Direkt zum Inhaltsbereich

Indikation erweitert

Epilepsie: Perampanel jetzt auch für junge Kinder

Die Indikation für Perampanel wurde erweitert: Das Antiepileptikum ist jetzt als Zusatztherapie bei Kindern schon ab dem 4. bzw. ab dem 7. Lebensjahr zugelassen.

Veröffentlicht:

Frankfurt am Main. Perampanel (Fycompa®) hat sich seit seiner Zulassung vor mehr als acht Jahren in der Therapie der Epilepsie bei Erwachsenen und Jugendlichen als effektiv und verträglich bewährt. Jetzt hat die Europäische Kommission die Indikation für den hochselektiven, nicht-kompetitiven AMPA-Rezeptor-Antagonisten (α-amino-3-hydroxy-5-methyl-4-isoxazolepropionic acid) erweitert: Perampanel ist nun als Zusatztherapie bei fokalen Anfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Kindern ab dem 4. Lebensjahr und bei primär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen bei Patienten mit idiopathischer generalisierter Epilepsie ab dem 7. Lebensjahr zugelassen. Die Entscheidung basiert auf den Daten internationaler klinischer Studien.

Studie bei 180 Kindern

In die Open-label- und Single-arm-Phase-III-Studie 311 wurden 180 Kinder im Alter von ≥4 und <12 Jahren eingeschlossen (Epilepsia 2020; 61: 125–137). Die mittlere Tagesdosis lag bei 6 –7 mg – unabhängig vom Anfallstyp und vom Alter. Primärer Endpunkt war die Sicherheit und Verträglichkeit.

Am häufigsten beobachtet wurden Somnolenz (26%), Nasopharyngitis (19%), Schwindel (13%), Reizbarkeit (13%) und Erbrechen (11%). „Die Rate war bei jüngeren Kindern unter sieben Jahren nicht signifikant häufiger als bei älteren Kindern“, konstatierte PD Dr. Thomas Bast, Leiter der Epilepsieklinik für Kinder und Jugendliche am Epilepsiezentrum in Kork. Zu schwerwiegenden behandlungsassoziierten unerwünschten Wirkungen kam es bei 15%, darunter psychiatrische und das Nervensystem betreffende Ereignisse mit zusammen 8%. Eine therapieassoziierte Beeinträchtigung der Kognition und des Verhaltens zeigte sich nicht. Neue Sicherheitssignale wurden auch in der Langzeitanwendung nicht festgestellt (J Child Neurol 2019; 34(5): 284-294).

Erste Real-World Erfahrungen

Daten zur Wirksamkeit zeigten, dass die Anfallsfrequenz nach 28 Tagen um 40% (fokale Anfälle), 59% (fokale Anfälle mit sekundärer Generalisierung) und 69% (primär generalisierte tonisch-klonische Anfälle) reduziert werden konnte. Die Responderraten lagen zwischen 47% und 65%, Anfallsfreiheit erreichten zwischen 12% und 55%.

Die PROVE-Studie 506 (Chez M et al., Poster presented at the 73rd Annual Meeting of the American Epilepsy Society 2019) lieferte erste Real-World Erfahrungen an 203 jungen Patienten (4 bis <12 Jahre). Die mittlere maximale Dosis von Perampanel lag bei 5,3 mg/d. Über zwei Jahre zeigte sich ein insgesamt gutes Verträglichkeitsprofil. 60% der Patienten waren nach einem Jahr noch in Therapie mit Perampanel. „Ein guter Wert, der die Wirksamkeit des Medikaments demonstriert“, kommentierte Bast. (koc)

Quelle: Online-Symposium „Junge Menschen mit Epilepsie: Bedarf – Behandlung – Medikamentöse Therapie“; Dezember 2020, Veranstalter: Eisai

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Datenbankanalyse

Vorsicht bei der Kombination von Antikonvulsiva mit DOAK

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Vorteile von Vamorolon

© Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, modifiziert nach [3−5, 6]

Duchenne-Muskeldystrophie (DMD)

Neue Perspektiven für die Versorgung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Santhera Pharmaceuticals (Deutschland) GmbH, München

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Verlauf des Rett-Syndroms

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Rett-Syndrom

Diagnose und Verlauf einer herausfordernden Erkrankung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Acadia Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

„ÄrzteTag“-Podcast

Die Impfsaison startet: Wie gehen Sie vor, Dr. Fleischhauer?

Prognose meist günstig

Schulterschmerzen in der Hausarztpraxis: Aufklären statt röntgen!

Lesetipps
 Nebenniereninsuffizienz

© Sebastian Kaulitzki / stock.adobe.com

Therapie mit Glukokortikoiden

Was beim Absetzen von Steroiden zu beachten ist