Direkt zum Inhaltsbereich

Paul-Ehrlich-Institut

Erste klinische Prüfung von COVID-19-Impfstoffen in Deutschland

Die erste klinische Prüfung von COVID-19-Impfstoffkandidaten in Deutschland steht in den Startlöchern. Die Genehmigung dazu ist in nur vier Tagen erfolgt.

Anne BäurleVon Anne Bäurle Veröffentlicht:
Hat schnell reagiert bei der Zulassung eines klinischen Tests für einen möglichen COVID-19-Impfstoff: Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen.

Hat schnell reagiert bei der Zulassung eines klinischen Tests für einen möglichen COVID-19-Impfstoff: Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen.

© PEI

Langen. Vor wenigen Tagen wurde der endgültige Zulassungsantrag eingereicht, und nur vier Tage später, am 21. April, erfolgte bereits die Genehmigung: In Deutschland werden die ersten Impfstoffkandidaten gegen COVID-19 getestet.

Bei den Kandidaten handelt es sich um vier verschiedene mRNA-Vakzinen des Unternehmens BioNTech, wobei sich die vier Kandidaten in kleinen Details voneinander unterscheiden. So werden unter anderem zwei mRNAs getestet, die für unterschiedliche Formen des S-Proteins von SARS-CoV-2 kodieren, um den Impfstoff mit der höchsten Effektivität zu finden.

Zunächst Studie mit 200 Probanden

Zunächst sollen die mRNA-Vakzinen an 200 Probanden im Alter zwischen 18 und 55 Jahren geprüft werden, bereits Anfang Mai werde die Phase-I-Studie starten, berichtete Professor Ugur Sahin von BioNTech. Mit ersten Ergebnissen rechnet Sahin im Juli.

Anschließend würden die vier Kandidaten erneut an zunächst etwa 500 Studienteilnehmern getestet – dann auch an Risikopatienten und Menschen über 55 Jahren. Mit dem Ende dieser zweiten Test-Phase rechnet das Unternehmen im kommenden Jahr. Weitere Zulassungsanträge seien zudem für Studien in den USA in Vorbereitung (in Kooperation mit Pfizer) und in China (mit Fosun Pharma).

BioNTech stellt nach Angaben Sahins mehr als 20 mögliche mRNA-Impfstoffe gegen COVID-19 her. Diese seien bereits in Tiermodellen und in-vitro-Versuchen getestet worden, dabei hätten sich die vier Kandidaten, die jetzt zu Phase-I-Studien zugelassen worden sind, als besonders geeignet herausgestellt. Bis zur Genehmigung der ersten klinischen Studie habe es dann nur drei Monate gedauert.

„Zulassung macht nur Sinn, wenn es gute Daten gibt“

Professor Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, machte deutlich, er halte „Human Challenge“-Studien, bei denen Geimpfte unter klinischen Bedingungen mit SARS-CoV-2 infiziert werden, in der aktuellen Lage nicht für adäquat. „Wir befinden uns in einer Pandemie, Infektionen finden grundsätzlich statt.“

Cichutek betonte: „Wir werden alle uns zur Verfügung stehende Flexibilität nutzen, ohne die nötige Sorgfalt zu vernachlässigen, damit schnell ein Impfstoff zur Verfügung steht.“ Eine Zulassung mache aber nur dann Sinn, wenn es gute Daten zur Verträglichkeit des Impfstoffs gebe.

mRNA-Vakzinen haben grundsätzlich den Vorteil, dass sie schnell und in großen Mengen produziert werden können. Zudem stimulieren sie schon in geringer Dosis eine Antikörper- und T-Zell-Immunantwort. Auch ein Adjuvans ist nicht nötig, da die mRNAs im menschlichen Körper schon per se eine gewisse Immunantwort auslösen. Sie eignen sich daher besonders in Pandemie-Situationen als Impfstoffe.

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Orientierung für die Impfpraxis

Impfen bei Immundefizienz: Worauf es ankommt

Das könnte Sie auch interessieren
Vier Einwände von Herzpatienten im Evidenzcheck

© imran kadir photography | Getty Images

Impfskepsis in der Praxis

Vier Einwände von Herzpatienten im Evidenzcheck

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Gut organisiert in die Grippesaison starten

© Abraham Gonzalez Fernandez | Getty Images

Impfmanagement

Gut organisiert in die Grippesaison starten

Anzeige | Viatris Germany GmbH
„Motivational Interviewing“ in der Impfberatung

© SrdjanPav | Getty Images

Impfkommunikation

„Motivational Interviewing“ in der Impfberatung

Anzeige | Viatris Germany GmbH
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Dr. Halil Alsael 24.04.202019:03 Uhr

Wie stabil ist der RNA-Sequenz in Covid19 Stämmen, der Spike Protein kodiert?

Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion von Gilead Sciences beim DÖAK 2025 von links: Dr. Nazifa Qurishi, Fachärztin für Innere Medizin und Infektiologie, Gemeinschaftspraxis Gotenring Köln; Kelly Cavalcanti, HIV-Aktivistin und Referentin für Gesundheit und Empowerment, Köln, und Martin Flörkemeier, Senior Director Public Affairs, Gilead Sciences, München

© Gilead

Unternehmen im Fokus

HIV-Versorgung: Vertrauen in unruhigen Zeiten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Nahaufnahme eines jungen Paares, das sich küsst.

© Africa Studio / stock.adobe.com

Mögliche Glutenquelle

Wie riskant ist ein Zungenkuss bei Zöliakie?