in den Kapillaren um fast die Hälfte erhöht, und zwar im Vergleich sowohl zum gesunden Bein als auch zu gesunden Kontrollpersonen. Dieses Ergebnis war unabhängig davon, ob sich die Entzündung am Ansatz oder im Verlauf der Sehne zwei bis sechs Zentimeter oberhalb der Ferse befand.

Anschließend absolvierten 61 Teilnehmer selbständig ein exzentrisches Krafttraining: Sie stellten sich barfuß in Laufrichtung mit beiden Füßen an den Rand einer Treppenstufe, hoben sich auf die Zehenspitzen, hielten diese Position zwei Sekunden und senkten dann die Fersen unter die Horizontale der Stufe.

Diese Übung wiederholten sie 15 Mal und nach einer Pause von 30 Sekunden weitere 15 Mal. Nach zwölf Wochen waren die Schmerzen, gemessen mit der Visuellen Analogskala, um 44 Prozent gesunken, und zwar durchschnittlich vom Wert fünf auf zwei. Parallel dazu hatte der pathologisch erhöhte Kapillarfluß um 50 Prozent nachgelassen.

Gewöhnlich kommen die Patienten mit Schmerzen direkt in oder ein paar Zentimeter oberhalb der Ferse in die Praxis, und geben an, morgens mehr Beschwerden zu haben als abends, wie Knobloch erläuterte.

Das Training eignet sich auch als probatorische Therapie

Lasse sich zusätzlich noch eine Verdickung der Achillessehne tasten, bestünden gute Gründe, eine Entzündung zu vermuten. Dann könne man zunächst auf weitere Untersuchungen, etwa mit Ultraschall, verzichten und brauche die Patienten auch nicht zwingend zum Facharzt zu überweisen.

Stattdessen empfehle er versuchsweise ein Training, bei dem die Patienten eine Serie mit 15 Mal Auf- und Niederwippen täglich mindestens dreimal, eventuell auch sechsmal wiederholen. "Die Übungen sind nur in der ersten Woche leicht schmerzhaft, wobei ein Muskelkater in den Waden noch das Lästigste ist. Doch nach unseren Erfahrungen bleiben die meisten Patienten am Ball", berichtete Knobloch.

Nach seinen Angaben hat sich das Training auch bei Plantarfasziitis bewährt, einer Entzündung der Fußsohlensehne, die durch das Tragen hoher Schuhe begünstigt wird.

Die Trainingsanleitung findet man unter www.eccentrictraining.com im Internet.

Mehr zum Thema

Umbrella-Review

Welcher Sport bei Depression und Angststörung am besten hilft

Interview mit Physiotherapeutin

Bewegung bei Nackenschmerzen: Welcher Sport ist der richtige?

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Gendermedizin

Geschlechtsspezifische Unterschiede: Frauenherzen schlagen anders

Lesetipps