Demenz

Erst Klinik, dann schlechtere Prognose

Müssen Demenzkranke in die Klinik, dann haben sie ein erhöhtes Risiko für Komplikationen. In einer Studie wurden jetzt häufige Probleme identifiziert.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht: 17.07.2013, 07:12 Uhr
Erst Klinik, dann schlechtere Prognose

Mit besonders fürsorglicher Pflege lassen sich bei Demenzkranken in der Klinik viele Komplikationen vermeiden, meinen australische Forscher.

© Grubitzsch / dpa

CANBERRA. Wenn Demenzkranke ins Krankenhaus müssen, bleiben sie länger stationär, werden danach häufiger in ein Pflegeheim verlegt und haben ein höheres Sterberisiko als Patienten ohne Demenz.

Zur schlechten Prognose trägt eine Reihe potenziell vermeidbarer Komplikationen bei, an denen demenzkranke Patienten vermehrt zu leiden haben. "Die höchste Prävalenz und das höchste relative Risiko besteht für Harnwegsinfektionen, Wundliegen, Pneumonie und Delir", berichten australische Ärzte um Dr. Kasia Bail von der Uni Canberrra.

Sie haben Klinikaufenthalte in New South Wales von 2006 bis 2007 ausgewertet (BMJ Open 2013; 3: e002770). Gut zehn Prozent aller Krankenhausepisoden entfielen auf Patienten mit der Nebendiagnose Demenz.

Operationen wurden bei Demenzkranken seltener, in höherem Alter und bei schlechterem Allgemeinzustand durchgeführt als bei geistig gesunden Patienten.

Harnwegsinfekte sind die häufigste Komplikation

Aber auch wenn Alter, Geschlecht und Komorbiditäten berücksichtigt wurden, kam es bei Demenzpatienten postoperativ häufiger zu Komplikationen: Ihr Risiko für Delir, Harnwegsinfekte, Druckulzera, Pneumonien, schwere Flüssigkeits- und/oder Elektrolytstörungen sowie gastrointestinale Blutungen war signifikant erhöht.

Die häufigsten Komplikationen bei Demenz waren Harnwegsinfekte (14 Prozent betroffen, Risiko im Vergleich zu Patienten ohne Demenz 2,8-fach erhöht). Je 7 Prozent bekamen Druckgeschwüre (Risiko 1,8-fach erhöht) oder Pneumonien (1,7-fach); in ein Delir kamen 5 Prozent (3,1-fach).

Diese vier Komplikationen wurden bei nicht chirurgischen Demenzpatienten ebenfalls signifikant häufiger registriert. Auch bei ihnen war das Risiko für ein Delir am stärksten erhöht (4,0 vs. 1,5 Prozent, Risiko 2,8-fach erhöht), Harnwegsinfekten waren am häufigsten (13,4 vs. 7,9 Prozent, Risiko 1,8-fach erhöht).

Eine Demenz erwies sich letztlich als zuverlässigerer Indikator für das Auftreten vermeidbarer Komplikationen als eine Operation.

"Die hohen Raten von vermeidbaren Komplikationen bei Demenzpatienten eröffnen Wege zur Intervention und Prävention", so die Forscher. Sie sprechen sich vor allem für Verbesserungen in der Pflege aus: etwa Mobilisierung der Patienten, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, orientierende Maßnahmen oder Toilettentraining.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Problempatienten in Kliniken

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Kommentare
Daniel Bertsch

Pflegerische Verbesserungen bei Demnz ohne ausreichendes Personal schwierig

"Sie sprechen sich vor allem für Verbesserungen in der Pflege aus [...]". Diese Forderung ist für mich mit einem politischen Willen verknüpft, der in Deutschland noch nicht zu erkennen ist. In Realität ist die Klinik durch zunehmenden Personalabbau in der Pflege bei gleichzeitig immer älteren und multimorbiden Patienten gekennzeichnet. Dieser Personalmangel wirkt sich (erwiesen durch zahlreiche RCT Studien und systematische Literaturreviews) auf die Mortalitätsraten der Patienten aus. So ist bei einer in Deutschland üblichen pflegerischen Betreuung von einer Pflegekraft auf 10 Patienten die Mortalität der betreffenden Patienten signifikant gesteigert. Es wird eine Betreuung in einem Verhältnis von 1:4 empfohlen. Demenzkranke Patienten benötigen oftmals eine rund um die Uhr Betreuung, die die Pflege mit der heutigen Personalsituation unmöglich leisten kann. Um die Forderung dieser australischen Studie für Deutschland umzusetzen, müsste zunächst dem konstanten Personalabbau in den Kliniken ein Ende gesetzt werden um so den Demenzkranken Patienten die Betreuung zukommen zu lassen, die sie tatsächlich benötigen.


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